In nur 86 Tagen vom strahlenden Auserwählten zum gefürchteten Wüterich…

Im Herbst galt Ruben Amorim neben Leverkusens Xabi Alonso (43) noch als heißeste Trainer-Aktie Europas. Mit Sporting Lissabon wurde er zweimal portugiesischer Meister, und gewann zweimal den Ligapokal. Am 11.11.2024 verließ Amorim das bis dahin formstärkste Team Europas und ging für 11 Mio. Euro Ablöse zum strauchelnden Giganten Manchester United. „Ich fühle, dass dies der Ort ist, an dem ich sein möchte, weil man Teil von etwas Besonderem sein kann“, sagte Amorim bei seinem United-Start.

Drei Monate später: Ernüchterung. Enttäuschung. Frust. Und ein Trainer, der immer wieder auf seine Mannschaft eindrischt. Von 12 Liga-Spielen als Man-United-Trainer gewann Amorim weniger als jedes Dritte. Mit 29 Punkten und Platz 13 hat United unter dem Portugiesen zwölf Punkte Rückstand auf die internationalen Plätze – und damit genauso viele Zähler, die den Klub von einem Abstiegsplatz trennen.

Besonders waren zuletzt nur noch Amorims Aussagen. Woche für Woche haut der Portugiese aufs neue hammerharten Sätze raus und zerlegt mit ihnen sein eigenes Team. Dabei galt Amorim in Portugal als besonnen.

Lesen Sie mal das Hau-Drauf-Protokoll der ersten drei Amorim-Monate.

► Amorim am 30.12. nach der vierten Niederlage in Folge: „Es ist ein bisschen peinlich, Teammanager von Manchester United zu sein und viele Spiele zu verlieren.“

► Amorim vor dem Duell mit Liverpool am 5.01.: „Meine Spieler sind nervös und haben Angst auf dem Feld. Damit müssen wir klarkommen.“

► Amorim am 19.01. nach der 1:3-Heim-Niederlage gegen Brighton: „„Wir sind das vielleicht schlechteste Team in der gesamten Geschichte von Manchester United.“ Und: „Jeder hier zeigt unzureichende Leistungen, egal unter welchen Umständen. Es ist inakzeptabel, dass ein Verein in der Premier League so viele Spiele verliert, ganz zu schweigen von Manchester United.“ „Von 10 Spielen in der Premier League haben wir zwei gewonnen (…). Stellen Sie sich das für einen Fan von Manchester United vor, stellen Sie sich das für mich vor. Sie bekommen einen neuen Trainer, der mehr verliert als der letzte Trainer.“ Nach der Niederlage soll Amorim in der Kabine vor seinen Spielern in einem Wutanfall einen Fernsehbildschirm zerschlagen haben.

► Amorim am 26.01. nach einem 1:0-Sieg gegen Fulham über den von ihm aussortierten Marcus Rashford (27): „Ich würde eher Vital spielen lassen, als einen Spieler, der nicht jeden Tag sein Maximum gibt. In diesem Punkt werde ich mich nicht ändern.“ Der Portugiese Jorge Vital ist 63 Jahre alt und der Torwarttrainer beim Premier-League-Klub. Amorim sprach schon nicht mehr direkt mit Rashford.

► Amorim am 2.02. nach der letzten 0:2-Heim-Pleite gegen Crystal Palace „Das Ergebnis ist wirklich schlecht. Die Leistung war etwas besser als in den letzten Spielen…“

Die große Hoffnung ist nun der 20-jährige Patrick Dorgu. United zahlte im Winter laut Sky 30 Millionen Euro plus Boni für den Linksverteidiger an US Lecce. In dieser Saison gaben die Red Devils damit insgesamt 244,5 Millionen Euro aus – und übertrafen damit ihren eigenen Transfer-Rekord aus der Spielzeit 2022/23 mit 243,3 Mio. Euro. Dorgu soll das entscheidende Puzzleteil für Amorim sein, der gerne im 3-4-2-1-System spielen lässt. In Manchester fehlte ihm für diese Formation ein geeigneter Spieler auf der linken Außenbahn – bis jetzt. Vielleicht hilft Dorgu dabei, Amorims Hau-Drauf-Protokoll stoppen zu lassen.

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