Die Leidenszeit des HSV ist vorbei. Fast auf den Tag genau sieben Jahre nach dem Absturz in die Zweitklassigkeit haben die Hamburger die ersehnte Rückkehr in die Fußball-Bundesliga geschafft. Nach dem 6:1 (3:1) gegen den SSV Ulm ist der HSV am letzten Zweitliga-Spieltag nicht mehr von einem der ersten beiden Tabellenplätze zu verdrängen. Die Ulmer stehen nach der Niederlage als zweiter Absteiger nach dem Jahn Regensburg vorzeitig fest.

Der HSV startet nervös in die Partie – und bekommt gleich die kalte Dusche.

Ulms Strompf legt nach einer Ecke per Kopf weiter auf Gaal, der den Ball verarbeiten und zum 0:1 über die Linie drücken darf (7. Minute). Ganz kurz ist es still im Stadion. Was für ein Schlotter-Start des HSV …

Erstklassig dafür die Reaktion der Rothosen!

Muheim kurz nach Wiederanpfiff scharf und flach von links auf Reis, der drückt aus 20 Metern direkt ab, trifft flach kurz neben dem linken Pfosten zum 1:1 (10.). Jetzt ist das Stadion ein Tollhaus!

Während nebenan in der Barclays Arena Schlager-Star Roland Kaiser (73) bei einem Konzert seinen 73. Geburtstag feiert, gibt auf dem Platz nun langsam mehr und mehr der HSV den Ton an und spielt seine individuelle Qualität aus. Doch dann der nächste Schock-Moment.

32. Minute: Ein Schuss von Ulms Higl wird im Sechzehner geblockt, doch Muheim trifft ihn danach am Fuß. Lange checkt der Video-Keller, dann die Entscheidung: ELFER! Doch HSV-Keeper Heuer Fernandes holt den schwachen Versuch von Telalovic raus (36.).

Dann DER Moment der endgültigen HSV-Explosion: Sahiti verlängert einen Einwurf artistisch in den Lauf von Königsdörffer und der traut sich mit viel Schnitt die Bogenlampe. Als der Ball über Ulm-Keeper Thiede hinweg um 21.13 Uhr zum 2:1 im Netz zappelt, ist klar: Stand jetzt ist der HSV wieder erstklassig.

Und noch in der Nachspielzeit der ersten Hälfte legt der HSV nach: Mega-Flanke von Dompe. Selke nickt am zweiten Pfosten zum 3:1 ein. Vor ihrer Kurve türmen sich Spieler und Ersatzspieler zum Jubel-Knäuel. Es ist 21.20 Uhr.

Kurz darauf ist Halbzeit. Jubel brandet auf, als wäre das Spiel schon vorbei. Wie sehr sich der HSV für den Sieg zerreißt, zeigen die Zahlen: 124 zu 89 Sprints und 58,1 zu 51,9 gelaufene Kilometer – Extra-Antrieb Aufstieg!

Party-Knäuel: Die HSV-Stars feiern das 3:1 von Selke

Party-Knäuel: Die HSV-Stars feiern das 3:1 von Selke

Foto: Fishing4 / Thorge Huter

Und dann helfen auch die Ulmer noch mit: Torwart Thiede kann eine Dompe-Flanke nicht festhalten. Der Ball fällt Strompf gegen die Beine und von dort ins eigene Tor – das 4:1 (49.). Die Entscheidung.

Königsdörffer knallt nach Zucker-Solo das 5:1 rein (62.). Die endgültige Entscheidung. Elfadli (86.) erzielt den 6:1-Endstand. Der Rest ist Party!

Schon während der Schlussphase gehen alle Schals hoch. Um 21.48 Uhr hallt „Nie mehr 2. Liga“ durchs Stadion. Platzsturm der Fans dann mit Schlusspfiff. Moin, HSV! Willkommen zurück!

Heißer Start: Kurz vor Anpfiff brannten die Fans Pyro ab

Heißer Start: Kurz vor Anpfiff brannten die Fans Pyro ab

Foto: osnapix / Marcus Hirnschal

2555 Tage nach dem Abstieg : HSV zurück in der Bundesliga!

DIE Figuren des Endlich-Aufstiegs dabei: zwei gebürtige Hamburger Jungs!

Allen voran Trainer Merlin Polzin (34)! In seiner Jugend sogenannter „Allesfahrer“, stand für den HSV selbst im Europacup überall im Fanblock. Im November übernahm er als Interimstrainer für den gefeuerten Steffen Baumgart. Jetzt ist er als siebter Zweitliga-Cheftrainer des HSV derjenige, der endlich die richtige Formel für die Erstliga-Rückkehr fand.

Sein Geheimnis: Im Duo mit Co-Trainer Loïc Favé (32/Mutter arbeitete früher 36 Jahre lang in HSV-Fanprojekten) pflegt er einen respektvollen Umgang zur Mannschaft. Scheute dabei aber schwierige Entscheidungen nicht (z.B. Kapitän Schonlau aus Startelf rasiert). Große Stärke: Taktik und Analyse. HSV-Boss Stefan Kuntz (62): „Ich habe kaum etwas Besseres gesehen.“

Aufstiegstrainer Merlin Polzin (r.) verschwand kurz vor Abpfiff in den Katakomben

Aufstiegstrainer Merlin Polzin (r.) verschwand kurz vor Abpfiff in den Katakomben

Foto: Marcus Brandt/dpa

Mit Balde spielt gegen Ulm zudem ab der Halbzeit ein weiterer waschechter Hamburger, der aus der eigenen Jugend kommt.

Und wie geht’s jetzt weiter?

Ein paar Bahnstationen vom Stadion steigt an der Elbe bis 0 Uhr noch der 836. Hafengeburtstag. Ca. um 22.45 Uhr steigt das große Feuerwerk. Das erste wieder als Erstligist. Gut möglich, dass viele Fans erst mal dorthin strömen. Danach dürfte dann auf der Partymeile Reeperbahn weitergefeiert werden.

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