Rekordmeister gegen Tabellenletzten – klingt nach klarer Sache. Doch Vorsicht! Der THW Kiel geht schwer angeschlagen ins Duell mit dem SC DHfK Leipzig. Gleich fünf Verletzte muss das Starensemble kompensieren. Wird das Kellerkind zum Stolperstein?
Ja, denn in der Daikin Handball-Bundesliga knöpft Leipzig mit einem 28:28 (12:13) Kiel tatsächlich einen Punkt ab.
Ins Spiel startet die Mannschaft von Trainer Filip Jicha (44), wie man es für ein Kieler Heimspiel erwartet. Schnell geht der THW mit vier Toren in Führung (6:2/9.). Dabei fehlen im Kader gleich fünf Stammspieler: Emil Madsen (Knie-OP), Elias Skipagötu (Schulter-Probleme), Bence Imre (Fieber), Veron Nacinovic (Nasenbeinbruch) und Eric Johansson (Knie-Verletzung). Kiel kann den guten Start nicht halten. Mit jeder Minute kommt Leipzig immer besser ins Spiel. Hat sogar mehrfach die Chance, in Führung zu gehen. Nach 23. Minuten der erste Ausgleich 9:9.
Wenn die vielen technischen Fehler nicht wären, würden die Kieler längst zurücklegen. Kurios: Leipzig in allen anderen Statistiken in der ersten Hälfte vorn. Wurfquote 68 Prozent zu 64 Prozent und auch Leipzigs Keeper, der Ex-Kieler Tomáš Mrkva (37), zeigt mit 39 Prozent (7 Paraden) eine bessere Leistung als Nationaltorwart Andi Wolff (19 Prozent/nur 3 Paraden).
Für Wolff kommt in der 2. Halbzeit Spaniens Keeper Gonzalo Perez de Vargas (35). Mit ihm im Rücken kann sich Kiel erstmals wieder auf zwei Tore absetzen – 22:20 (45.). Dazu hilft im Angriff das 7 gegen 6. Damit hat die Leipziger Abwehr Probleme. Das Tabellenschlusslicht klebt dem THW wie Kaugummi an den Turnschuhen. Bitter, in der 52. Minute kann Leipzig sogar erstmals in Führung gehen, aber Staffan Peter (22) verballert den Siebenmeter. Dann ist es so weit: Dean Bombač macht das 25:24 (53.) für den SC DHfK. Irre, was ist denn hier los?
Drama in Kiel: Leipzig klaut Rekordmeister einen Punkt
Die Crunch-Time ein Krimi. Kein Leckerbissen, die Fehlerquote weiter hoch, dafür spannend – Peter macht das 28:28 – vier Sekunden vor dem Ende. Kiel noch einmal in Ballbesitz. Kiels Kreisläufer Lukas Laube wird von Matej Klima gehalten. Es gibt noch einen Freiwurf nach Videobeweis. Trainer Jicha versteckt sein Gesicht unter einem Handtuch, kann es nicht mitansehen, Nikola Bilyk verwirft. Leipzig holt mit dem siebten Unentschieden einen Punkt gegen den Abstieg.
Peter, mit acht Toren bester Leipziger: „Wir haben jetzt noch fünf Endspiele und wie man heute gesehen hat, können wir gegen jede Mannschaft punkten. Wir haben immer an uns geglaubt.“

