Die Wurzeln des Dartsports liegen in den traditionellen Pubs Großbritanniens. Bis heute gilt Dart vielen als Kneipensport – und damit auch als eng mit Alkoholkonsum verbunden. Doch das Bild hat sich in den vergangenen Jahrzehnten grundlegend verändert. Während in den 1990er-Jahren selbst Spitzenspieler häufig mit einem Bier in der Hand am Board standen, prägen heute hochprofessionelle Turniere, Tausende Fans und enorme Preisgelder die Szene. Auch die Athleten haben sich gewandelt: Statt älterer Spieler mit Bierbauch bestimmen zunehmend junge, trainierte Profis das Geschehen. Alkohol scheint im modernen Dartsport nur noch auf den Zuschauerrängen präsent zu sein. Ex-Weltmeister Dennis Priestley sieht das allerdings anders.
Der 75-jährige Engländer glaubt, dass Alkohol hinter den Kulissen weiterhin eine Rolle spielt. Seiner Ansicht nach greifen auch heute noch zahlreiche Profis vor ihren Auftritten zum Getränk. Der Hintergrund sei für ihn klar: „Es beruhigt einfach die Nerven. Man muss einfach genau wissen, wie viel man braucht, um die Nerven zu behalten.“
Dennis Priestley (75) wurde 1995 Weltemeister
Priestley selbst machte in der Vergangenheit keinen Hehl daraus, ebenfalls auf diese Methode gesetzt zu haben. Der Weltmeister von 1994 berichtete einst, dass Spieler früher „flaschenweise“ Jack Daniel’s konsumiert hätten. Sein eigenes WM-Finale habe er nach eigenen Angaben mit vier Bier gewonnen. Aktive Profis weisen jedoch zurück, dass heute gezielt Alkohol eingesetzt werde, um die Leistung zu beeinflussen.
Matthew Porter, Geschäftsführer der Professional Darts Corporation (PDC), sieht aktuell keinen Anlass für strengere Kontrollen: „Bei uns ist es nicht so, dass wir das Gefühl haben, das kontrollieren zu müssen. Einfach, weil es nichts ist, was außer Kontrolle geraten ist.“ Und zieht einen ungewöhnlichen Vergleich. „Wenn ich Harry Kane wäre und für Bayern spielen würde, könnte ich zwei Bier trinken und dann in der Allianz Arena auflaufen. Nichts in den Regeln hält ihn davon ab.“
Imagewechsel eines Kneipensports
Der moderne Dartsport wird heute von einem neuen Spielertyp geprägt. Namen wie Luke Humphries oder Gian van Veen stehen exemplarisch für die jüngere Generation von Profis. Beide gehören zur Weltspitze und belegen aktuell Rang zwei beziehungsweise drei der Weltrangliste. Auch Gerwyn Price verkörpert diesen Wandel: Der ehemalige Rugbyspieler wirkt mit seiner athletischen Erscheinung eher wie ein Bodybuilder als wie das Klischee eines Dartspielers.
Luke Humphries (31) befindet sich auf dem zweiten Platz der Weltrangliste
Die körperliche Fitness gewinnt im Dartsport zunehmend an Bedeutung. Der internationale Turnierkalender ist deutlich voller als noch vor einigen Jahrzehnten. Hinzu kommen lange Reisen zu Veranstaltungen in Nordamerika, Australien oder Asien. Gleichzeitig hat die Leistungsdichte an der Weltspitze stark zugenommen. Wer dauerhaft mit den Besten mithalten möchte, benötigt auch die körperlichen Voraussetzungen, um den Belastungen des modernen Profi-Alltags standzuhalten.

