Sie sind nicht aufzuhalten. Nicht mal, wenn wichtige Spieler ausfallen.

Schon vor seiner Knieverletzung hatte Center Johannes Voigtmann (32) gegenüber SPORT BILD die Stärke der deutschen Basketball-Nationalmannschaft auf den Punkt gebracht: „Wir wissen, dass wir gut sind. Und natürlich gehst du als Weltmeister mit einem anderen Selbstverständnis auf das Spielfeld. Seit drei, vier Jahren gibt es eine neue Realität im deutschen Basketball. Wir haben das Ziel, jedes Spiel zu gewinnen – dann werden wir Europameister.“

Makellose EM-Vorrunde: DBB-Stars deklassieren auch Gastgeber Finnland!

Quelle: MagentaSport

Gesagt, getan. Bei der EM in Tampere (Finnland) eilt die deutsche Mannschaft von Sieg zu Sieg: 106:76 gegen Montenegro, 105:83 gegen Schweden, 107:88 gegen das starke Litauen, 120:57 gegen Großbritannien – der höchste Sieg einer deutschen Mannschaft seit 30 Jahren –, zuletzt das 91:61 gegen Finnland. Nach dem WM-Titel 2023 steht der nächste Triumph in Aussicht: EM-Gold.

Auf dem Weg ins Achtelfinale könnte sich die deutsche Mannschaft Ruhephasen gönnen – tut sie aber nicht. „Das ist eine Angewohnheit, eine Spielweise, die man sich antrainiert“, sagt Tristan da Silva (24), der mit 25 Punkten Topscorer gegen die Briten war. „Das ist eine Mentalität, die von ganz oben durchgezogen wird, von Dennis Schröder und Franz Wagner. Sie stecken ihre volle Energie rein und vertrauen dem Trainer komplett. Das macht jeder weiter. Als junger Spieler lässt man sich anstecken.“

Für Co-Kapitän Voigtmann ist die aktuelle deutsche Mannschaft die beste aller Zeiten. „Diese Ausgeglichenheit der letzten Jahre, die Tiefe im Kader ist schon echt gut. Unser Talent-Level ist schon sehr hoch“, sagt er.

„Du hast viele Spieler, die auf absolutem Top-Niveau in Europa und auch in der NBA spielen. Dennis und Franz übernehmen Verantwortung und ziehen wie kein anderes Duo zum Korb. Andi (Obst; d Red.) ist der beste Schütze Europas, den man nie frei stehen lassen darf und der dadurch viele Räume für Dennis und Franz schafft. Daniel Theis ist einer der besten Rollenspieler in Europa, sehr stark im Rebounden und Punkten über dem Korb. Und auch von der Bank kommt viel Qualität.“

Auch das neue Spielsystem des Gordon-Herbert-Nachfolgers Álex Mumbrú (46) hat die Mannschaft schnell verinnerlicht. „Jeder Trainer sagt immer, er will schnell spielen und gut verteidigen. Das hat man schon oft gehört“, sagt Voigtmann. „Aber wir setzen es wirklich konsequent um. Wir sind auf dem Feld extrem schnell und nehmen Würfe oft deutlich vor Ablauf der Shotclock. Auch in der Verteidigung ist einiges anders. Wir spielen ein bisschen aggressiver und gehen ein höheres Risiko.“

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Foto: BILD

Etwa 20 Spielzüge hat die deutsche Mannschaft einstudiert. In den Auszeiten sagt der Trainer regelmäßig die Variante „Bingo“ an. „Den genauen Spielzug kann ich natürlich nicht verraten“, sagt Voigtmann. „Nur so viel: ,Bingo‘ wird angesagt, wenn nicht mehr viel Zeit auf der Uhr ist. Das ist noch mal eine Art Alarmzeichen für uns.“

Größter Konkurrent auf dem Weg zum EM-Titel ist Serbien. „Sie schweben ein Stück weit über allen anderen“, sagt Voigtmann. „Dort gibt es die perfekte Mischung aus Talent und Eingespieltheit. Und mit Nikola Jokić haben sie natürlich einen absoluten Ausnahmespieler, der nicht umsonst dreimaliger NBA-MVP ist. Wenn Jokić einmal am Zug ist, kann man ihn nicht mehr bremsen. Dafür ist er zu talentiert, zu vielseitig und zu spielintelligent. Er kann super passen und werfen, hat den richtigen Touch und ist dazu körperlich sehr robust. Außerdem ist er mental enorm stark. Er ist immer sehr ruhig bei allem, was er tut, und trifft daher die richtigen Entscheidungen.“

Deutschland gegen Serbien – das gab es schon im WM-Finale 2023. Damals gewann das Schröder-Team 83:77. Allerdings war Jokić nicht dabei …

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