Unglaublich, was ist denn in Erlangen los?
Umstrittene Rote Karte: Handball-Star reagiert SO
Das Spiel beginnt mehr als kurios.
Erlangens Trainer Johannes Sellin (34) muss gleich auf acht (!) verletzte oder kranke Profis verzichten. Es fehlen Sebastian Firnhaber, Christopher Bissek, Maciej Geballa, Andri Runarsson, Viggo Kristjansson, Tim Gömmel, Hampus Olsson und Milos Kos. Unglaublich, nur die beiden Torhüter sind Profis. Auf der Bank sitzen sechs A-Jugendliche (im letzten Jahr Deutscher Meister geworden). Sellin spielt ohne Auswechselspieler aus dem Profi-Kader.
Wie soll das gegen den großen SC Magdeburg gehen?
Sensation in Erlangen: 17-Jährige Bubis führen SCM vor
In der ersten Halbzeit mehr als gut. Die Erlanger legen unglaubliche 30 Minuten aufs Parkett, die Fans des HC reiben sich verwundert die Augen, Magdeburgs Coach Bennet Wiegert (43) hat mächtigen Puls. Denn der Außenseiter mit teilweise 17-jährigen Talenten auf dem Parkett (wie Maxim Lochman/2 Tore aus dem Rückraum) führt den SCM regelrecht vor.
Dazu hat Erlangen noch Torhüter Dario Quenstedt (17 Jahre lang bei Magdeburg) im Kasten. Der macht seinem alten Verein den Start ins Spiel zur Hölle. Mit 10 Paraden in der ersten Hälfte (insgesamt 12) zieht er den Stars früh den Zahn. Vor allem die Außen verzweifeln. Nationalspieler Tim Hornke (35) wirft gleich vier Fahrkarten.
Großer Aufreger kurz vor der Halbzeit: Magdeburgs Albin Lagergren (33) holt in einer Abwehr-Aktion Sander Overjordet (29) von den Socken, der knallt auf den Rücken, die Schiris Christian und Fabian vom Dorff lassen erst weiterspielen. Daniel Pettersson (33) macht von Außen ein schnelles Tor (12:15/29.) für Magdeburg. Doch nach Videobeweis bekommt Lagergren eine 2-Minuten-Strafe, und die Schiris nehmen das Tor nachträglich zurück. SCM-Coach Bennet Wiegert flippt an der Bank jetzt richtig aus. Hilft nicht.
Kein Scherz, kein Fehler – es geht wirklich mit 16:11 für den HC Erlangen in die Pause.
Wie lange können das die tapfer kämpfenden Erlanger noch durchhalten? Magdeburgs Gísli Kristjánsson (26) ist restlos bedient, sagt in der Pause zu Dyn: „Das ist von allem zu wenig. Jetzt haben wir noch 30 Minuten Zeit, es besser zu machen.“
52 Minuten sind gespielt – Erlangen verteidigt sein 27:25. Magdeburg hat im ganzen Spiel noch nicht einmal geführt, holt jetzt die Brechstange raus. Bennet Wiegert in der Auszeit auffällig ruhig, appelliert an seine Jungs: „Was davor war, interessiert mich nicht, jetzt kommt unsere Zeit.“ Recht hat er, nach 54 Minuten hat der SCM endlich das 27:27 geschafft. Doch Erlangen wehrt sich mit allem, was noch im Tank ist. Der HC stellt auf 31:30 – 122 Sekunden vor dem Ende.
Marek Nissen (24/10 Tore) bei Dyn: „Das war überragend, wir hätten auch gern die 2 Punkte gehabt, aber was die jungen Kerls heute geleistet haben ist, unglaublich, kommen rein und machen ihr Ding. Wir hatten ja nichts zu verlieren.“
Bitter für Erlangen: Magdeburg im Glück. Mit zwei strittigen Schiri-Entscheidungen (Stürmerfoul und 2-Minuten-Strafe) steht es 39 Sekunden vor dem Schlusspfiff – 31:31. Wahnsinn, Erlangen rettet den Punkt.


