Heiße Endphase in der Daikin Handball-Bundesliga. Jeder Punkt zählt im Kampf um den Titel.

Der TBV Lemgo Lippe trifft am Sonntag (15 Uhr, WELT TV und live bei Dyn/Anzeige) auf den Titelverteidiger SC Magdeburg.

In BILD spricht Lemgos Trainer Florian Kehrmann (47), u. a. Deutscher Meister, Welt- und Europameister, über seine Zukunft, eine „herausragende Saison“ und die Lust, das Zünglein an der Meister-Waage in der Handball-Bundesliga zu sein.

Vom Held zum Depp: DIESER Arroganz-Anfall überrascht alle

Quelle: BILD/YouTube @SSUtv Sports

BILD am Sonntag: Herr Kehrmann, Sie können mit dem TBV Lemgo Lippe am Sonntag der Titel-Crasher für den SC Magdeburg sein.

Florian Kehrmann (47): Bei uns ist es nicht im Hinterkopf, was bei Magdeburg ist. Wir haben ein Heimspiel und in den letzten Wochen gezeigt, dass wir zu Hause gute Leistungen bringen können. Uns ist egal, wo Magdeburg steht.

Aber Sie könnten Magdeburg die Titelverteidigung und als nächstes Melsungen die Champions-League-Quali vermiesen.

Es geht nicht darum, Magdeburg die Meisterschaft zu versauen. Wir wollen zu Hause gute Leistungen bringen. Klar: Gegen Magdeburg ist es immer speziell, weil sie eine Top-Mannschaft sind. Aber wir wollen das Spiel gewinnen.

Fiebern Sie im Titelrennen mit einer Mannschaft mit?

Ich halte das sehr neutral. Ich finde es herausragend, was Berlin, Melsungen und Magdeburg leisten. In jeder Mannschaft hat man ein paar Kandidaten, für die man sich freut, aber es gibt keinen, für den mein Herz mehr schlägt.

Auch Ihre Saison ist außergewöhnlich. Wie beurteilen Sie die?

Wir spielen eine herausragende Saison. Unser Etat ist vielleicht der 14. oder 15. der Liga, aber wir stehen im gesicherten Mittelfeld, klopfen bei den Top-Mannschaften an. Wir haben Flensburg geschlagen, Berlin einen Punkt abgenommen. Aber wir müssen das nächste Saison auch wieder bestätigen.

Wie groß ist Ihr Anteil an den Ergebnissen?

Ich habe den gleichen Anteil wie unser Praktikant auf der Geschäftsstelle. Wir sind als Gesamtpaket sehr gut aufgestellt.

Sie entwickeln sich als Verein weiter. Woran machen Sie die Entwicklung fest?

Wir haben den Mut, junge Spieler früh in Verantwortung zu bringen. Das zahlt sich langfristig aus. Unsere besten Spieler werden oft von großen Vereinen abgeworben, das ist unser Los.

Jetzt formen Sie wieder eine Mannschaft …

Genau. Deshalb müssen wir trotz Platz 7 weiter demütig bleiben und nächstes Jahr die Position erneut bestätigen. Es wird einen kleinen Umbruch geben und wieder Chancen für junge Talente.

Machen Sie sich Sorgen, dass Stars wie Lukas Hutecek oder Constantin Möstl abgeworben werden?

Es ist immer ein bisschen Sorge und Freude. Ich freue mich, wenn Spieler wie Lukas Zerbe, den ich seit der B-Jugend selbst trainiert habe, den Sprung nach Kiel und in die Nationalmannschaft schaffen. Aber es ist auch eine Herausforderung, solche Spieler immer wieder zu ersetzen. Wie lange Hutecek oder Möstl bleiben, steht in den Sternen.

Autsch! Der österreichsiche Nationalspieler Lukas Hutecek (24/M.) steht bei zahlreichen Klubs in Europa auf dem Zetteö

Autsch! Der österreichsiche Nationalspieler Lukas Hutecek (24/M.) steht bei zahlreichen Klubs in Europa auf dem Zetteö

Foto: IMAGO/Beautiful Sports

Was sagen die Sterne über Ihre Zukunft?

Ich bin ganz entspannt. Meine Aufgabe macht mir beim TBV sehr viel Spaß. Den Rest lasse ich auf mich zukommen.

Um Titel zu gewinnen, müssten Sie den Verein wohl verlassen.

Ich habe mit dem Pokalsieg 2020 ja schon einen Titel gewonnen. Ich bin froh über das, was ich jetzt beim TBV habe. Ich bin keiner, der zu weit in die Zukunft guckt. Wir leben alle im Profisport und da geht alles rasch. Im Handball ist alles möglich. Ich habe eine gute Situation und arbeite sehr gern beim TBV.

Nach unseren Informationen gab es im Dezember eine Anfrage aus Flensburg. Reizt es Sie nicht, nach zwölf Jahren beim TBV mal eine neue Herausforderung anzunehmen?

Wenn der Gedanke reift, eine andere Aufgabe machen zu wollen, werde ich es entscheiden. Im Moment bin ich in Lemgo glücklich.

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Foto: Ronny Hartmann, picture alliance / foto2press

Wie lange läuft Ihr Vertrag?

Bis Sommer 2026.

Lust auf den Bundestrainer-Job nach der WM 2027, wenn der Vertrag von Alfred Gíslason endet?

Das ist ein großer Traum, diese Aufgabe mal zu machen. Aber da geht es nicht nur um die deutsche Mannschaft, sondern allgemein um Nationalmannschaften. Die Bundesliga macht mir sehr viel Spaß. Es ist aber auch ein großer Reiz, mal eine andere Mannschaft zu trainieren. Auch mal international bei Großturnieren zu spielen. Das ist ein Traum, den ich mir gut vorstellen kann.

Wo sehen Sie die deutsche Nationalmannschaft im internationalen Vergleich?

Wir sind sehr gut aufgestellt, haben herausragende junge Spieler in den Jahrgängen 2000 und 2002. In der Weltspitze ist alles eng beieinander. Alle reden jetzt gerade von Dänemark, das über allem thront. Aber wir wissen, wie schnell sich das drehen kann. Ich sehe uns hinter Dänemark mit vielen Mannschaften auf einem Weg. Von der Leistung her müssen wir immer das Halbfinale bei Turnieren erreichen. Das muss das Ziel sein.

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Foto: BILD

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