Die Spannung steigt! Am Samstag (15 Uhr/Dyn) duellieren sich der SC Magdeburg und die Füchse Berlin im Halbfinale der Handball-Champions-League. SPORT BILD sprach vor dem deutsch-deutschen Kracher mit den Superstars beider Teams: Wer ist beim Final4 ihr Favorit auf den Königsklassen-Titel?
SPORT BILD: Was ist am Champions-League-Ort Köln so besonders, worin liegt die Handball-Magie?
Mathias Gidsel (27): Köln ist die größte Handballbühne, die es gibt. Egal wie das Ergebnis ist, das Erlebnis ist immer schön. In einer so großen Halle und vor 20.000 Zuschauern spielen zu dürfen, ist fantastisch. Schon beim Einlaufen merkst du, wie groß dieses Event ist.
Gisli Kristjansson (26): Wenn du nach Köln fährst, weißt du, es geht um etwas. Die Atmosphäre dort ist einfach etwas ganz Besonderes. Was die Fans da für eine Stimmung machen, ist überragend.
Wird es für beide Teams nicht langsam langweilig, in den entscheidenden Spielen immer aufeinander zu treffen?
Gidsel: Es wird niemals langweilig, gegen Magdeburg zu spielen – im Gegenteil! Wir spielen immer gegen sie, wenn es um etwas Wichtiges geht. Jedes Duell ist anders, deshalb bleibt es immer spannend.
Kristjansson: Auf gar keinen Fall. Im Gegenteil! Das macht immer Spaß, weil es Spiele sind, in denen es eng ist und etwas entschieden werden kann. Besser geht’s nicht! Das kann man nur genießen.
Was denken Sie: Wird es in den nächsten Jahren mal einen anderen Welthandballer als Mathias Gidsel geben?
Gidsel (lacht): Irgendwann ja. Meine Zeit hört auch irgendwann auf, hoffentlich aber noch nicht in naher Zukunft. So eine Auszeichnung ist eine Momentaufnahme und sagt genauso viel über das Team aus, in dem du spielst.
Kristjansson: Gute Frage. Mathias Gidsel macht das momentan sehr gut. Aber wer weiß, was die Zukunft bringt.
Alle wollen ihn stoppen: Berlins Mathias Gidsel (M.) im Spiel gegen Magdeburg.
Sie sind unter den Torschützen Ihrer Mannschaft immer ganz vorne mit dabei, werfen aber keine Siebenmeter. Woran liegt das?
Gidsel: Ich könnte das machen, aber dafür gibt es Spezialisten. Gisli und ich haben schon sehr viel Verantwortung im Angriff. Ich finde es gut, die Aufgaben und die Verantwortung im Team zu verteilen.
Kristjansson: Da lege ich nicht so viel Wert drauf. Es geht nicht darum, wer die meisten Tore wirft, sondern darum, dass wir zusammen erfolgreich sind. Wir haben es über die Saison alle zusammen gut gelöst und ich habe meinen Teil auf der Mitte dazu beigetragen. Damit bin ich zufrieden.
Was kann Berlin auf dem Spielfeld am besten und worin ist Magdeburg richtig stark?
Gidsel:[–> [–>Unsere Füchse-Stärke ist das Tempospiel. Wir sind extrem gut, wenn die Frequenz im Spiel sehr hoch ist. Das ist immer ein Vorteil für uns, im Gegensatz zu Magdeburg. Wir bekommen eher Schwierigkeiten, wenn die Frequenz nicht so hoch ist und sie viele Siebenmeter und Freiwürfe bekommen. Magdeburg hat so viele gute Eins-gegen-Eins-Spieler. Der SCM spielt ohne viele technische Fehler. Das macht es hart für uns, denn wir leben von gegnerischen Fehlern und Tempo.
Kristjansson: Berlin steuert das Tempo sehr gut und läuft stark zurück. Wir auf der anderen Seite machen sehr viele Dinge gut und das stabil über die ganze Saison. Das beeindruckt mich gerade auch selbst etwas.
Handball: Wie Gidsel und Kristjansson über die Champions League denken
Wenn Sie an das Champions-League-Final4 aus dem vergangenen Jahr denken, was fällt Ihnen als Erstes ein?
Gidsel: Es war erst ein schönes Erlebnis, bis zu meiner unglücklichen Roten Karte im Halbfinale nach neun Minuten. Trotzdem hat die Mannschaft ein unfassbar gutes Halbfinale gespielt. Das verlorene Finale gegen den SCM war ein schwieriger Moment, aber jetzt haben wir ja nochmal die Chance, unsere Freunde aus Magdeburg zu schlagen.
Kristjansson: Das war schon ein krasses Wochenende. Aber ehrlich gesagt, ist das erste Final4, das ich gespielt habe, noch wichtiger für mich. Das war ein wahnsinniges Wochenende. Die Champions League zu gewinnen, wird immer eine meiner schönsten Erinnerungen bleiben.
Das zweite Halbfinale spielen Aalborg und Barcelona. Wer setzt sich da durch?
Gidsel: Das sind zwei absolute Top-Teams! Barcelona ist jedes Jahr auf der großen Bühne dabei und kann jeden schlagen. Alle vier Mannschaften sind, und das erlebe ich in meinem Handball-Leben so zum ersten Mal, auf einem Niveau. Insgesamt hat Magdeburg vielleicht einen kleinen Vorteil, weil sie so eine überragende Saison gespielt haben.
Kristjansson: Das wird sehr eng. Aalborg hat eine fantastische Saison gespielt, aber ich sehe einen kleinen Vorteil bei Barcelona, weil sie noch mehr Erfahrung haben – das kann in knappen Spielen den Unterschied ausmachen.
Die Fußball-WM hat begonnen. Sind Sie Fußball-Fans? Für welches Land werden Sie jubeln und wer wird Weltmeister?
Gidsel: Ich verfolge Fußball. Dänemark ist nicht dabei, das tut mir als Däne etwas weh. Ich hoffe, unsere skandinavischen Freunde Norwegen und Schweden schneiden gut ab. Und dann hoffe ich natürlich für meine zweite Heimat, dass es für Deutschland gut läuft. Ich will gerne die Stimmung in der Stadt erleben, wenn Deutschland spielt. Ich tippe aber: Frankreich wird Weltmeister.
Kristjansson: Ich bin großer Fußball-Fan und brenne für Portugal. Cristiano Ronaldo ist mein Lieblingsspieler, deswegen hoffe ich, dass sie gewinnen.
Gidsel: „Zum Glück kann ich ja gut Handball spielen“
Wie sieht es mit Ihren Fußballkünsten aus? Handballer spielen ja oft zur Erwärmung Fußball…
Gidsel (lacht): Jeder weiß, dass ich bei den Füchsen Berlin der Torschützenkönig im Fußball bin. Ich habe meine Fußball-Karriere im Training getauscht und stehe jetzt im Tor, wo ich aber auch eine überragende Leistung zeige. Alle meine Mitspieler wollen das Gegenteil behaupten und sagen, ich wäre nicht so gut. Aber so ist es mit uns Handballern: Wir denken alle, wir können Fußball spielen. Zum Glück kann ich ja gut Handball spielen…
Kristjansson: Ganz okay, würde ich sagen, doch das sollen andere beurteilen. Aber: Fußball bei der Erwärmung zu spielen macht am meisten Spaß.
Wie denken Sie über den dritten Startplatz in der Champions League für Deutschland und die komplizierten Varianten der EHF für die Qualifikation?
Gidsel: Deutschland hat das verdient, mit drei Teams aus der Bundesliga in der Champions League antreten zu dürfen. Die Liga hat in den letzten Jahren gezeigt, wie viele gute Mannschaften sie hat – auch in der European League. Man muss aber aufpassen, dass Handball nicht nur eine deutsche Liga wird. Die Balance mit den anderen Nationen muss stimmen. Es ist super, dass wir diesen dritten Platz jetzt bekommen. Das Urteil darüber, wie das entschieden wurde, überlasse ich lieber den Experten.
Kristjansson: Ich finde die Regel gerade nicht optimal. Dass man in der Liga verlieren muss, um sich für die Champions League zu qualifizieren, ist nicht akzeptabel. Meiner Meinung nach sollte Deutschland drei Startplätze erhalten. Kommt dann ein deutscher European-League- oder Champions-League-Sieger hinzu, ist das nur folgerichtig. Eine starke Liga verdient entsprechend viele Startplätze.
Wer unterstützt Sie in Köln und wie viele Tickets mussten Sie schon besorgen?
Gidsel: Ich habe für meine Familie fünf Tickets besorgt, aber ich weiß noch von vielen anderen Freunden, die auch kommen. Meine Freundin Katerine und meine Eltern sind natürlich dabei.
Kristjansson: Meine Familie, meine Frau und meine Freunde sind alle da. Und wahrscheinlich viele andere Isländer…
Hat Ihre Rückennummer für Sie eine besondere Bedeutung?
Gidsel: Ich trage die Nummer 19 schon meine ganze Karriere, weil Luc Abalo früher mein Vorbild war. Er hat auch immer mit der 19 gespielt und die verrücktesten Sachen mit dem Ball gemacht. Ich wollte immer sein wie er – mit seiner Stärke, seiner Qualität und seiner Kreativität.
Kristjansson: Mein Vater hat auch immer mit der 10 gespielt. Er ist in Island eine Handball-Legende und ein großes Idol für mich.
Wer hat den besseren Trainer?
Gidsel: Für mich leisten beide Trainer herausragende Arbeit, sonst wären unsere Mannschaften nicht in Köln dabei. Ich bin zufrieden und glücklich mit unserem Trainerteam. Gleichzeitig habe ich riesigen Respekt vor Bennet Wiegert bei Magdeburg und was er aus dieser Mannschaft gemacht hat. Er hat diesen Erfolg über viele Jahre aufgebaut: Von weit weg, gemessen daran, wo sie aktuell sind, bis hin zur besten Mannschaft der Welt. Da musst du ein überragender Trainer sein und ein guter Sportmanager dazu, der gut mit Menschen kann.
Kristjansson: Ich kann Nicolej Krickau nicht bewerten, da ich nie unter ihm gespielt habe. Aktuell spricht die Tabellensituation für sich. Was im Final4 passiert, werden wir sehen. Ich bin mit meinem Trainer auf jeden Fall sehr zufrieden.

