Lukas Nmecha (26) war 2021 eine der größten deutschen Sturm-Hoffnungen, absolvierte sieben Länderspiele, sollte mit zur WM 2022. Doch es kam anders. Der Wolfsburger verletzte sich. Patellasehnenanriss, während der Genesung ein kompletter Riss. Immer wieder muskuläre Probleme, zuletzt eine schwere Blessur am Hüftbeuger. Jetzt kommt Nmecha immer besser in Tritt. In SPORT BILD spricht er über seine Leidenszeit und seine Ziele.

Nmecha ist auf dem Weg zurück. „Ich bin wieder im Rhythmus, aber auf 100 Prozent zu kommen dauert noch eine Weile. Wir steuern in gemeinsamer Absprache mein Training, ich nehme mich teilweise etwas raus“, sagt der Stürmer. „Ich bin ein explosiver Spieler. Wenn man lange Zeit verletzt war, hat man diese Impulse nicht konstant. Aber ich bin zufrieden und fühle mich bereit.“

Die lange Leidenszeit hat aber noch großen Einfluss auf seine Gedanken. „Auf dem Platz ist die Zeit abgehakt, aber sie beeinflusst mein Leben. Diese Phase hat meinen Charakter verändert“, sagt Nmecha. „Ich habe es beispielsweise nicht gemocht, nach Auswärtsspielen nur wenige Stunden schlafen zu können und dann wieder zum Training zu müssen. Jetzt sage ich mir: Du durftest zwei Jahre keinen Fußball spielen, genieß es!“

Lukas Nmecha (r.) spielte bis 2022 in der Nationalmannschaft. Hier wird er für Timo Werner eingewechselt

Foto: AFP/Getty Images

Denn die vergangenen zwei Jahre waren hart. „Die letzte schwerere Verletzung war am Hüftbeuger. Da dachte ich in den ersten Tagen: Ich habe keinen Bock mehr, möchte nicht wieder durch eine lange Reha. Aber nach der ersten Woche habe ich Fortschritte gespürt. Das reichte mir als Motivation“, sagt Nmecha, der aber auch viel gelernt hat. Er sagt: „In den Rehazentren in Antwerpen und Köln habe ich Hunderte Sportler gesehen, die nach Verletzungen um ihre Kar­riere gekämpft haben. Viele von ihnen haben auch um ihre Existenz gekämpft. Viele Sportler verdienen deutlich weniger als Fußballer. Manche müssen aufhören, dann studieren und arbeiten gehen. Da bin ich mehr abgesichert und sehr dankbar dafür.“

Sein größtes Ziel ist ein ganz besonderes: mit Bruder Felix, der in Dortmund spielt zurück in die Nationalmannschaft. „Mein Traum ist, dass wir gemeinsam für Deutschland spielen. Ich bin sicher, dass das bald passiert“, sagt Nmecha. Auf dem Weg dorthin möchte er mit Wolfsburg viel erreichen: „Wir machen es als Mannschaft gerade gut, aber können noch mehr. Wir können die Spiele noch besser kontrollieren. Wir haben das Zeug für Europa.“

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Quelle: AP

Am Saisonende läuft Nmechas Vertrag aus. „Momentan gibt es keine Entscheidung. Wir sprechen regelmäßig, beide Seiten haben aber keinen großen Druck. Ich möchte den Fußball genießen. Ich habe in der schwierigen Zeit viel Unterstützung des Vereins und der Fans bekommen, daher verspüre ich Dankbarkeit. Aber das garantiert nichts“, sagt Nmecha – und fügt augenzwinkernd an: „Wenn ich bis zum Saisonende 20 Tore mache, gehe ich wahrscheinlich zu Real Madrid…“

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