Neuer Job für Ex-Skispringer Markus Eisenbichler (34)! Mit sechs WM-Titeln ist der Bayer einer der erfolgreichsten Deutschen der vergangenen zehn Jahre. Im März beendete er seine Karriere. Jetzt wird er bei Eurosport Experte. Sein Debüt gibt er ab Freitag beim Weltcup-Auftakt in Lillehammer (Norwegen).

SPORT BILD: Herr Eisenbichler, mit den Worten „Mein Bauchgefühl sagt mir: Es ist der richtige Zeitpunkt. Es fühlt sich gut an“ kündigten Sie im März vor dem Skifliegen in Planica ihren Rücktritt an. Jetzt sind ein paar Monate vergangen. Hat Ihnen Ihr Bauchgefühl Recht gegeben?

Markus Eisenbichler: [–>Es war die richtige Entscheidung. Ich bin sehr happy und glücklich mit meinem Leben. Natürlich hatte ich eine schöne Zeit und bin froh, dass ich dem Skispringen nun als Experte für Eurosport in anderer Funktion erhalten bleibe. Denn für das Skispringen hat mein Herz gebrannt und brennt auch immer noch.

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Quelle: SID

Was reizt Sie an der Experten-Rolle?

Ich will natürlich meine Expertise einbringen und auch meinen Emotionen freien Lauf lassen. Ich bin nach wie vor nah am Geschehen dran, kenne die Athleten sehr gut, stehe mit manchen noch in Kontakt. Ich möchte den Sport gut nach außen transportieren und das Skispringen mit meiner Erfahrung und Emotion bereichern.

Gibt es etwas Spezielles beim Skispringen, das Sie den Zuschauern vermitteln möchten?

Insbesondere die Athletenperspektive. Wie fühlt sich der Sportler, wenn er als Letztes oben am Balken sitzt? Was fühlt er, wenn es gerade nicht so läuft? Die Außenstehenden bekommen meist nicht mit, was für Kämpfe man als Athlet mit sich selbst im Kopf führt. Selbst für die Trainer ist es manchmal schwer nachzuvollziehen, was im Kopf eines Athleten vorgeht. Ich war lange genug dabei, habe alle Höhen und Tiefen erlebt. Skispringer sind auch nur normale Menschen, die voller Leidenschaft ihren Sport betreiben. Natürlich will jeder gewinnen, aber auch Platz fünf ist ein gutes Ergebnis. Man gehört damit zu den besten der Welt! Das möchte ich den Zuschauern nahebringen.

Eurosport-Experte Markus Eisenbichler mit seinem neuen Arbeitsgerät

Eurosport-Experte Markus Eisenbichler mit seinem neuen Arbeitsgerät

Foto: MAX MERGET/Eurosport

Als Athlet sind Sie selbst sehr emotional gewesen und auch sehr selbstkritisch mit sich umgegangen. Wie haben Sie sich als Aktiver von den TV-Experten widergespiegelt gefühlt? War die Kritik immer berechtigt, oder sind Sie auch mal mit jemanden angeeckt?

Natürlich war ich mit gewissen Aussagen über mich nicht einverstanden. Jahrelang war ich im Weltcup vorne mit dabei, und wenn es mal nicht so gut lief, wurde das teilweise sehr kritisch bewertet. Das verärgert einen natürlich, aber ich konnte damit umgehen – mir persönlich hat es nicht so viel ausgemacht. Für viele Athleten kann das jedoch eine Belastung sein, weil man sehr sensibel auf äußere Bewertungen reagiert. Ich möchte als Experte die sportliche Leistung in den Vordergrund stellen und den Zuschauern den Sport näherbringen.

Rodlerin Natalie Geisenberger, die in Cortina ebenfalls für Eurosport als Expertin dabei ist, hat im Interview mit dem Olympiamagazin „Milano Cortina 26“ gesagt, „Kritik sollte immer sachlich sein, nie persönlich“. Ist das auch ein Credo, das Sie sich auf die Fahnen schreiben werden?

Auf alle Fälle! Der Sportler braucht auch Kritik, um zu wachsen. Man lernt aus Fehlern, oder wenn Dinge nicht so gut laufen, und man diese hinterfragt. Das ist essenziell. Als Athlet merkt man zudem, wenn ein Journalist im Interview echtes Interesse hat, und er verstehen oder nachvollziehen möchte, warum etwas nicht wie gewünscht lief. Das ist vollkommen in Ordnung. Kein Sportler bringt mit Absicht eine schlechte Performance und will danach plump mit der Frage „Warum ist es denn heute nicht gelaufen?“ konfrontiert werden.

Skispringen ist seit Jahren ein TV-Magnet und fasziniert die Zuschauer. Gibt es trotzdem etwas, das aus Ihrer Sicht in den Übertragungen zu kurz kommt, und das Sie ändern würden?

Die menschliche Komponente kommt mir oft zu kurz – also zu zeigen, wie sich der Athlet fühlt und was in ihm vorgeht. Speziell bei der Vierschanzentournee ist der Fokus auf die deutschen Athleten natürlich riesig. Da wird ein enormer Druck aufgebaut, und das spürt man als Athlet natürlich deutlich. Da haben andere Nationen einen Vorteil. Wir sehnen doch alle einen deutschen Tournee-Sieg herbei. Aber lasst die DSV-Springer doch erstmal in Oberstdorf springen. Natürlich möchte man Statements der Athleten haben – aber die Balance muss stimmen, sodass der Sportler sich in Ruhe auf den Sport konzentrieren und sauber weiterarbeiten kann.

Beim Fußball bieten immer mal wieder Bodycams zum Beispiel aus der Schiedsrichter-Perspektive interessante Einblicke. Könnten Sie sich so etwas auch beim Skispringen vorstellen?

Ich denke schon, dass Helmkameras gut eingesetzt werden könnten. Aber man müsste natürlich die Sportler rechtzeitig vorwarnen und damit trainieren lassen. Skispringen ist eine sehr sensible, feinfühlige Sportart und zusätzliches Gewicht, speziell am Kopf, spürt der Athlet sofort – das beeinflusst den Sprung. Aber für den Zuschauer wäre es sicherlich eine spannende Ansicht.

Können Sie sich noch an Ihre erste Skisprung-Übertragung erinnern, die Sie im Fernsehen gesehen hast?

Das ist eine gute Frage! Das war rund um die Olympischen Spiele in Lillehammer 1994. Mein persönlicher Hero war Kazuyoshi Funaki. Sein Sprungstil war fantastisch. Den Telemark habe ich leider nicht so hinbekommen wie er. Auch Martin Schmitt hat mir mit seiner ruhigen Art und seinem ruhigen Sprungstil stets imponiert.

Jetzt schließt sich der Kreis, denn für Eurosport werden Sie Ihr Expertendebüt beim Weltcup-Auftakt am 21. November in Lillehammer geben…

…und Lillehammer zählt dazu noch zu meinen Lieblingsschanzen. Norwegen ist zudem ein tolles Land, das ich gerne bereise. Ich freue mich sehr darauf und werde mit Sicherheit einen Riesenspaß beim Kommentieren haben.

War Planica wirklich Ihr allerletzter Sprung von einer Skisprungschanze? Oder würden Sie die Bretter noch einmal anschnallen und springen?

Ja, ich kann mir das schon vorstellen und werde vielleicht im kommenden Jahr auf meiner Jugendschanze in Berchtesgaden, die gerade neu gebaut wird, nochmal springen. Aber natürlich würde ich davor trainieren, denn ich möchte ja eine gute Performance abliefern. Den Anspruch habe ich schon. Das wird aber dann definitiv das letzte Mal sein, denn Planica war einfach ein runder, zufriedener Abschluss.

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