Paris – [–>Vincent Kompany (40) saß beim Halbfinal-Hinspiel der Champions League zwischen Paris Saint-Germain und dem FC Bayern (5:4 nach 5:2) wegen einer Gelbsperre auf der Pressetribüne – ganz oben, neben den Klub-Analysten Patrick Lieb und Giacomo Stey. Kaum hatte Schiedsrichter Sandro Schärer (37) das Spiel abgepfiffen, machte sich der Bayern-Trainer gemeinsam mit seinem persönlichen Assistenten Rodyse Munienge auf den Weg in die Katakomben des Stadions.
Sein Ziel: die Mannschaftskabine. Sportvorstand Max Eberl (52) berichtete: „Ich war nur ganz kurz in der Kabine, aber der Coach war schon da, ist hereingekommen und hat seine Worte an die Mannschaft gerichtet.“ Trotz der Niederlage wählte Kompany bewusst Worte des Lobes und der Zuversicht – mit Blick auf das Rückspiel kommenden Mittwoch zu Hause.
Sportvorstand Max Eberl (52) war bei Kompanys die Kabinen-Ansprache dabei
Was Kompany der Mannschaft sagte
Mittelfeldspieler Aleksandar Pavlović (21) gab Einblick in die Kabinenansprache: „Er hat gesagt, dass er stolz auf uns ist – und darauf, wie wir zurückgekommen sind, was für eine Mentalität wir gezeigt haben, dass wir auch eine gute Energie im Spiel gehabt haben und dass wir auch ein gutes Spiel gemacht haben. Und er freut sich schon auf München!“
Besonders unterstrichen haben soll Kompany die Reaktion seiner Mannschaft nach dem 2:5-Rückstand in der 58. Minute: Dass sich die Bayern nicht aufgaben und sich noch auf 4:5 rankämpften, wertet der Trainer als wichtiges mentales Signal – und als Grundlage für realistische Chancen auf das Finale am 30. Mai in Budapest.
Kapitän Manuel Neuer (40) ergänzte den analytischen Teil der Ansprache: „Feinheiten muss man verbessern. Man muss jetzt analysieren und versuchen, Nutzen aus diesem Spiel herauszuziehen, um das in München noch besser zu machen.“
Kompany-Kritik an zwei Schiedsrichter-Entscheidungen
In den anschließenden Interviews äußerte Kompany auch Kritik – an zwei Entscheidungen von Schiedsrichter Schärer. Beim Gegentor zum 1:2 in der 33. Minute, dem ein Eckball vorausgegangen war, sagte er bei „Amazon Prime Video“: „Es war keine Ecke. Natürlich müssen wir das besser verteidigen. Aber das sind so Details von diesen wichtigen Entscheidungen, die wir nicht bekommen haben, die uns dann in dieser Phase leider sofort ein Gegentor gekostet haben.“
Auch den Handelfmeter, den Alphonso Davies (25) kurz vor der Pause verursachte und den Ousmane Dembélé (28) zum 3:2 verwandelte, hält Kompany für fragwürdig: „Den Elfmeter finde ich auch höchst diskutabel. Also von dem, was ich gesehen habe, sieht es so aus, als ob der Ball erst mal an den Körper geht und dann an den Arm. Und wenn das der Fall ist, dann ist es kein Elfmeter.“
Kompany über die Tribünen-Erfahrung
Auf der Pressekonferenz schilderte Kompany auf SPORT BILD-Nachfrage, wie er das Spiel von oben erlebt hatte: „Das war eine Katastrophe – diese Erfahrung habe ich nicht genossen.“

Vincent Kompany (M./40) während des Spiels auf der Pressetribüne neben seinen Analysten Patrick Lieb (l.) und Giacomo Stey (r.)
Den Kontakt zu seinem Trainerteam um Co-Trainer Aaron Danks (42) an der Seitenlinie beschrieb er wie folgt: „Natürlich war es erlaubt und möglich, Kontakt zu halten mit meinem Trainerteam, aber die Emotionen am Platz sind noch mal ganz andere. Ich habe meinem Trainerteam sehr viel Vertrauen gegeben, sie wussten: Ich werde meine Meinung sagen, aber wenn das Gefühl am Platz anders ist, dann werde ich nicht die Entscheidungen aus 80 Metern treffen.“ Und weiter: „Die Energie und die Mentalität, die das Trainerteam gezeigt hat, möchte ich loben. Das habe ich trotzdem genossen aus dem obersten Stock.“
Den Abend beendete das Team beim traditionellen Bankett im Teamhotel „Four Seasons George V“ nahe des Arc de Triomphe. Dort fand auch CEO Jan-Christian Dreesen (58) lobende Worte für Kompany und die Mannschaft: „Die Mannschaft hat diesen Charaktertest wieder einmal bestanden. Das war heute außergewöhnlich und das zeichnet die Arbeit von Vinnie, von Aaron (Danks; d. Red.), von allen im Staff aus. Das haben wir, glaube ich, in dieser Art und Weise noch nicht erlebt. Das zeichnet Euch als Mannschaft aus und dafür möchte ich einmal ausdrücklich ‚Danke‘ sagen.“

