Mit dem Siegen fängt Biathletin Selina Grotian (20) noch früher an als Doppel-Olympiasiegerin Laura Dahlmeier (31). Bei ihrem ersten Weltcuperfolg am 22. Dezember 2024 im französischen Annecy (Massenstart) war sie neun Monate jünger als Dahlmeier 2015 in Nove Mesto (Tschechien). Nun steht die WM in Lenzerheide (Schweiz) an – und Grotian könnte Dahlmeier ein weiteres Mal überflügeln. Die war bei ihrem ersten WM-Sieg 2016 in Oslo 22 Jahre alt.

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„Ich fühle mich gut, die Form stimmt“, sagt Grotian. „Ich mag die Anlage in Lenzerheide und habe gute Erinnerungen daran. 2022 bin ich dort Europameisterin in der Verfolgung geworden.“

Neben der Weltcup-Führenden Franziska Preuß (30) ist Grotian, die aus Mittenwald (Bayern) stammt, die größte deutsche Medaillenhoffnung. „Sie ist ein Versprechen für die Zukunft“, sagt DSV-Biathlonchef Felix Bitterling (47).

Grotian trainiert am Stützpunkt Kaltenbrunn nahe Garmisch-Partenkirchen bei Bernhard Kröll (48), der schon Magdalena Neuner (38) und Laura Dahlmeier zu Mehrfach-Olympiasiegerinnen und -Weltmeisterinnen formte. Grotian ist der nächste Shootingstar aus der Goldschmiede. „Als kleines Mädchen habe ich oft Magdalena Neuner beim Training zugeschaut“, erzählt sie. „Ich habe mich aber nicht getraut, sie anzusprechen.“

Bei Laura Dahlmeier ist das ganz anders. Sie trifft Grotian regelmäßig in der Langlaufloipe oder im Kraftraum am Olympiastützpunkt Garmisch. Dahlmeier hält sich fit für ihre Berglaufwettkämpfe. „Ab und zu trainieren wir zusammen, und sie gibt mir Tipps“, sagt Grotian.

Als vierfache Junioren-Weltmeisterin startete Grotian im vergangenen Winter in ihre erste Weltcupsaison. „Ich hatte mir den Einstieg leichter vorgestellt“, sagt sie. Den Tiefpunkt erlebte sie beim Weltcup in Oberhof: Nach sieben Strafrunden und Platz 45 in der Verfolgung stand vor dem Heimweltcup in Ruhpolding der Wechsel aus dem Weltcup in den IBU-Cup, die 2. Liga im Biathlon, an.

„Das war ein Tritt in den Hintern, aber im Nachhinein war er gut für mich“, sagt Grotian. „Das hat mich motiviert, noch konzentrierter zu arbeiten.“ Die Erfolge stellten sich schnell ein: Bei der WM in Nove Mesto schaffte sie Platz vier im Einzel und gewann Bronze mit der Frauen-Staffel.

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In diesem Winter ist Grotian noch stärker. „Ich habe läuferisch und beim Schießen zugelegt“, sagt sie. Nachdem sie bei der Vorbereitung im finnischen Vuokatti krank wurde, verlief der Start in Kontiolahti (Finnland) mit den Plätzen 50 und 48 holprig. Aber seit dem Weltcup in Hochfilzen läuft sie konstant in der Weltspitze mit. Im Gesamtweltcup liegt sie auf Platz sieben.

Während der WM-Vorbereitung in Antholz besuchte der Kletterer und Extrembergsteiger Thomas Huber (58) das deutsche Team und hielt einen Vortrag. Nun liest Grotian seine Autobiografie „In den Bergen ist Freiheit“. Darin geht es darum, Grenzen zu überwinden und Rückschläge zu meistern. „Eine tolle Inspiration“, findet Grotian. „Wenn man mit der nötigen Gelassenheit an die Dinge herangeht, kommt man oft weiter.“ Und auch am Schießstand wird man nicht so schnell nervös.

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