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Forza Italia!
Als neuer Nationaltrainer und Handball-Entwickler Italiens – eine Aufgabe, auf die ich mich tierisch freue – schlagen ab sofort zwei Herzen in meiner Brust. Aber keine Sorge: Italienischer Wein, Pizza und Pasta sollen hier kein Thema sein.
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Von Gedanken ans Dolce Vita ist mein deutsches Handball-Herz aktuell nämlich so weit entfernt wie unsere Mannschaft vom WM-Titel.
Deutscher Handball, wir müssen reden!
Nach Olympia-Silber hätte ich dieses Szenario kaum für möglich gehalten. Doch wenn heute in Oslo die Medaillen vergeben werden, sitzen unsere Nationalspieler nur vor dem Fernseher. Das ist hart – und darf nicht sein!
Was wir für eine goldige Zukunft jetzt dringend brauchen:
► Mehr Wolff!
In Sachen Einstellung wünschte ich mir für unser Team 16 Andreas Wolffs.

Erst wütend, dann frustriert: unser Torwart-Titan Andreas Wolff (33), der ein starkes Turnier spielte
Haben Sie unseren Torhüter nach der Viertelfinal-Pleite gegen Portugal leiden sehen? Wie er sekundenlang einsam am Pfosten lehnte, wie er dann wild auf den Boden hämmerte und wutentbrannt sein Handtuch warf?
Andis Emotionen drückten Trauer und Enttäuschung aus, sie legten aber auch seine unbändige Gier offen, eine Geilheit auf Erfolg, die im Spitzensport unabdingbar ist. Gegen Portugal habe ich bei vielen unserer Spieler mehr Angst vor dem Verlieren gespürt als Lust aufs Gewinnen.
► Mehr Mut!
Was bringt eine enorme Kadertiefe, wenn wir sie nicht nutzen? Wo waren ein Justus Fischer oder ein Nils Lichtlein, als wir sie so dringend brauchten? Sie saßen auf der Bank …

Enttäuscht: Bundestrainer Alfred Gíslason (65), dessen Vertrag bis 2027 läuft (inklusive Heim-WM)
Stattdessen mussten immer wieder Spieler ran, die entweder seltsam überspielt wirkten oder ganz offensichtlich überfordert waren. Es wird höchste Zeit, dass wir die Breite unseres Kaders zu einem Vorteil machen. Soweit ich denken kann, war in Deutschland noch nie so viel Talent vorhanden – Talent, das wir jetzt bloß nicht verschenken dürfen. Noch mal Mutlos-Weltmeister werden dürfen wir uns nicht erlauben.
► Mehr Struktur!
Es war bei (fast) jedem deutschen WM-Auftritt das Gleiche: Wir lagen schnell hinten und benötigten eine viel zu lange Warmlaufzeit. Planlos und ideenlos wirkte unser Spiel, es fehlte an klaren Strukturen und einstudierten Abläufen.

Während im Hintergrund die Portugiesen vor Freude tanzen, schleichen die deutschen Spieler nach der Pleite im Viertelfinale aus der Halle. Renars Uscins (22) versteckt sein Gesicht unter dem Trikot
Einen Matchplan, wie man neudeutsch so schön sagt, habe ich selten erkennen können. Vorgaben, an denen sich (junge) Spieler aufrichten können, vor allem wenn es mal nicht so läuft. Gold bei der Heim-WM 2027 ist nach wie vor möglich, doch dafür muss sich die Tektonik unseres Spiels schleunigst ändern.
► Mehr Dänemark!
Unser Nachbarland macht es seit Jahren vor. Mit unendlicher Energie, kindlicher Spielfreude und grenzenlosem Erfolgshunger heben die Dänen seit Jahren die Handballwelt aus den Angeln. Das liegt natürlich an einer fantastischen Spieler-Generation um Welthandballer Mathias Gidsel, die Super-Trainer Nikolaj Jacobsen um sich gescharrt hat.
Es liegt aber auch an den besseren Bedingungen für den Nachwuchs. Ein Beispiel gefällig? Dänische Kinder verbringen ihre Nachmittage in den unzähligen für jedermann geöffneten Sporthallen. Bei uns in Deutschland gibt es nur streng reglementierten Zugang zu festen Trainingszeiten. Das geht nicht! Da müssen wir im Dialog mit der Politik schnell nachbessern.
Wir sind raus!: Drama-K.o. gegen Portugal
Die Zukunft ist JETZT!
Wir dürfen nicht warten, bis Jungs wie Julian Köster oder Juri Knorr (beide aktuell 24) 30 sind. Wir wollen doch alle, dass sich die Dänen bald wieder vor den Deutschen fürchten müssen – und nicht die Deutschen vor den Italienern.
Dazu soll es bitte nie kommen – egal, wer in Italien jetzt Trainer ist …


