Die SG Flensburg-Handewitt wird der Favoritenrolle gerecht, gewinnt in der Daikin Handball-Bundesliga gegen das Schlusslicht, die HSG Wetzlar 35:31 (20:17). Der Tabellendritte hat dabei aber mehr Mühe als gedacht.
Wie bitte soll das mit einem Sieg für Wetzlar funktionieren?
Die HSG hat noch nie in der Vereinsgeschichte auswärts in Flensburg gewonnen. Diese schlimme Serie dauert nun schon 28 Jahre an. Daran kann auch Neuzugang Andreas Palicka (39) nichts ändern. Der schwedische Nationalkeeper, der im Sommer gleich weiter zu den Füchsen Berlin zieht, hält, was er kann (12 Paraden, inklusive ein Siebenmeter). Aber gegen die offensive Übermacht aus Flensburg kann der Sensations-Transfer aus Kolstad (Norwegen) auch nichts machen.
Trotz sehr dünner Personaldecke hält Wetzlar in den ersten 15 Minuten super mit. Dabei stehen nur noch drei gesunde Rückraumspieler zur Verfügung (Niklas Theiß, Dominik Mappes, Philipp Ahouansou). Flensburg erhöht das Tempo und zieht auf 16:10 (23.) weg, weil Wetzlar zu viele Chancen liegen lässt. Als zwei Tempogegenstöße über Rechtsaußen wieder nicht im Flensburger Netz landen, klemmt sich Palicka im Kasten den langen Pass auf seine neuen Kollegen und versenkt mit einem Wurf übers ganze Feld den Ball selbst im Tor.
Handball: Wetzlars Fluch in Flensburg hält seit 28 Jahren
Damit SG-Coach Aleš Pajovič (47) den Flensburger Sieg nicht wieder in Gefahr bringt (im Hinspiel drückte der Trainer den Auszeit-Buzzer unerlaubt ein viertes Mal, Wetzlar bekam den Ball, das Spiel endete 33:33) sitzt an diesem Abend der verletzte Linkshänder Kent Robin Tønnesen (34) als „Aufpasser“ neben Pajovic mit auf der Bank.
Ungewöhnlich viele technische Fehler der Flensburger (12 Stück) machen das Spiel für Wetzlar wieder auf (22:21/37.), doch der Tabellenletzte kann nicht durch alle Türen gehen, macht selbst zu wenig daraus, hält bis zum 26:24 (45.) und 29:27 (50.) super mit
Genau in diesen fünf Minuten reißt Aleš Pajovič der Geduldsfaden, er nimmt gleich – Achtung – zwei Auszeiten in Folge und faltet seine Stars ungemütlich zusammen. Pajovič wütet, ist stinksauer: „Was machen wir hier für einen Scheiß? Wir haben noch 15 Minuten, spielt endlich Handball in Angriff und Abwehr, und lasst diese Scheiß-Pässe und diese Scheiß-Würfe!“
Schade für Wetzlar: Bis acht Minuten vor dem Ende ist sogar ein Punkt drin, die HSG ist immer noch dran (30:28). Aber der Mann des Spiels ist am Ende zu stark für den HSG-Angriff, SG-Keeper Benjamin Burić (35) zeigt 17 Weltklasse-Paraden.

