Als wenige Sekunden vor der Schließung des Transferfensters feststand, dass der Wechsel von Conrad Harder (20) zu RB Leipzig geklappt hat, jubelte der neue Stürmer in der Geschäftsstelle am Cottaweg, als hätte er gerade ein wichtiges Tor geschossen. „Wir haben Charaktere dazugeholt, die lernen wollen, die Leipzig als großen Verein sehen und unbedingt kommen wollten“, sagt Manager Marcel Schäfer (41) und skizziert damit ungewollt auch Gründe, warum der Verkauf des einstigen Top-Angreifers Loïs Openda (25) den Sachsen nicht wehtut. Auf den ersten Blick wirkt die Leihe des Belgiers mit sehr wahrscheinlicher Kaufpflicht für Juventus Turin wie ein großer Verlust. Nachdem Openda 2023 für 40 Millionen Euro gekommen war, schoss er die Bundesliga kurz und klein. 24 Tore, sieben Vorlagen – so gute Debüt-Spielzeiten hatten in Deutschland sonst nur Harry Kane (32) und Uwe Seeler († 85).

Doch in der vergangenen Saison brach nicht nur die Leistung ein. Openda wirkte fahrig vor dem Tor, traf nur noch neunmal, erarbeitete sich auch deutlich weniger Chancen – acht im Vergleich zu 26 im ersten Jahr.

Die interne Analyse fiel leicht: Der Belgier investierte weniger in sein Spiel und passte auch immer weniger zu dem, was RB auf den Platz bringen will. Die Leipziger wollten einen Stürmer, der mit dem Rücken zum Tor agieren kann und gegen den Ball fleißig ist. Openda presste selten und half noch weniger in der Defensive mit. Zudem fiel er immer mehr durch schnelles Fallen und häufiges Lamentieren auf, statt durch Toraktionen.

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Quelle: MagentaSport

Und auch neben dem Platz nahm sich der einst so fröhliche Angreifer immer mehr raus. Nach SPORT BILD-Informationen wurde Openda zum stillen Einzelgänger in der Kabine. Er führte trotz seiner sprachlichen Flexibilität kaum noch Unterhaltungen mit Teamkollegen, war indes immer häufiger am Handy, führte oft private Video-Telefonate. Und auf dem Platz zählten vor allem eigene Tore. So gerieten Openda und Xavi Simons (22) mindestens einmal lautstark aneinander, weil der Spielmacher nicht genügend Pässe auf den Stürmer gespielt habe.

Die Unlust wuchs, und Openda entwickelte einen starken Wechseldrang. Schon weit vor dem Interesse von Juve hatte Openda bei RB hinterlegt, dass er diesen Sommer gehen will. Es gab lose Kontakte zu Inter Mailand, konkret wurde es dann aber nur mit Turin.

Loïs Openda wechselte zu Juventus Turin, zunächst per Leihe, aber mit einer Option auf eine Kaufpflicht

Loïs Openda wechselte zu Juventus Turin, zunächst per Leihe, aber mit einer Option auf eine Kaufpflicht

Foto: Juventus

RB sagte sofort zu, weil die Chance so stieg, wieder mehr Power auf den Platz und in die Kabine zu bekommen. „Es geht um die Art, wie wir Fußball spielen, welches Gesicht wir zeigen. Uns war es wichtig, zurück zu den Wurzeln zu gehen“, sagt Schäfer. „Wir wollen eine Mannschaft, die in der Lage ist, eine hohe Intensität mit und gegen den Ball zu gehen. Wir wollen eine geschlossene Einheit.“

Da die Bedingungen für einen Kauf (einstelliger Tabellenplatz) sehr wahrscheinlich sind, passt der Deal auch finanziell für Leipzig. Knapp 800 Mio. Euro hat RB in den vergangenen fünf Jahren durch Transfers eingenommen. Das ist national Spitze, europaweit liegen die Sachsen damit auf Rang 3. Top-Verkauf war Josko Gvardiol (23/2023 für 90 Mio. zu Manchester City), gefolgt vom gerade abgegebenen Benjamin Sesko (22/mindestens 76,5 Mio. zu Manchester United). Hinter Dominik Szoboszlai (24/2023 für 70 Mio. zu Liverpool) folgt der aktuelle Transfer von Simons (mindestens 65 Mio.) zu Tottenham.

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Quelle: BILD/ SID

„Das ist eine schöne Bestätigung der Arbeit dieses Klubs“, sagt Manager Schäfer zu SPORT BILD. „Mit jedem dieser Transfers bestätigen wir unsere Philosophie. Das bringt uns in den Fokus aller Top-Talente. In all den Gesprächen mit potenziellen Spielern haben wir klar rausgehört, dass Leipzig nach wie vor eine Top-Adresse in Europa ist und wir eine sehr gute Perspektive aufzeigen können.“

Eine Transfer-Sperre gab es für keinen Leipziger. „Wir blockieren hier keinen Spieler. Es kann sich auch kein anderer deutscher Klub mehr leisten, das so festzulegen. Jeder hat eine wirtschaftliche Verantwortung für seinen Klub“, sagt Schäfer, der schon in Wolfsburg gute Transfer-Erlöse einnahm. Würde er die Top-Talente lieber halten? „Wenn alle Umstände keine Rolle spielen würden und ich die freie Wahl hätte, wäre es natürlich sehr spannend, wenn man sich über einen längeren Zeitraum anschauen kann, wie sich eine Mannschaft entwickelt. Aber das ist Utopie“, sagt Schäfer. „Ich bin nach Leipzig gekommen, weil ich mich zu hundert Prozent mit dem Weg identifizieren kann: junge Spieler verpflichten, sie begleiten und mit ihnen arbeiten, um an ihr Leistungsmaximum zu kommen.“

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