Die Worte hatte Simon Rolfes (44) bewusst gewählt. Nach dem Aus in der Champions League beim FC Arsenal in der vergangenen Woche sprach Leverkusens Sportchef von „acht Endspielen“ in der Bundesliga. Er forderte eine Top-Einstellung und den „unbedingten Siegeswillen auch in Heidenheim“. Die Sätze in Richtung der Mannschaft waren vor allem ein Signal an Trainer Kasper Hjulmand (53).
Ein Unterschied zu Alonso ist Hjulmands Problem
Der Däne hält nicht viel von emotionalen Ansprachen. Für ihn entscheidet die „Struktur“ der Mannschaft die Spiele, nicht die Leidenschaft. Allein das Wort „Feuer“ nervt ihn. Bei Ex-Trainer Xabi Alonso (44) hatte die „Mentalität“ höchste Priorität. Rolfes hätte niemals die Ansprüche des Klubs anmahnen müssen.
Xabi Alonso (44) machte Florian Wirtz (22) mit seinem Anspruchsdenken zum Weltstar. Beide gingen 2025
Das 3:3 bei Schlusslicht Heidenheim nach 2:0- und 3:2-Führung war ein erneuter Rückschlag, der auf Hjulmands Ansatz zurückfällt. Die Mannschaft spürt keine Energie. Es war nach dem 3:3 in Freiburg und dem 1:1 gegen Bayern das dritte Spiel in Folge, in dem Führungen verspielt wurden. Diese sechs Punkte fehlen. Der Rückstand auf Champions-League-Platz vier beträgt vier Punkte.
Abwehrchef soll kommen – was wird dann aus Andrich
Die Wahrscheinlichkeit, dass Hjulmand in der nächsten Saison Trainer in Leverkusen ist, sinkt immer mehr. Den Umbau der Mannschaft treibt der Klub unabhängig vom Trainer voran.
An erster Stelle die Verpflichtung eines Abwehrchefs. Der soll Führungsqualität mitbringen und eine Top-Verstärkung sein. Das bedeutet, dass Robert Andrich (31) genauso zittern muss wie Hjulmand. In Heidenheim patzte der Kapitän vor dem 2:2 wie schon beim Gegentor zum 1:1 gegen Bayern.

Bayers Robert Andrich (31) fiel zuletzt, wie in Heidenheim, durch unglückliche Aktionen und Fehler auf
Andrich war im Laufe dieser Saison aus dem defensiven Mittelfeld in die Abwehr gerückt. Dort spielt er meist souverän, leistete sich aber zu viele entscheidende Böcke (u. a. auch beim 0:1 bei Union Berlin). Möglich ist, dass Andrich trotz des Vertrags bis 2028 geht, wenn weitere Konkurrenz kommt. Er hatte schon vor einem Jahr über einen Wechsel nachgedacht.
Bleiben sollen die anderen gesetzten Verteidiger. Um Edmond Tapsoba (27) gibt es derzeit viele Spekulationen über einen England-Wechsel. Der Spieler wäre daran interessiert, Leverkusen nicht. Im Vertrag bis 2028 ist eine Ausstiegsklausel vereinbart. Die festgeschriebene Ablöse liegt bei 100 Millionen Euro. Die Summe ist für Bayer mehr Schutz als Risiko.
Trotz Klausel: Bayer plant mit Quansah
Für Jarell Quansah (23) hat sich Liverpool beim Transfer 2025 unterschiedliche Rückkauf-Optionen gesichert. In diesem Sommer können die „Reds“ den englischen Nationalspieler für 80 Mio. holen, was nicht wahrscheinlich ist. 2027 kostet er Liverpool 65 Mio. Darauf waren die Verträge ausgelegt. Nach zwei Jahren bei Bayer soll er zurückkehren und auf Dauer den Job von Abwehrchef Virgil van Dijk (34/Vertrag bis 2027) übernehmen.

Nachwuchs-Spieler Montrell Culbreath startet gerade bei Bayer durch
Punkt zwei der Einkaufsliste: Außenverteidiger. Für die rechte Seite wurde die Suche nach den starken Leistungen von Eigengewächs Montrell Culbreath (18) etwas zurückgefahren. Ein Ausleih-Geschäft des U19-Spielers liegt (vorerst) auf Eis. Er könnte die Position im Kader gemeinsam mit dem erfahrenen, aber anfälligen Lucas Vázquez (34) besetzen. Links ist Alejandro Grimaldo (30) gesetzt. Der Vertrag des Spaniers läuft 2027 aus, es gibt Wechsel-Spekulationen. Vor allem für den Fall, dass Bayer die Champions League verpasst. Aber: Der Nationalspieler soll nicht abgegeben werden. Im Notfall könnte er 2027 ablösefrei gehen, auf diesem Wege war er 2023 von Benfica Lissabon gekommen. Offen, ob eine Alternative zusätzlich kommt.
Fürs defensive Mittelfeld sucht Bayer nach einem neuen Anführer. Problem: Es gibt so gut wie keine Spieler, die dem Profil von Ex-Antreiber Granit Xhaka (33/jetzt Sunderland) entsprechen, unbedingt nach Leverkusen wollen und ins Budget passen.
Mindestens 60 Mio. Euro stehen für Zugänge bereit
Mindestens 60 Millionen Euro stehen für Transfers zur Verfügung. Die Summe kommt allein durch den Abgang von Piero Hincapié (24) rein. Der ist aktuell an den FC Arsenal verliehen. In diesem Jahr greift die Kaufoption, und das Geld fließt.
In der Offensive sind die Zugänge schon fix: Kerim Alajbegovic (18) kehrt für sechs Mio. per Klausel von RB Salzburg zurück, Francis Onyeka (18) vom VfL Bochum. Damit gibt es ein Überangebot. Jonas Hofmann (33/Vertrag bis 2027) würde Bayer ziehen lassen. Die Zukunft von Martin Terrier (29) ist offen. Bei Eliesse Ben Seghir (21), der im vergangenen Sommer für 32 Mio. aus Monaco kam und keine echte Chance erhielt, ist eine Leihe möglich. Allerdings: Kommt es zum Trainerwechsel, soll er in Leverkusen neu starten.

Jonas Hofmann (33) spielt selten bei Bayer. Wenn er sich verändern will, lässt Leverkusen in ziehen
Das gilt genauso für die Abwehr-Talente Axel Tape (18), Tim Oermann (22) und Jeanuël Belocian (21), der aktuell an den VfL Wolfsburg ausgeliehen ist.

