Hui. Das war so nicht zu erwarten nach fünf Monaten Pause!
77 Tage vor dem Start in die Handball-Europameisterschaft gegen Österreich (15.1.) in Herning/Dänemark zeigte sich die deutsche Auswahl beim drittletzten EM-Test in Nürnberg in erstaunlicher Form.
Vor 8211 Zuschauern in der ausverkauften PSD Bank Arena gewann die DHB-Auswahl gegen Island 42:31 (20:14). Der 52. Erfolg im 86. Duell. Bundestrainer Alfreð Gíslason (66) genoss den Erfolg gegen seine Landsleute beim EM-Casting.
Island war mit neun Bundesliga-Profis angereist – darunter das Magdeburg-Trio Gisli Kristjansson, Omar Ingi Magnusson und Elvar Örn Jönsson. Die Partie auf der abgedeckten Eisfläche, Heimat der Nürnberg Ice Tigers, eigentlich wie gemacht für Island.
Denkste! Der deutsche 16er-Kader (im Schnitt 26,1 Jahre) mit Energie, Leidenschaft und Spaß.
Das Eis schmilzt fast unter dem PVC-Boden, als Torwart Andi Wolff (34) nach seiner zweiten Parade für Hitze-Wallungen auf den Tribünen sorgt. Der Kieler Keeper schaltet schnell und trifft in Überzahl mit einem Wurf über knapp 40 Meter ins leere Island-Gehäuse zum 4:1 (6.).
Wolff, mit 34 Jahren der Senior der Truppe, läuft heiß und hält bis zur Pause u. a. drei Island-Siebenmeter und kommt insgesamt auf 19 Paraden.
Andreas Wolff (34) zeigte wieder einmal eine überragende Leistung
Im Angriff startet Gislason mit drei Rechtshänder-Riesen im Rückraum – und viel Geschwindigkeit. Marko Grgic (22/1,98 m), Julian Köster (25/2,03 m) und Miro Schlroff (25/1,98 m) drücken aufs Tempo. Nach 17 Minuten übernimmt Juri Knorr (25/Aalborg HB) das Zepter. Der einzige Legionär im Kader hält das Tempo hoch, trifft bis zur Pause alle sieben Würfe.
Knorr, mit insgesamt 9 Toren bester Schütze, freut sich über die Woche Dänemark-Auszeit, hat in seinem 80. Länderspiel Spaß. Ihm fehlen nur noch drei Einsätze, dann hat er Papa Thomas (54) eingeholt.
Einen starken Einstand hinterlässt Abwehr-Kämpfer Tom Kielser (24), einer von vier Gummersbach-Profis im Kader. Kiesler zeigt Premieren-Power – schiebt, drückt, zerrt und blockt. Sehr überzeugend!
Auch nach der Pause hält Deutschland das Tempo-, Energie- und Spaß-Level hoch. Fast jeder Wurf sitzt. Erstaunlich, dass es nach fünf Monaten Pause so reibungslos klappt.
Bis auf eine Situation. Bei einem Tempogegenstoß hat Kapitän Johannes Golla (25) einen Handball-Geist gesehen. Sein Anspiel (41.) auf den freien Rechtsaußen landet beim Schiedsrichter (grünes Trikot), den Golla für den Rechtsaußen gehalten hat. Immerhin: Der Kreisläufer macht es 55 Sekunden später besser. Den nächsten Gegenstoß schließt er selbst ab – Treffer zum 29:19 (42.).
Am Ende ein souveräner Erfolg gegen erstaunlich harmlose Isländer. Ob es am Sonntag (17.15 Uhr, live ZDF) beim Rückspiel im SAP Garden in München, dem Vorrunden-Wohnzimmer bei der Heim-WM 2027, genauso einfach aussieht?
Wolff: „Ich bin glücklich, dass wir heute als Mannschaft sehr gut aufgetreten sind. Wir haben uns viel vorgenommen für diese Testspiele, weil wir in den letzten nicht hundertprozentig überzeugt haben.“
Auch Gislason strahlt: „Wir haben gut angegriffen, unsere Abwehr und auch der Angriff aus der schnellen Mitte sowie der zweiten Welle haben sehr viele Tore gebracht. Der große Unterschied lag meiner Meinung nach bei der Torhüterleistung und unserer Abwehrarbeit. Andi hält 19 Bälle – auf der anderen Seite sind es fünf. Deshalb kam dieses Ergebnis zustande. Ich weiß, dass die Isländer viel besser spielen können.“ Schon am Sonntag?


