Dass Crystal-Palace-Coach Oliver Glasner (51) im Kreis der europäischen Top-Trainer angekommen ist, bekam er Ende Mai sehr klar vorgeführt.

Wenige Tage nach dem sensationellen 1:0-Triumph im FA-Cup-Finale gegen Manchester City gewann er beim traditionellen Dinner der Profitrainer-Vereinigung nicht nur den „John Duncan Award“ für besondere historische Errungenschaften. Sondern er erhielt auch einen besonderen Glückwunsch.

„José Mourinho saß neben mir am Tisch und hat mir persönlich zum Pokalsieg gratuliert“, erzählt er SPORT BILD: „Die Wertschätzung der Kollegen untereinander ist sehr hoch.“

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Quelle: BILD / NFL

Und die wird für den früheren Frankfurt- und Wolfsburg-Trainer immer größer. Bis zum 1:2 bei Everton war Palace 19 Spiele lang ungeschlagen – Klub-Rekord. Meister Liverpool schnappte man mit einem 5:4 n. E. zudem den Community Shield (ähnlich dem dt. Supercup; d. Red.) weg. Nach dem FA Cup erst der zweite Titel der 120-jährigen Klubhistorie. „Unsere Geschichte fing nicht erst mit der Serie an“, erklärt Glasner: „Wir haben im gesamten Jahr 2025 von 38 Spielen nur fünf verloren. Es ist das Resultat einer gemeinsamen Entwicklung.“

Mit einigen Hürden. Als er im Februar 2024 übernahm, steckten die Süd-Londoner im Abstiegskampf und waren hinter Arsenal, Chelsea, Tottenham, Brentford, Fulham und West Ham nur siebte Kraft der Stadt. Nach der Rettung war mit Michael Olise (23/zu Bayern) der beste Profi weg, vor einem Jahr wartete Palace vom Start bis zum neunten Liga-Spiel auf einen Sieg. Diesen Sommer verließ mit Eberechi Eze (27/zu Arsenal) der nächste Superstar den Klub. Doch ein Umbruch blieb aus.

„Der Grundstein für den Erfolg ist unser Zusammenhalt“, sagt Glasner: „Bis auf Eze sind die 15 Spieler mit den meisten Einsatz-Minuten geblieben. Bei uns weiß jeder, was er zu tun hat. So beginnst du eine Saison auf einem anderen Level.“

In der Defensive (erst fünf Gegentore) zählt der Coach im Tor auf Englands Nummer zwei, Dean Henderson (28), sowie die Dreierkette aus den Ex-Bundesliga-Profis Maxence Lacroix (25/Wolfsburg) und Chris Richards (25/Bayern, Hoffenheim) sowie England-Verteidiger Marc Guéhi (25). Der stand im Sommer ganz kurz vor einem Wechsel nach Liverpool. Weil kein Ersatz da war, setzte sich Glasner erfolgreich dafür ein, dass der Verein dem Transfer nicht zustimmt.

Das Mittelfeld um den Ex-Frankfurter Daichi Kamada (29) sorgt für die Balance, und vorne trifft allen voran Jean-Philippe Mateta (28). Der Franzose wurde noch in seiner Zeit in Mainz (2018 bis 2021) von SPORT BILD wegen Disziplinlosigkeiten „der größte Flegelfall der Liga“ genannt – und liefert jetzt ab: 34 Tore in 71 Spielen unter Glasner: „JP ist einer der professionellsten Spieler, die es gibt. Er ist jeden Tag der Erste hier, macht im Austausch mit den Co-Trainern und Betreuern alles, was er für sich tun kann. Und er ist ein unglaublich positiver Typ, den man einfach braucht.“ Vergangene Woche wurde er sogar erstmals in die Nationalelf Frankreichs berufen.

Die Erfolgsgeschichte der „Eagles“ macht auch Glasner begehrt. 2024 klopften die Bayern vergeblich an. Aktuell wird er als Kandidat bei Manchester United genannt. Kommentieren will der Ex-Profi diese Themen nicht.

Eigentlich wäre der Pokalsieger diese Saison in der Europa League gestartet. Problem: Mit Olympique Lyon war ein zweiter Klub des US-Besitzers John Textor (60) für die Europa League qualifiziert, was nach Uefa-Regeln nicht erlaubt ist. Der Geschäftsmann wollte noch was retten, verkaufte seine Klub-Anteile allerdings formell zu spät und Palace wurde in die Conference League abgestuft.

Glasner: „Wir haben es akzeptiert, auch wenn wir uns immer noch zu Unrecht bestraft fühlen. Aber wir empfinden diesen Wettbewerb nicht als Strafe, sondern als Belohnung für den Pokalsieg. Das habe ich den Spielern auch vor unserem ersten Spiel (2:0 bei Dynamo Kiew) gesagt. Für den Klub, die Fans und viele Spieler sind es die ersten Europapokal-Auftritte.“

In der aktuellen Form ist das Team sogar Mitfavorit: „Wir gehen in die Conference League, um sie zu gewinnen. Nur: Wir sprechen nicht schon über das Finale, sondern nur über das nächste Gruppenspiel gegen AEK Larnaka“, sagt Glasner, der bereits 2022 mit Eintracht Europa-League-Sieger wurde.

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Quelle: BILD

Bei den eigenen Fans hat der Coach längst einen Song: „We’ve got super Oliver Glasner“ (dt. Wir haben super Oliver Glasner). Ansonsten geht er in der 15-Millionen-Metropole London trotz der Erfolge manchmal unter. „Hier ist erfreulich viel los. Ich kann mich sehr anonym bewegen. In der Stadt fahre ich fast immer mit der U-Bahn oder mit dem Bus“, erzählt er.

Läuft’s so weiter, erkennen ihn bald mehr Menschen …

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