Als der Däne Kim Milton Nielsen das Champions-League-Finale am 26. Mai 2004 in Gelsenkirchen abpfiff, nahm José Mourinho (62) das mit unbewegter Miene zur Kenntnis.

Gerade hatte er den FC Porto als Außenseiter zum Titel geführt, doch Mourinho wusste, dass das 3:0 gegen den Sensations-Finalisten Monaco nur eine Zwischenstation seiner Weltkarriere war.

Zwei Wochen später war er neuer Trainer des FC Chelsea und sagte bei seiner Vorstellung die berühmten Sätze: „Nennen Sie mich nicht arrogant, denn was ich sage, ist wahr: Ich habe mit Porto die Champions League gewonnen und bin nicht einer von vielen. Ich glaube, ich bin ein Special One (ein Besonderer).“

Inzwischen ist „The Special One“ seit über 20 Jahren der wohl schillerndste Trainer im europäischen Fußball. Die Grundlage legte er 2004 mit dem Finalsieg in der Arena AufSchalke – seinem sechsten Titel in nur zweieinhalb Jahren mit dem FC Porto, darunter waren zwei portugiesische Meisterschaften und der Uefa-Cup-Sieg 2003. Mourinho hatte eine Sieges-Maschine geformt.

Von 2001 bis 2005 ordnete Costinha (50) das Porto-Mittelfeld, bis 2004 unter Trainer Mourinho

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„Nach dem Finale war es ein komisches Gefühl in der Kabine. Für uns war es damals normal zu gewinnen. Wir haben nicht viel gefeiert“, sagt Mittelfeld-Abräumer Costinha zu SPORT BILD: „Aber als wir in Porto ankamen, die Stadt voll war mit Menschen, war es wirklich besonders. Wenn ich daran denke, bekomme ich immer noch Gänsehaut.“

Silvino Louro, der 17 Jahre als Torwarttrainer mit Mourinho arbeitete, erinnert sich: „Es war ein sehr wichtiger Moment für uns. Und ein wichtiger Moment für den portugiesischen Fußball. Mit dem Champions-League-Titel und dem, was er mit der Meisterschaft im ersten Jahr bei Chelsea gezeigt hat, hat er bewiesen, dass er ein großer Trainer ist.“

Das Endspiel selbst war mit 3:0 eine klare Sache, in der zweiten Halbzeit zeigte Monaco unter dem späteren Weltmeister-Trainer Didier Deschamps Auflösungserscheinungen.

Schlüssel dafür war mal wieder ein Taktik-Kniff von Mourinho, den Costinha so erklärt: „In Heimspielen haben wir immer mit drei Mittelfeldspielern gespielt, Maniche, Deco und mir. In der Champions League waren es vier, Pedro Mendes oder Alenichev kamen dazu. Ich habe den Trainer gefragt, warum er das macht. Er sagte mir: Zum Strafraum kommen wir auch mit nur zwei Stürmern. Aber wir müssen das Mittelfeld kontrollieren. Diese Intelligenz brachte uns den Titel.“

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Monaco musste einen Flügelspieler in die Mitte ziehen, um den vierten Mittelfeldmann zu decken – und Porto hatte eine Überzahl auf dem Flügel.

„José ist ein Typ, der genau weiß, wie man eine Mannschaft vorbereiten muss. Er studiert perfekt den Gegner und sucht die besten Spieler dafür aus“, sagt Keeper-Coach Silvino: „Seine Ansprachen waren nur acht bis zehn Minuten lang, vielleicht gab es noch eine zweite Ansprache nur für die Abwehr. Danach wussten alle, was zu tun ist.“

Als Mourinho 2002 Porto übernahm, versprach er sofort den Meistertitel 2003 – und behielt recht. Aber nicht nur in diesem Fall.

„Im Sommer bevor er kam, hatte ich meinen Platz in der portugiesischen Nationalmannschaft verloren und die WM 2002 verpasst“, erklärt Costinha: „Am ersten Tag kam er zu mir und sagte: ,Keine Sorge, Portugals Trikot mit der Nummer 6 wird bald wieder dir gehören.‘ Drei Monate später war ich zurück in der Seleção. Nach der Nominierung kam er zu mir und meinte: ,Ich habe es dir ja gesagt.‘ Er gab einem die Sicherheit, als wenn er wie ein Wahrsager eine Glaskugel hätte.“

Costinha weiter: „In dem Moment, als er ankam, wussten wir, dass er anders ist. Es war die Art und Weise, wie er spricht. Wenn etwas falsch lief, sagte er es dir in der Kabine ins Gesicht. Du wusstest: Wenn du keine Leistung zeigst, wird es hart. Kein Bullshit, keine Lügen.“

Und Mourinho, der damals ständig ein Blackberry-Telefon in der Hand hatte, war smart. Als er sah, dass die Mannschaft vor Spielen beim Fußball-Tennis keinen Punkt verloren gab, ermahnte er die Spieler, dass sie auf Verletzungen aufpassen sollten. Doch er ließ sie weitermachen, um nicht in die Team-Kultur einzugreifen. Die war zu der Zeit so gut, dass die Ehefrauen von Portos Titelteam sich regelmäßig beschwerten, dass ihre Männer lieber im Trainingszentrum wären als bei der Familie.

„Wenn Porto es geschafft hätte, Mourinho und das Team länger zu halten“, sagt Costinha heute, „glaube ich, dass wir noch einen Champions-League-Titel gewonnen hätten.“

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