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„Meine Bayern“ heißt die Kolumne von SPORT BILD-Reporter-Legende Raimund Hinko, die sich mit dem deutschen Rekordmeister befasst. Hinko begleitet den FC Bayern seit Jahrzehnten.

Lieber Vincent Kompany,

wenn Du abergläubisch bist wie so viele Deiner Kollegen, die Mehrheit Deiner Vorgänger, dann hätte ich eine prima Idee. Du setzt in Paris Harry Kane, Michael Olise und Jamal Musiala wieder auf die Bank. Du bringst im Defensivbereich wieder so ein Talent aus dem Bayern-Campus, das nur seine Mathe- und Erdkunde-Lehrer kennen.

Jaja, ruhig Blut. Ich bin ja nicht blöd. Ich weiß, dass Du in Paris gesperrt bist, nicht in die Kabine darfst, nicht auf den Rasen, nicht auf die Bank. Doch das ist auch sowas von egal mit Deinem eingestimmten Team. Jeder kennt Dich von den Jungs besser als deine Familie, vor allem Dein belgischer Landsmann Aaron Danks. Deshalb hast Du ja auch keinen WM-Job angenommen, keine TV-Experten-Auftritte. „Sonst hätte ich keine Familie mehr“, hast Du gesagt.

Und wenn ihr dann 0:3 hinten liegt – das kann viel schneller gehen als noch in Mainz, dann grantelst Du auf beste Münchner Art eben auf der Tribüne rum. Die Spieler würden ihn trotzdem in der Kabine spüren, Deinen beleidigten Blick, der durch Mark und Bein gehen kann – und wirfst ohne große Worte zu verlieren, Kane, Olise und Musiala in die Schlacht (entschuldige das martialische Wort). Ja – Geschichte wiederholt sich manchmal, am Ende steht es 4:3 für die Bayern – und niemand mehr kann sie aufhalten auf dem Weg zum vierten Triple.

Halt, STOP – wenn das alles so einfach wäre. So kommt es natürlich nicht. Obwohl fast alles möglich erscheint bei Dir. Kleine Wunder auf Knopfdruck, an historischen Tagen sogar große. Du hattest großartige Vorgänger, lieber Vincent Kompany. Udo Lattek trug in den glorreichen Siebzigern blaue ungewaschene Pullis, bis sie ihm vom Leibe fielen, Aufstiegstrainer Tschik Cajkovski aß so viel Schweinshaxn, dass er sich auf der Toilette übergab, um noch mehr reinzuzwingen, was auch für seinen Nachfolger Branko Zebec galt, nur dass er hochprozentig Flüssiges bevorzugte. Der Holländer Louis van Gaal liebte den spanischen Roten, der Ungar Gyula Lorant französische Austern bis 1000 D-Mark auf der Rechnung standen, dessen Landsmann Pal Csernai baskische Glasaale (Angulas), nicht minder teuer. Doch lieb und teuer war ihnen immer auch der Erfolg. Und den hatten sie samt ihrer Macken alle. Neben riesengroßem Verstand, der bei Dir überwiegt, lieber Vincent, der Du gern zu bayerischem Weißbier greifst, ohne die Kontrolle zu verlieren. Und entschieden wird das Duell höchstwahrscheinlich sowieso erst im Rückspiel nächsten Mittwoch in der Allianz Arena. Und ob nun gesperrt oder nicht – das ist sowas von egal. Im Mittelpunkt würdest Du sogar stehen, wenn man Dich in den Knast sperrt,

Das größte Kunststück hast Du im zwischenmenschlichen Bereich sowieso längst vollbracht, einem Bereich, wo schon rund um die Jahrtausend-Wende Jupp Heynckes, Ottmar Hitzfeld und Hansi Flick (mit Barcelona schon wieder auf dem Weg zur spanischen Meisterschaft), mit überbordender Empathie glänzten.

Kaum jemand kennt ihn: ER ist Bayerns Cheftrainer gegen PSG

Quelle: BILD

Nicht nur, dass da auch kleinste Eifersüchteleien wie weggezaubert sind, wenn der vierfache Vater Joshua Kimmich mit den vier Kindern von Harry Kane spielt. Es sind die kleinen Zeichen auf dem Spielfeld, wenn Kane in der sechsten Minute der Nachspielzeit einen verlorenen Ball am Mainzer Strafraum wieder zurückerobert, obwohl die unglaubliche Aufholjagd schon vollbracht war. Diese unglaubliche Ausbeute von 113 Toren nach 31 Spieltagen kann ja nur ein Rekord für die Ewigkeit werden, wenn Du immer so reagierst wie nach dem zweiten Tor von Olise, wo Du diesen unglaublichen Satz nachgeschoben hast, dass Du enttäuscht gewesen wärst, wenn der Zauberball des Franzosen nicht im Winkel gelandet wäre – er dürfe natürlich nicht rein, dieser Ball. Das sind Worte, die Dich, Vincent Kompany adeln, vor allem auch bei den Spielern. Olise spürt deine Worte, wenn er DOCH VON ANFANG AN neben dem Eifelturm aufläuft, auch wenn er in England aufgewachsen ist Kompany redet mit ihm französisch. Sie reden viel, diese beiden zurückhaltenden Menschen.

Dass sich zuletzt, natürlich nicht in Paris, die Torwart-Legende Manuel Neuer immer wieder mal freiwillig auf die Bank setzt, von dort aus nicht nur als Kapitän agiert, sondern sich unübersehbar mit jedem Tor, jeder gelungenen Szene mitfreut, das ist eine Sensation, wenn man sieht, wie manchmal unschön sich der FC Bayern gerade von ruhmreichen Spielern getrennt hat oder sie sich von ihm. Da macht eine prima Idee die Runde, dass der unbestritten weltbeste Elferschütze, Harry Kane natürlich, demnächst sein gutes Herz zeigt und Neuer beim Elfmeter ranlässt. Ein Wiener Schnitzel wäre die willkommene Prämie. Du, lieber Vincent, wärst dann übrigens nicht ausgesperrt, sondern – herzlichst willkommen – mittendrin. Scheiß-Sperre heute. Wegen des bisschen Meckern und drei gelber Karten. Was soll’s…

Übrigens: Der Vertrag mit Manuel Neuer muss verlängert werden.

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