Ihren größten Erfolg feierte Weitspringerin Malaika Mihambo (31) in einem fast leeren Stadion. Wegen der Corona-Pandemie flog sie 2021 in Tokio unter Ausschluss der Fans mit sieben Metern zum Olympia-Gold. „Es waren trotzdem so um die 100 Leute da – Trainer und Athleten, die uns angefeuert haben“, sagt Mihambo. „Sie haben auch sehr gut Stimmung gemacht. Das hat mir auch viel gegeben.“

Am Sonntag will die Heidelbergerin an gleicher Stelle im Nationalstadion den nächsten großen Titel holen. Es geht um WM-Gold – es wäre das dritte ihrer Karriere nach 2019 und 2022. Insgesamt hat sie fünf große Titel gesammelt. Für SPORT BILD erinnert sie sich an ihre Gold-Momente.

EM-Statement wegen Trainer: Bewegender Auftritt unserer Nationalmannschaft

Quelle: magentaSport

Zur nächsten Titelchance sagt sie: „Ich freue mich auf die Zuschauer, und zugleich bleibt der Fokus gleich: Es ist ein Wettkampf, und ich gebe mein Bestes.“ Diese Saison sprang sie 7,07 Meter, Platz zwei hinter Tara Davis-Woodhall (26/USA) mit 7,12 Meter.

EM-Gold 2018 in Berlin

„Das war das erste Mal, dass ich in einem Wettkampf stand und Aufmerksamkeit wie ein Superstar bekommen habe. Damals musste ich lernen, trotz des ganzen Rummels zu springen und meinen Sport zu machen. Beim Finale in Berlin waren einfach 65.000 Menschen im Stadion. Ich hatte eine Medaillenperspektive, und alle schauten auf mich. Damit muss man auch erst mal umgehen können.“

WM-Gold 2019 in Doha

„Da habe ich gelernt, im Moment anzukommen. Ich hatte einen ungültigen Sprung und einen, bei dem ich 50 Zentimeter vor dem Brett abgesprungen bin. Das war zwar ein Sieben-Meter-Sprung, aber da ich so viel verschenkt hatte, blieben halt nur 6,52 Meter übrig. Dann beim dritten Sprung anzulaufen und 7,30 Meter trotz leichten Gegenwinds zu springen, so weit wie noch nie in meinem Leben, das ist schon ein ganz schön großer Schritt. Da habe ich es geschafft, den Druck einfach komplett auszublenden und Zukunft, Vergangenheit sowie jeden Gedanken des Zweifels einfach hinter mir zu lassen. Einfach anlaufen und springen!“

Malaika Mihambo mit ihrer Olympia-Goldmedaille 2021 in Tokio

Malaika Mihambo mit ihrer Olympia-Goldmedaille 2021 in Tokio

Foto: Michael Kappeler/dpa

Olympia-Gold 2021 in Tokio

„Für mich stehen die Wettkämpfe immer für das, was ich dort oder in der Vorbereitung darauf gelernt habe. Tokio ist stellvertretend für diese sehr intensive Saison, wo eigentlich nichts gut lief. Aus den technischen Problemen im Weitsprung wurden mentale. Ich dachte irgendwann, ich kann das gar nicht mehr. Da waren es noch zwei Monate bis zu den Olympischen Spielen. Ich musste lernen, wieder an mich zu glauben, an dieses Potenzial, das in mir steckt. Auch wenn ich immer wieder erlebte, dass es nicht so gut lief. Das war eine sehr wichtige Lektion, die ich da gelernt habe: An sich selbst glauben zu können, auch wenn man sich es nicht immer direkt beweisen kann und nicht alles ein Selbstläufer ist. Aber dann beim Höhepunkt trotzdem genau da zu sein.“

WM-Gold 2022 in Eugene

„Dieser Wettkampf ist an sich bei mir etwas weniger präsent. In dieser Zeit beschäftigte mich mehr das persönliche Leid, das ich zu diesem Zeitpunkt in meiner Familie hatte. Damit musste ich klarkommen und trotzdem im Wettkampf da sein, um diesen zu genießen, dort zu strahlen und noch irgendwie mein Bestes zu geben. Da war im Innenleben viel los, das ich verarbeiten musste. Es galt, das Gleichgewicht zu finden zwischen dem Beruflichen im Sport und dem persönlichen Kummer.“

EM-Gold 2024 in Rom

„Dieser Titel hat mir so viel Aufwind gegeben. Mich hat es sehr an diese Zeit in Doha erinnert, wo alles lief und alles einfach war. Ich hatte die Hoffnung und den festen Glauben, dass ich bei Olympia daran anknüpfen kann, mit dem Wissen, dass ich noch sechs Wochen Zeit hatte, mich auf die Spiele in Paris vorzubereiten. Von daher war es ein Wettkampf des Hoffens. Später in Paris wurde ich dann aber leider auf den Boden der Tatsachen gebracht. Bei der EM konnte ich 7,22 Meter springen und dachte, weil ich mich so gut fühlte: Wo kann ich erst hinspringen, wenn der Saisonhöhepunkt Olympia da ist, und ich in Topform bin? Rückblickend waren es wohl schon erste Anzeichen von Corona. Trotzdem sprang ich so weit. Daher war es schade, dass ich danach wegen des Post-Covids nicht das absolute Leistungspotenzial, das ich gern noch entwickelt hätte, erreichen konnte. Unter diesen Umständen war der zweite Platz bei Olympia unheimlich gut. Mein Trainer Ulli sagt immer, dass ich an dem Tag in Paris fast Unmenschliches geleistet hätte. Die silberne Medaille von Paris hat sehr golden geglänzt.“

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