Verrückt, aber wahr: „Es ist schon irre, dass Deutschland in der Welt als DIE Beachhandball-Nation wahrgenommen wird und nicht ein typisches Strandland wie Brasilien“, sagt die Tochter von Handball-Legende Stefan Kretzschmar (52).
Wildes Party-Video: Meister-Helden zerren Kretzsche unter die Dusche!
Auch bei der am Dienstag beginnenden Beachhandball-EM (bis 13. Juli) ist Deutschland haushoher Favorit. In Alanya (Türkei) bekommen es Kretzschmar und Co. in der Vorrunde mit Polen, Bulgarien und Dänemark zu tun. Auftakt gegen Polen ist um 8.30 Uhr Ortszeit.
„Das ist sportlich“, sagt Lucie, „zumal wir traditionell immer ein bisschen brauchen, um ins Turnier zu kommen. Die ersten beiden Gegner sind eher Außenseiter, aber die Spiele dürfen wir trotzdem nicht mit 50 Prozent abreißen.“
Auch die Männer gehen an den Start, treffen in ihrer Gruppe auf Gastgeber Türkei, Portugal und Tschechien. Dyn (gehört wie BILD und SPORT BILD mehrheitlich zur Axel Springer SE) zeigt die Sand-Festspiele live und exklusiv.
Und die Handball-Supermacht Dänemark? „Die sind Mitfavoriten. Die sind auch am Strand gut, nicht nur in der Halle.“
Kretzschmar-Tochter will den 6. Sand-Titel
Apropos Halle: Auch dort hat Kretzschmar ihre Stärken. Im „normalen“ Handball-Leben spielt sie im linken Rückraum beim Bundesligisten HSG Bensheim/Auerbach, mit dem sie die Saison auf Platz fünf beendete. Über ihren Doppel-Job sagt sie: „Die Halle ist der Alltag, damit verdiene ich mein Geld.“
Am Strand schätzt sie den urlaubsähnlichen Flair drumherum. Kretzschmar: „Das ist eine super Atmosphäre. Die Zuschauer sitzen da teilweise in Badehosen und Bikini, während der Spiele läuft durchgehend Musik. Aber ich bin so im Tunnel, da könnte mein Lieblingslied laufen und ich würde es nicht mitbekommen.“

Lucie-Marie Kretzschmar (24) versucht in einem Test-Länderspiel gegen Rumänien einen Angriff abzuwehren
Ohnehin widerspricht sie vehement jedem, der Beachhandball als reine Fun-Sportart abtut: „Beachhandball ist super anstrengend. Wer es zum ersten Mal ausprobiert, wird danach Muskeln spüren, von denen er gar nicht wusste, dass er sie hat. Jeder, der sich über unseren Sport lustig macht, dem sage ich gern: Probier es einfach mal aus und dann können wir uns danach mal unterhalten.“
Womit Kretzschmar am Strand anfangs fremdelte, war das Outfit. „Es ist besser geworden. Früher mussten wir noch in kurzen Tops und Bikinis antreten. Viele haben sich dagegen gewehrt. Mittlerweile tragen wir Shorts und eine Art Basketball-Shirt. Das ist deutlich angenehmer, weil man sich nicht nach jeder Aktion alles zurechtzuppeln muss. Mein Vater fand die alte, knappe Bekleidung auch nicht toll. So will man seine Tochter ja auch nicht in der Öffentlichkeit sehen.“

Lucie mit Stefan Kretzschmar (52) und der Meisterschale, die der Papa in der abgelaufenen Saison als Sport-Vorstand der Füchse gewann
Papa Stefan spielte als Linksaußen 218-mal für Deutschland – in der Halle. Wäre er auch ein guter Beachhandballer gewesen?
Die Tochter: „Ich glaube, ja. Er hatte eine gute Athletik, einen gewissen Spielwitz, den man im Sand braucht, wenn man dem Torwart den Ball ein bisschen verschmitzt am Kopf vorbei legen will.“
Im Vergleich zu ihrem prominenten Vater hat Lucie deutlich mehr internationale Titel gewonnen. Dafür hat sie in der Halle nie ein A-Länderspiel bestritten. Was sie nicht weiter schlimm findet: „Wir sind beim Beachhandball so ein verschworener Haufen – für nichts in der Welt würde ich diese Erfahrungen mit allen Ups und Downs der vergangenen Jahre tauschen wollen. So eine homogene Mannschaft, in der man sich so gut aufgehoben fühlt, gibt es nicht oft im Leistungssport.“
Die Kirsche auf der Torte wäre nun noch eine Olympiateilnahme. Doch nach wie vor wartet Beachhandball auf die Aufnahme ins olympische Programm. Kretzschmar hofft auf die Spiele 2032 in Brisbane (Australien). Dann wäre sie 32. Sie lacht: „Wenn ich dann noch ohne Rollator aufs Spielfeld komme, wäre ich gern dabei.“
Jetzt liegt ihr Fokus allein auf der EM. Am Montag fliegt das deutsche Team mit Kapitänin Kretzschmar in die Türkei. Mit eindeutigen Absichten: „Wenn man mich fragt, ist immer der Titel das Ziel. Ich gehe immer in ein Turnier, um am Ende ganz oben zu stehen.“

