In der Geschichte Nigerias zeigte das Thermometer noch nie weniger als 2,8 Grad an, Wintersport ist ein Fremdwort. Trotzdem will das afrikanische Land mit einem Bob-Team zu den Olympischen Spielen 2026 in Cortina d’Ampezzo (Italien). Hilfe holen sie sich in Deutschland. Olympiasiegerin Sandra Kiriasis (50) hat ein Herz für Exoten und engagiert sich mit dem Projekt „Golden Underdogs“ für Athleten aus nicht-klassischen Wintersport-Ländern. 2018 führte sie bereits Team Jamaika zu den Winterspielen. Es war wie der Hollywood-Film „Cool Runnings“ im realen Leben.

Kiriasis weiß, wie groß die Herausforderung ist: „Es gibt kaum Strukturen, keine staatliche Förderung, wenig Know-how über Material oder spezielles Training. Genau hier wollen wir mit den Golden Underdogs ansetzen.“

Drittliga-Coach schießt gegen Fans: „So viele Hurensöhne kann es gar nicht geben“

Quelle: MagentaSport

Das Zweierbob-Team Nigeria bilden Simidele Adeagbo (44) und Kewe King (28). Adeagbo sammelte 2018 bereits Olympia-Erfahrung im Skeleton, war damals die erste Afrikanerin in dieser Sportart bei Winterspielen. Jetzt soll es im Bob erneut gelingen. King ist gebürtige Britin mit nigerianischer Mutter. Sie stammt aus der Leichtathletik. Die beiden fanden sich über eine Online-Kontaktanzeige, in der Adeagbo eine Anschieberin suchte. Kiriasis wurde per WhatsApp um Hilfe gebeten.

Die Kosten sind hoch: 500.000 Euro bräuchte man im Idealfall, durch einen Sparkurs würde man das Nötigste mit 100.000 Euro schaffen. Die Sponsorensuche ist schwierig. Eine Mietwagenfirma stellt den Transporter, ein Autohändler ein weiteres Fahrzeug. Mithilfe eines weiteren Partners wurde ein 13 Jahre alter Zweierbob für 10.000 Euro gekauft. Ein neuer Monobob kostete 26.000 Euro. Das meiste zahlt Adeagbo selbst – für ihren Olympia-Traum!

Olympiasiegerin Sandra Kiriasis (50) mit dem Bob-Team Simidele Adeagbo und Kewe King

Olympiasiegerin Sandra Kiriasis (50) mit dem Bob-Team Simidele Adeagbo und Kewe King

Foto: Golden Underdogs

Im August trainierte das Duo drei Wochen lang im Westerwald. Im Zentrum standen Athletikübungen für das Anschieben beim Start. „Diese Bobsport-Anlage auf Weltklasse-Niveau hilft uns, unsere Technik zu verbessern“, sagt Adeagbo.

Anschließend trainierte das Team den Anschub auf Eis in Oberhof. Aktuell geht es für den Trainingsendspurt vor der Saison in den Eiskanal – erst in Lillehammer (Norwegen), danach in Sigulda (Lettland). King muss sich an die neue Erfahrung gewöhnen. Bobfahren sei wie „eine Achterbahn, nur hast du keinen Sicherheitsgurt.“ Ab 7. November darf die neue Olympia-Bobbahn in Cortina zur Probe gefahren werden. Am 21. November startet dort dann die Weltcup-Saison.

Der Weg zu Olympia führt über Qualifikationsrennen in Rennserien wie Weltcup, Europacup und Nordamerika-Cup. Bis zum 18. Januar sammeln die beiden Punkte in Monobob und Zweier. Insgesamt dürfen 25 Zweier-Teams und 25 Monobob-Starterinnen dabei sein.

Kiriasis, die 2006 Olympia-Gold im Zweier holte, ist hoch motiviert: „Für mich ist es pure Leidenschaft. Der Bobsport hat mein Leben geprägt. Und es macht mir große Freude, meine Erfahrungen weiterzugeben. Es wäre für mich ein absoluter Traum, wenn Simi und ihr Team nicht nur die Olympia-Qualifikation schaffen, sondern dort eine Top-Ten-Platzierung erreichen. Ich bin überzeugt, dass es möglich ist.“

ttn-36