„Meine Bayern“ heißt die Kolumne von SPORT BILD-Reporter-Legende Raimund Hinko, die sich mit dem deutschen Rekordmeister befasst. Hinko begleitet den FC Bayern seit Jahrzehnten.

Lieber Harry Kane,

hast du dir im Urlaub, wie ich höre, wirklich einen Gesangslehrer genommen? Du singst so gerne. So laut. Vor allem im Bayern-Bus. Am liebsten: „We are the Champions.“ Nur klingt es nicht gerade meisterhaft. Da waren zuletzt noch ein paar schräge Töne dabei. Du möchtest das Lied doch noch öfter aus voller Brust schmettern. Als Meister, als Pokalsieger, als Champions-League-Sieger. Oder?

Tja, lieber Harry, man kann deinem Verein nicht vorwerfen, dass die Verantwortlichen nicht aktiv wären, damit du in der neuen Saison noch mehr als 26 Tore feiern kannst. Sie suchen und suchen einen Mann, der Thomas Müller nach dessen Karriereende ersetzen kann. Und Jamal Musiala ca. fünf Monate lang nach dessen schwerer Verletzung (Bruch des Wadenbeins plus Bänderrisse) nach dem Zusammenprall mit Gianluigi Donnarumma, dem Torwart von Paris St. Germain.

Bald Teamkollegen? Harry Kane (31/l.) und Nick Woltemade (23)

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Doch die Bayern, Sportvorstand Max Eberl voran, machen keine glückliche Figur bei der hektischen Suche.

Wenn Eberl vom Aufsichtsrat schon aufgetragen bekam zu sparen, warum um Himmels willen, geht der Blick immer nach England, wo die Spieler besonders viel Ablöse kosten und besonders üppig verdienen.

Wie kann man nur dem FC Liverpool 52 Millionen für Luis Diaz (28) anbieten? Wo man doch gerade mit Joao Palinha (30) ein 50-Millionen-Missverständnis vom FC Fulham rumlaufen hat. Wo man auch in der Vergangenheit mit Sadio Mané (32 Mio. an Liverpool) völlig falsch lag. Und wo Leroy Sané in seinen fünf Jahren in München (50 Millionen an Manchester City) nicht richtig eingeschlagen hat, ehe er jetzt ablösefrei zu Galatasaray Istanbul wechselte.

Das Kapitel Transfers aus der Premier League ist ein ganz trauriges in der 125-jährigen Vereinsgeschichte des FC Bayern. Da warst ja du, lieber Harry, der als 29-Jähriger für 100 Millionen von Tottenham kam, fast geschenkt. Genauso wie Michael Olise für 53 Millionen Ablöse an Crystal Palace.

Große Töne – nichts dahinter?: „Vollmundige Interviews“

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Quelle: BILD

Für Bayern macht jetzt nur eines Sinn: Sich voll und ganz auf Nick Woltemade (23) konzentrieren. Ich will jetzt nicht künstlich die Preise hochtreiben, nachdem der VfB Stuttgart die gebotenen 40 Millionen abgelehnt hat, weil man das Doppelte will. Doch ein Woltemade mit seinem überragendem Talent und seiner Ausstrahlung ist allein mehr wert als zwei zusätzliche Offensiv-Spieler.

Bayern fuhr immer gut, wenn man sich nicht verrannte. „Thiago oder nix“, hat einst Pep Guardiola gesagt. So sollte es jetzt heißen: „Woltemade oder nix.“ Vielleicht kann man sich bei 60 Millionen treffen. Und beide Parteien wären zufrieden.

Und vor allem du, lieber Harry. Außerdem soll Woltemade ganz gut singen können. Da sparst du dir den Gesangslehrer.

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