Mit 943 Vorlagen ist Gerd Truntschka (67) der ewige Rekordhalter in der Eishockey-Bundesliga. Er wurde achtmal Meister und fünfmal Spieler des Jahres. Jetzt leitet er ein eigenes Unternehmen.
SPORT BILD: Herr Truntschka, spielen Sie manchmal noch zum Spaß Eishockey?
Gerd Truntschka: [–>Leider ist mein Knorpel im rechten Knie durch die Beanspruchungen im Eishockey und Fußball ziemlich abgenutzt. Deshalb halte ich mich mit Radfahren und Krafttraining fit – auch wenn mir Eishockey oder Fußball natürlich lieber wären.
Verfolgen Sie noch Eishockey?
Den EV Landshut schaue ich mir immer wieder live im Stadion an. Die DEL und die Nationalmannschaft verfolge ich im Fernsehen – wenn es die Zeit zulässt. Meine Frau ist dabei manchmal die Leidtragende: Noch Jahre nach meiner aktiven Karriere habe ich regelmäßig nachts von Spielen, Spielzügen oder sogar völlig neuen, fiktiven Situationen geträumt. Wenn ich heute Eishockey schaue, kommen diese Träume manchmal zurück – und lösen bestimmte Bewegungen oder Geräusche aus, die sie aufwecken ([–>lacht[–>).
Leon Draisaitl erzielte diese Saison seinen 1000. Scorerpunkt in der NHL. Ist er für Sie der beste deutsche Spieler aller Zeiten?
Wenn ein Spieler wie Leon in der stärksten Liga der Welt Jahr für Jahr ganz vorne im Rennen um MVP-Ehrungen und Scorerpunkte liegt, dann gibt es für mich keine Diskussion: Er ist der beste deutsche Eishockeyspieler aller Zeiten. Sein Schuss ist Wahnsinn, er hat ein sehr gutes Auge und top Passgenauigkeit und ist zudem groß und stark – er kann die Scheibe also gut abdecken.
Meister 1992 mit Düsseldorf: Bernd Truntschka, Gerd Truntschka und Rick Amann (v. l.)
Sie wurden 1978 ja von St. Louis aus der NHL gedraftet. Gab es mal Gedanken daran rüberzugehen?
Als ich eingeladen wurde, war ich gerade am Ellbogen operiert worden. Ein Jahr später war meine Frau schwanger. Die Bezahlung in der NHL war damals, ehrlich gesagt, auch nicht so besonders, und meine Vorbilder spielten eher bei der WM und nicht in Nordamerika. Außerdem hatte ich einen Dreijahresvertrag in Köln.
Heute haben Sie das Familien-Unternehmen LaVita, das ein Mikronährstoffkonzentrat herstellt. Wie entstand die Idee?
Anfang der 80er-Jahre wurden wir Nationalspieler von der Sporthochschule Köln betreut, inklusive regelmäßiger Laktattests und Vorträgen zur Ernährung. Dieses Thema hat mich sofort gepackt – auch, weil wir wegen der hohen Belastungen durch rund 100 Spiele pro Jahr und viele Reisen häufig nicht optimal mit Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen versorgt waren. Bei mir wurden etwa wiederholt Eisenmangel sowie niedrige Werte bei Vitamin D, C und den B-Vitaminen festgestellt – die sind entscheidend für Energie, Immunsystem und damit für Leistungsfähigkeit und stabile Formkurven bis hin zu WM und Play-offs. Klar war: Eine Ergänzung der Ernährung war notwendig, aber die damaligen Präparate überzeugten mich nicht. Kurz vor wichtigen Turnieren ein paar Tabletten zu nehmen konnte nicht die beste Lösung sein.
Was haben Sie dann gemacht?
Also habe ich mich immer tiefer eingearbeitet, zahlreiche Fachbücher zu vollwertiger Ernährung und Vitalstoffmedizin gelesen und erkannt: Isolierte Vitamine reichen nicht. Entscheidend sind Vielfalt, sinnvolle Dosierung und der Verbund mit natürlichen Zutaten, die zusätzlich noch sekundäre Pflanzenstoffe, Enzyme und Ballaststoffe liefern. Meine persönliche Lösung waren schließlich frische Smoothies aus verschiedenen pflanzlichen Zutaten, ergänzt mit den verfügbaren Präparaten – zeitaufwendig und nicht perfekt, aber damals das Beste, was möglich war.

Truntschkas Unternehmen LaVita wirbt im Biathlon, hier auf dem Leibchen von Franziska Preuß
Wie lief dann die Entwicklung von LaVita?
Die Rezeptur für LaVita habe ich zwischen 1980 und 1994 Schritt für Schritt entwickelt, stetig dazugelernt und alles kontinuierlich verfeinert. Von 1994 bis 1998 folgte dann gemeinsam mit Experten die Entwicklung des Herstellungsverfahrens. Das waren Hunderte von Versuchen – ein komplexer und kostspieliger Prozess, bis alles so funktionierte, wie ich es mir vorgestellt hatte.
Wo bewahren Sie das Rezept auf?
Das Rezept liegt in einem Safe. Genauso wie auch die Dokumentation des genauen Herstellungsverfahrens.
Wie steht Ihr Unternehmen da?
Mittlerweile stehen wir für die Produktgattung „Mikronährstoffkonzentrat“, die wir über die Jahre wesentlich geprägt haben und sind ein attraktiver Arbeitgeber mit über 200 Mitarbeitenden, der kontinuierlich wächst. Ein wesentlicher Faktor dafür sind Weiterempfehlungen unserer Kunden. Weil wir von Anfang an auf Investoren und Fremdkapital verzichtet haben, stehen wir nicht unter Wachstumsdruck. So können wir uns voll darauf konzentrieren, unseren Kunden ein hervorragendes Produkt und einen Top-Service zu bieten. In unserem Kundenservice arbeiten über 40 festangestellte Gesundheitsberater – nichts ist ausgelagert. Ein solcher „Luxus“ wäre mit Investoren oder Fremdgesellschaftern vermutlich schwer möglich.
Sie werben viel im Biathlon, sind ab 2026/27 sogar Titelsponsor von Weltcup und WM. Wieso haben Sie gerade auf Biathlon gesetzt?
Ich bin selbst großer Biathlon-Fan – und die konstant hohen Reichweiten in den öffentlich-rechtlichen Sendern zeigen seit Jahren, wie breit dieser Sport ganze Familien begeistert, von Kindern bis zu Älteren. Das passt perfekt zu LaVita. Unser Engagement hat die Markenbekanntheit von LaVita spürbar gesteigert, und ich bin sehr froh über diese Entscheidung. Mit dem Ausstieg von BMW in der kommenden Saison ergab sich zudem die Chance, unser Engagement weiter auszubauen.

Deutschland hat eine stark besetzte Nationalmannschaft um Leon Draisaitl
Die Nationalmannschaft hat mit Olympia-Silber 2018 und WM-Silber in den letzten Jahren tolle Erfolge erreicht. Hätten Sie geglaubt, dass das Deutschland jemals schaffen könnte? Was sind aus Ihrer Sicht die Schlüssel für den Aufschwung?
Nach 1994 ging es im deutschen Eishockey erst einmal deutlich bergab – die A-Gruppe der WM musste damals sogar auf 16 Teams erweitert werden. Hauptgrund war aus meiner Sicht die Fehlentscheidung, die Liga komplett für ausländische Spieler zu öffnen. Dadurch fehlte vielen Vereinen der Anreiz, überhaupt noch in den eigenen Nachwuchs zu investieren. Als diese Regelung später schrittweise korrigiert wurde, verbesserte sich die Lage wieder. Olympia-Silber und WM-Silber waren großartige Erfolge – starke Mannschaften mit hervorragenden Trainern. Der entscheidende Schlüssel für den Aufschwung liegt meiner Meinung nach darin, dass die großen Klubs wie Berlin, Köln oder Düsseldorf wieder ernsthaft in die Nachwuchsarbeit investieren. Genau das trägt jetzt Früchte.
Haben Sie noch Kontakt zu alten Eishockey-Kollegen? Zu wem besonders?
Leider nicht mehr allzu viel. Mit den Jahren haben sich alle zerstreut, und ich bin mit der Firma und der Familie auch gut ausgelastet. Meinen Bruder sehe ich täglich, manchmal Ben Doucet in der Stadt, mit einigen wie Uli Hiemer, Didi Hegen, Rick Amann, Andy Niederberger telefoniere ich gelegentlich. Und meinen früheren Trainer Hans Zach sehe ich auch immer mal wieder.

