Aktuell steht Alcaraz, der am 5. Mai gerade einmal 22 Jahre alt wurde, bei fünf dieser Major-Titel – je zweimal French Open und Wimbledon sowie einmal die US Open. Damit befindet sich der Spanier in einem elitären Kreis. In der Profi-Ära seit 1968 hatten mit 22 nur Rafael Nadal und Björn Borg mit sechs Titeln einen mehr. Pete Sampras lag ebenfalls bei fünf.
Grand-Slam-Turniersiege im Alter von 22 Jahren
| Spieler | Siege mit 22 |
|---|---|
| Rafael Nadal | 6 |
| Björn Borg | 6 |
| Carlos Alcaraz | 5 |
| Pete Sampras | 5 |
| John McEnroe | 4 |
| Mats Wilander | 4 |
| Boris Becker | 4 |
Dass er sich auf einem ähnlichen Karriereverlauf wie sein Idol Nadal befindet, nennt Alcaraz „Schicksal“. Allerdings hat der Spanier noch fast ein Jahr und drei Grand-Slam-Turniere Zeit, bis er 23 wird. Er könnte also bis zu acht Major-Titel mit 22 holen – was ein Rekord wäre. Überholt er alle Legenden?
Los geht die Jagd auf die Nummer sechs am kommenden Montag in Wimbledon. Dort verlor Alcaraz zuletzt 2022 ein Match – im Achtelfinale gegen seinen Dauerrivalen Jannik Sinner (23). Die beiden sind auch jetzt, wie zuvor bei den French Open, wo sie sich ein epochales Finale über fünf Sätze mit dem Sieger Alcaraz lieferten, die klaren Favoriten auf den Titel beim prestigeträchtigsten Turnier des Jahres. Für Alcaraz wäre es der Wimbledon-Hattrick.
Der frühere Wimbledonsieger Michael Stich (56), der als Experte für Prime Video im Einsatz ist, lobt: „Alcaraz hat eine extreme Spielfreude und eine große Variation in seinem Spiel, wodurch er in der Lage ist, sich auf besondere Situationen einzustellen und zu improvisieren. Allen voran aber hat er ein unglaubliches Kämpferherz, und er gibt niemals auf.“
Wimbledon-Sieger Michael Stich (56) ist TV-Experte für Prime Video bei Wimbledon
Foto: Georg Wendt/dpa
Stich möchte zwar nicht tippen, ob Alcaraz einmal so viele Grand-Slam-Turniere wie Novak Djokovic (24 Titel), Nadal (22) oder Roger Federer (20) gewinnen wird, sagt aber: „Dafür spricht sicherlich, dass er mit 22 Jahren schon fünf Grand-Slam-Titel gewonnen hat. Wenn man das hochrechnet, kommt schon einiges zusammen. Aber man muss sehen, wie sein Körper zusammenhält. Und sein vorrangiges Ziel darf und kann es nicht sein, diese drei einzuholen oder besser zu sein. Er sollte einfach in jedes Grand-Slam-Turnier, das er spielt, mit der Motivation reingehen, dass er es gewinnen will. Und der Rest ergibt sich von selbst. Carlos hat und wird in den nächsten Jahren starke Konkurrenz haben. Da wird sich zeigen, wie er sich durchsetzt.“

Im vergangenen Jahr bekam Carlos Alcaraz den Wimbledon-Siegerpokal von Prinzessin Kate
Foto: Alberto Pezzali/AP
Stich sieht aktuell Sinner und den Italiener Lorenzo Musetti (23) als die größten Konkurrenten: „Aber es kommen auch schon Spieler der nächsten Generation, die wir noch gar nicht unbedingt kennen. Die noch in der Findungsphase und in der Entwicklung sind. Sei es ein Jiri Lehecka (23; d. Red.), sei es ein Justin Engel (17), der in Stuttgart das Viertelfinale erreicht hat. Sicherlich gehören auch junge Amerikaner wie Ben Shelton (22) dazu, die, wenn sie sich weiterentwickeln, alle in der Lage sind, ein Grand-Slam-Turnier zu gewinnen. Aber Sinner und Alcaraz stechen im Moment sicher sehr heraus.“
Aktuell gibt es kaum noch aktive Spieler, die bereits die Erfahrung gemacht haben, ein Grand-Slam-Turnier zu gewinnen: Neben Alcaraz und Sinner sind dies Daniil Medvedev (29/ein Titel) sowie die älteren Djokovic (38/24), Stan Wawrinka (40/3) und Marin Cilic (36/1).
Ein Faktor, der für einen erneuten Wimbledon-Sieg von Alcaraz spricht, ist der veränderte Rasen-Belag. „Die Beläge haben sich heute so sehr angeglichen, dass man auf Rasen Sandplatztennis spielen kann und auf Sandplatz Rasentennis“, sagt Stich. „Man muss heute keine besondere Qualifikation mehr als Spezialisierung haben. Insofern würde ich sagen, dass Sand und Rasen seine besten Beläge sind, sein schlechtester Belag ist sicherlich der Hartplatz.“ Doch selbst dort hat Alcaraz bereits einen Titel – bei den US Open. Jedoch gilt Sinner auf diesem Belag als der Bessere. Legende Jimmy Connors (72) beschreibt die Unterschiede der beiden so: „Sinner ist konstanter, aber Alcaraz hat ein besonders hohes Level, das er erreichen kann.“

