Mittwochabend, 19 Uhr, Schauplatz ZAG-Arena auf dem ehemaligen Expo-Gelände in Hannover-Laatzen. Die TSV Hannover-Burgdorf und der VfL Gummersbach eröffnen eine Jubiläums-Saison der Daikin Handball-Bundesliga.

Die beste Liga der Welt feiert ihr 60-jähriges Bestehen, die Füchse Berlin sind nach ihrem ersten Titelgewinn nicht mehr die Jäger, sondern die Gejagten. Viele Klubs haben aufgerüstet, vier einen neuen Trainer installiert.

Mitte Juli starteten alle in die Saison-Vorbereitungen, SPORT BILD macht den großen Formcheck. Wer steht wo? Welche Klubs bereiten Sorgen? Wo herrscht Knall-Gefahr? Klar ist: Der Vizemeister hat beste Chancen, sich die Nummer 1 zurückzuholen. Lesen Sie Teil 1 der Saison-Prognose.

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Das sind die Top 9 der Handball-Bundesliga

SC Magdeburg trotzt dem Portner-Schock

Am SC Magdeburg wird auch kommende Saison kaum ein Weg vorbeiführen. Daran wird auch der Schock um die nachträgliche Dopingsperre (bis 10. Dezember) von Torwart Nikola Portner (31) nichts ändern. Die Magdeburger haben ein besonderes Markenzeichen: Sie können auch gewinnen, wenn sie einen schlechten Tag haben.

Wie zuletzt beim 29:25 (12:15) gegen den TVB Stuttgart. Erste Halbzeit unter Niveau, nach der Pause das Spiel noch gezogen. Trainer Bennet Wiegert (43): „Erst haben wir noch etwas gekämpft, nach der Pause haben wir dann eine Mannschaft gesehen, die den Bock umstoßen wollte und das auch getan hat. Das war das richtige Zeichen.“

Mit Elvar Örn Jonsson (27) hat sich Magdeburg richtig verstärkt und damit gleichzeitig einen Konkurrenten geschwächt. Der Isländer kam vom letztjährigen Tabellendritten und Herbstmeister MT Melsungen. Jetzt tut der Rückraumspieler dem SCM gut und sein Fehlen den Melsungern weh.

Grgic-Faktor in Flensburg

Die SG Flensburg-Handewitt hat eigentlich alle Voraussetzungen, um jedes Jahr um den Titel mitzuspielen. 5, 3, 4, 4 – das waren jedoch die Flensburger Endplatzierungen in den letzten vier Spielzeiten. Kommende Saison muss man die Truppe von der Ostsee allerdings ein Stück weiter oben verorten.

Mit Marko Grgic (21) wurde Deutschlands aktuell größtes Talent und Torschützenkönig der abgelaufenen Saison verpflichtet. Mit Luca Witzke (26) ein gestandener Playmaker und deutscher Nationalspieler. Keine Frage: Dieser Kader muss den Anspruch haben, bald wieder in der Champions League zu spielen.

Auch, um dem langjährigen Aushängeschild in seiner letzten Saison bei der SG den gebührenden Abschied zu schenken. Johannes Golla (27) geht im Sommer 2026 zur MT Melsungen. Er wird sich mit einer Trophäe verabschieden wollen.

Unruhe bei Meister Berlin

Mit Jaron Siewert (31) als Trainer haben sich die Füchse Berlin zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte zum Meister gekürt. Und das passiert? Plötzlich wird Siewerts Position geschwächt, sein Vertrag läuft im Sommer 2026 aus und von einer Verlängerung ist bisher keine Spur. Füchse-Boss Bob Hanning (57): „Wir werden uns mit der Trainer-Thematik nicht vor September, Oktober beschäftigen.“

Ist aber nicht die einzige Thematik in der Hauptstadt. Beim Meister läuft auch der Vertrag von Sportvorstand Stefan Kretzschmar (52) im Sommer 2026 aus, eine Ausweitung des Arbeitspapiers hat der deutsche Meister bisher nicht kommuniziert.

Unruhe bei den Füchsen, sie könnte sich auf den sportlichen Output auswirken. Der Meister wird zwar wieder um den Titel mitspielen, ihn aber am Ende nicht verteidigen.

Mannschaft des Jahres: Füchse Berlin witzeln über eigenen Trainer

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Altmeister Gummersbach holt auf

„Unser Ziel ist es, uns immer weiterzuentwickeln. Das klingt vielleicht langweilig, aber genau darum geht es.“ Sagt Christoph Schindler (42), Ex-Profi und Geschäftsführer des VfL Gummersbach. Der Altmeister kann zur großen Überraschung der nächsten Spielzeit werden – wenn er bei sich und seinen Ideen bleibt.

Wermutstropfen: Es ist die letzte Saison von Nationalspieler Julian Köster (25) im Trikot der Oberbergischen. Köster wandert ab zum THW Kiel. Es wäre kein Wunder, wenn er sich mit Gummersbach in der neuen Saison vor seinem neuen Arbeitgeber platziert.

Rekordmeister Kiel stagniert

Früher war nur die Frage, wie viele Spieltage vor Saisonende der THW Kiel den nächsten Titel feiern würde. Aktuell ist die Frage, ob Kiel mittelfristig überhaupt noch mal Meister wird.

Im zweiten Jahr in Folge die Champions League und damit die finanziellen Fleischtöpfe verpasst. „Wir überleben die Saison auch ohne, aber mit dem Erreichen wäre vieles leichter“, sagt Aufsichtsrats-Boss Marc Weinstock. Er betont, dass der Klub „nicht zur Champions League verdammt“ sei. Wirtschaftlich macht die Teilnahme aber „vieles einfacher“.

Damit ist der Druck an Team und Trainer Filip Jicha (43) weitergereicht. Jichas Vertrag läuft nach der Saison aus. Weinstock dazu: „Die Gespräche werden kurzfristig aufgenommen, das wollen wir in der zweiten Jahreshälfte abarbeiten.“ In der zweiten Jahreshälfte sind wir bereits.

In Lemgo kriegen viele auf die Lippe

Der letzte Eindruck bleibt fast immer haften. Und da war der TBV Lemgo Lippe ziemlich eindrucksvoll unterwegs. Melsungen 32:24 geschlagen, phasenweise lagen die Ostwestfalen mit 12 Toren Vorsprung in Führung. Das ist mal eine Ansage!

Vorteil Lemgo: Dort herrscht Ruhe, die Mannschaft zählt eher und zu Unrecht zu den unterschätzten Teams der Liga. Und in eigener Halle ist der TBV nur schwer zu schlagen – ganz im Gegenteil, dort werden viele Gäste auf die Lippe bekommen. Die Mannschaft ist inzwischen so stabil, dass eine Teilnahme an der European League kein Wunder wäre.

In Melsungen ist Demut gefragt

Letzte Saison wurde die MT Melsungen Herbstmeister, die Nordhessen spielten lange um den Titel mit. In der kommenden Spielzeit ist bei der MT Demut gefragt, nicht nur wegen der personell weiterhin angespannten Lage. Rückraumshooter Aaron Mensing kuriert noch seinen Achillessehnenriss aus, Mittelmann Amine Darmoul ist nach Kreuzbandriss noch nicht komplett spielfit, mit der Rückkehr von Star-Keeper Nebojsa Simic ist erst in der Rückrunde zu rechnen.

Offiziell bleibt die Qualifikation für Europa das Saisonziel. Die Eindrücke aus der Vorbereitung und die Verletztenliste sorgen aber dafür, dass man in Nordhessen auch ein Jahr der Stabilisierung in Betracht ziehen könnte.

Mannheims Machulla-Faktor

Die Rhein-Neckar Löwen zählen mit zu den spannendsten Klubs der kommenden Saison. Massiver Umbruch im Kader, Spielmacher Juri Knorr (nach Aalborg/Dänemark) und Torgarant Ivan Martinovic (nach Veszprem/Ungarn) sind weg. Dafür ist mit Maik Machulla ein neuer Trainer da.

Wenn es der aus Flensburger Zeiten erfolggewohnte Machulla schafft, seine acht Neuzugänge schnell zu integrieren, kann sich der Löwen-Blick wieder nach oben richten. Für Europa wird es aber noch nicht reichen.

Das Fragezeichen Hannover-Burgdorf

Der Fan-Vizemeister (9200 Zuschauer im Schnitt) geht mit einem Malus in die neue Saison. Die Saison-Generalprobe ging gegen Aufsteiger GWD Minden verdient in die Hose (29:31). Trainer Christian Prokops Zwischen-Zeugnis: „Die Vorbereitung ist jetzt vorbei, die Jungs haben das ordentlich gemacht, wenn man die Ergebnisse mal ausklammert. Wir wissen alle, dass wir zusammen mit der Halle 110 Prozent am Mittwoch brauchen.“

Unklar ist Stand jetzt, wer bei Hannover-Burgdorf die Bestbesetzung auf Rückraum Mitte und im halblinken Rückraum ist. Klar ist, dass eine volle Halle und die daraus entstehende Emotionalität weder Gegentore verhindert, noch eigene Tore wirft.

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