Riesen-Kampf! Riesen-Spannung! 3,7 Sekunden vor Schuss fällt in Hamburg die Entscheidung. Aber schön war dieses Spiel wirklich nicht.
Die Veolia Towers schlagen im ersten Spiel der Rückrunde die Fit/One Würzburg Baskets mit 68:66 (34:39). Und melden sich in der Easycredit Basketball Bundesliga zurück im Rennen um die Play-Ins.
Die Würzburger kassieren dagegen die dritte Pleite in Folge. Seit Kapitän Zac Seljaas (27/Muskelbündelriss) fehlt, hat der Champions-League-Teilnehmer seinen Rhythmus verloren.
Trainer Sasa Filipovski (50) ist unzufrieden mit seiner Mannschaft, aber auch mit dem Spielplan. Er verrät nach dem Spiel im Interview bei Dyn und WELT: „Wir wollten, dass das Spiel verlegt wird, weil wir die deutschen Farben auch noch in der Champions League vertreten.“ Würzburg muss am Dienstag direkt wieder gegen Derthona Basket (Italien) ran.
Der eng getaktete Spielplan kann aber nicht die einzige Erklärung sein für das, was Würzburg bei den Towers über weite Strecken anbietet.
Basketball-Bundesliga: Veolia Towers Hamburg schlagen Fit/One Baskets Würzburg in letzter Sekunde
Bei Hamburg kehrt Niklas Wimberg (28/Rippen) nach drei Pflichtspielen Pause zurück. Trotzdem fehlen weiter Kapitän Benedikt Turudic (27/Bandscheibe) und Zsombor Maronka (22/Fuß). Aber auch die Würzburger kämpfen seit Wochen mit Verletzungen. Denn neben Zeljas muss Filipovski auf Nelson Phillips (26) und Fabian Bleck (31) verzichten.
Das Resultat ist wirklich nichts für Feinschmecker. Dyn- und WELT-Kommentator Chris Schmidt bringt es mit einem kuriosen Vergleich auf den Punkt: „Wenn Basketball ein Auto wäre, dann wäre das ein alter Käfer mit stockendem Motor.“
Stockend läuft auch das angedachte Halbzeit-Interview. Hamburg-Trainer Benka Barloschky steht erst bereit, doch dann dauert es ihm offenbar zu lange.
Schmidt muss das „Gespräch“ noch während der ersten Frage abbrechen: „Ich begrüße zum Halbzeit-Interview Benka Barloschky, der Hamburger Headcoach. Ein Spiel der Wellen aus Hamburger Sicht … und ja, er war gerade noch da und er hat es jetzt abgebrochen. Er möchte sich scheinbar fokussieren, obwohl wir noch im Zeitfenster sind. Schade drum. Schade, keine Hamburger Stimme. Vielleicht können wir ihn nach dem Spiel hören.“
Mitten im Spiel: Ganze Halle pfeift DIESE Zwillinge aus
Im Spiel mauert Würzburg die Zone rund um den Korb zu. Die Towers kommen im ersten Viertel nicht zum Korb durch. Es dauert 9:34 Minuten, bis Rückkehrer Wimberg per Korbleger die ersten Hamburger Punkte aus dem Zwei-Punkte-Bereich macht. Weil auch die Distanz-Würfe nach gutem Start nicht fallen, liegen die Gäste schnell vorn.
Im zweiten Viertel bauen die Würzburger den Vorsprung vor 3400 Fans (ausverkauft) sogar bis auf 16 Punkte aus (22:38/16.). Die Türme finden zunächst defensiv kein Mittel. Doch plötzlich der Bruch im Spiel der Bayern.
Mit einem 10:0-Lauf kämpfen sich die Towers zurück. Energie und Intensität sind auf ein Mal da. „Wir haben in der ersten Hälfte nicht schlecht verteidigt, haben uns aber offensiv nicht an den Plan gehalten, waren ein bisschen zu kreativ und chaotisch“, sagte Barloschky hinterher. „Das haben wir in der zweiten Hälfte deutlich besser gemacht.“
Ein irrer Alley-Oop-Dunk von Center Kur Kuath (28) lässt die Halle beben. Der Mann aus dem Südsudan ist zwar „nur“ 2,08 Meter groß – aber mit seinen Kraken-Armen und einer Mega-Spannweite von 2,23 Metern ist Kuath der Mann für die Poster-Momente. Und erneut für ein sogenanntes „Double-Double“ (13 Punkte, 10 Rebounds).
„Er ist ein Spieler, der elektrisieren kann und eine Halle ins Spiel bringt“, sagt Barloschky. Kuath genießt diese Momente: „Es fühlt sich großartig an. Wenn man so eine Aktion hat, multipliziert sich das. Zu den Mitspielern, dem Fans, den Trainern.“
Würzburg bleibt viertelübergreifend sieben Minuten ohne Korb aus dem Feld. In der 25. Minute sorgt Osaro Jürgen Rich (26) per Dunking für die erste Hamburger Führung seit dem Beginn. Jetzt ist es ein Spiel! Und ein Kampf!
Würzburgs Mike Lewis II (26) verpasst Brae Ivey (28) (unabsichtlich) eine Gerade ans Kinn (27.). Unsportliches Foul! Filipovski will es nicht wahrhaben, nimmt seinen Video-Beweis. Doch auch nach Ansicht der Bilder bleibt die Schiedsrichter-Crew um Gentian Cici dabei.
Im Schlussviertel geht das Gehacke weiter. Nicht schön, aber immerhin spannend …
Würzburgs MVP-Kandidat Jhivvan Jackson (26) findet den Zündschlüssel zum stockenden Käfer, reißt die Partie im Schlussviertel an sich. Trotzdem können sich auch die Würzburger nicht absetzen. Noch 97 Sekunden: Auszeit Towers. Hamburg verliert zweimal den Ball. Wahnsinn. Doch dann schmettert Kuath den Ball durch Ring – 67:66. Brae Ivey erhöht per Freiwurf zum 68:66.
Top-Scorer Jackson (18 Punkte) kann zum Würzburger Helden werden, zieht zum Korb, wird per Foul gestoppt. Doch er setzt den ersten Freiwurf daneben. Den zweiten knallt er absichtlich an den Ring, der Rebound geht an Kuath und die Towers, die den Sieg holen.


