Die Angst trieb Tatjana Paller (30) zum Skibergsteigen. Eigentlich wollte die Starnbergerin als Bahnradfahrerin zu Olympia. Dort holte sie 2016 und 2017 sogar Gold- und zwei Bronzemedaillen bei U23-Europameisterschaften. Doch Paller fühlte sich nicht mehr wohl. „Im Radsport war dieses Feuer nicht mehr so da“, sagt sie. „Dort gab es dann diesen ganz schlimmen Unfall von Kristina Vogel, nach dem sie querschnittsgelähmt war. Danach hatte ich selbst solche Angst, dass mir auch etwas passiert. Diese Angst ist dann immer mitgefahren, und Radrennen mit Angst funktionieren nicht. Dann kommt nicht mehr das heraus, was man will.“
Vogel kollidierte im Juni 2018 in Cottbus mit einem anderen Fahrer und zog sich eine schwere Wirbelsäulenverletzung zu. „Wir waren oft zusammen auf Weltcups unterwegs“, sagt Paller. „Ich kannte sie schon ganz gut.“
Also suchte sie nach Alternativen. Da sie ein „Winterkind“ sei, habe sie schon immer Schnee und Berge geliebt. Zunächst machte sie Skitouren nur als Hobby, bis sie zufällig über einen Freund herausfand, dass es Rennen im Skibergsteigen gibt. Ab 2020 startete sie selbst, und es lief gut: „Der große Vorteil war, dass ich vom Leistungssport kam“, sagt Paller. „So schaffte ich es als 24-jährige Quereinsteigerin. Außerdem bin ich als Kind bereits Ski alpin gefahren, was auch dazugehört. So brachte ich eine gute Kombination mit.“
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Sechs Jahre später startet sie bei den Olympischen Spielen und gehört zu den Top 10 der Welt. Am Donnerstag findet der Sprint statt. Skibergsteigen ist erstmals olympisch. Paller möchte überraschen. Die Konkurrenz ist hart: „Frankreich, die Schweiz, Spanien und Italien sind die stärksten Nationen“, sagt Paller.
Ihre Stärken sind die intensiven Phasen im Rennen: „Ich laufe gern recht zügig los und hinten raus das Pushen, bis gar nichts mehr geht, mag ich auch gern. Skifahren ist auf jeden Fall eine Stärke von mir.“ Die Wechsel von einem Abschnitt zum nächsten mit hohem Puls und Zeitdruck seien ihre Schwäche, doch diese habe sie zuletzt viel trainiert.
Vom Radfahren ist sie das Schinden bis an die Grenzen bereits gewohnt. „Der Großteil ist Ausdauertraining: 80 Prozent machen die Grundlagen aus, 20 Prozent Intervalle, die schon hochintensiv und auch mal kotzig sind“, sagt Paller mit einem Lachen. „Man muss sich schon sehr gut quälen können. Ich mag das. So finde ich heraus, was möglich ist.“ Jetzt erstmals auch bei Olympia.

