Nach zehn Minuten Fahrtzeit kommt der Trainer in der Stadion-Tiefgarage an. Im schwarzen Trainingsanzug geht er durch die Mannschaftskabine in den kleinen Flur, an den die Trainerbüros anschließen. Sein Bereich liegt hinter der ersten Tür auf der rechten Seite. Hier zieht er sich um. Weiße Adidas-Turnschuhe „Stan Smith“, blaue Chino-Hose, Pulli in Blau oder Beige – das typische Spieltags-Outfit.
Alles wird am Sonntag wie immer sein. Nicht einmal eine offizielle Verabschiedung ist für den erfolgreichsten Trainer der Vereinsgeschichte geplant. Grund: Es gibt noch keine Klarheit, ob der Spanier zu Real Madrid wechselt, wie alle vermuten.
Sowohl Alonso als auch seine Bosse hatten vergangene Woche eine Entscheidung bei den Königlichen und deren Trainer Carlo Ancelotti (65) erwartet. Der Italiener hätte bereits als neuer Nationaltrainer Brasiliens vorgestellt werden sollen. Real hätte dann konkret mit Bayer über die Ablöse sprechen und den Vollzug mit Alonso vermelden können.
Der Termin wurde verschoben – sehr zur Überraschung von Alonso und Leverkusen. Real spielt am Sonntag bei Tabellenführer FC Barcelona. Mit einem Sieg ist Madrid (derzeit vier Punkte Rückstand) zurück im Titelrennen. Alonso und Bayer müssten warten.
Schade für Alonso, der das Wort „Vizekusen“ für immer hat verschwinden lassen. Der nach dem Double 2024 den Anspruch, ein echter Bayern-Konkurrent zu sein, untermauert hat. Daran wird sein Nachfolger gemessen.
Leverkusen-Bosse von Cesc Fabregas beeindruckt
Sportchef Simon Rolfes (43) und Klub-Boss Fernando Carro (60) arbeiten seit Wochen daran, den richtigen Kandidaten herauszufiltern. Beeindruckt sind sie von Cesc Fàbregas (38). Den Trainer des italienischen Erstligisten Como haben sie vergangene Woche getroffen. Dem Spanier, der mit Alonso Weltmeister (2010) und zweimal Europameister (2008, 2012) wurde, trauen sie zu, die Mannschaft zu weiteren Erfolgen zu führen.
Cesc Fabregas begeistert als Trainer von Aufsteiger Como in der Serie A
Was deutlich wird: Sie suchen einen Trainer, der die Mannschaft mitreißen kann – und selbst auf dem Weg nach oben ist. Das fasziniert sie auch an Fabian Hürzeler (32). Beim Ex-Trainer des FC St. Pauli sehen sie aber nur geringe Chancen, ihn von England-Klub Brighton loseisen zu können. Wie groß die Chancen bei Fàbregas sind, um den es einen Kampf mit RB Leipzig, englischen Vereinen und Como gibt, ist offen. Er lässt sich Zeit.

Trainertalent Fabian Hürzeler (32) wechselte von St. Pauli in die Premier League zu Brighton
Sicher ist: Como 1907, wo der ehemalige Arsenal- und Barça-Star Anteilseigner ist und bis 2028 unter Vertrag steht, war über das Treffen mit Leverkusen informiert. Fàbregas ist offen für einen Wechsel, schließt aber einen Verbleib nicht aus. Festgelegt hat er sich nur darauf, dass er aktuell zu keinem anderen Verein in Italien wechseln wird.
Leverkusen: Was ist mit Xavi und Erik ten Hag?
Weniger interessant sind für Bayer die Trainer, die schon bei ganz großen Vereinen waren und damit ihren Karriere-Höhepunkt womöglich hinter sich haben. Dazu zählen der Spanier Xavi (45/FC Barcelona) und der Niederländer Erik ten Hag (55/Manchester United). Beide stehen zwar auf Kandidaten-Listen, und Informationen – wie etwa Gehaltsvorstellungen, Trainingsgestaltung, Spielidee, Umgang mit der Mannschaft, Begeisterungs- und Team-Fähigkeit – wurden gesammelt. Sie kamen aber auf weit weniger Pluspunkte als Fàbregas und Co.
Real ist da mit Alonso viel weiter. Präsident Florentino Pérez (78) traut ihm zu, seinen Verein wieder erstrahlen zu lassen. Nach den Pöbel-Tiefpunkten rund um das Pokalfinale Ende April gegen Barça (2:3) mit drei Roten Karten in der Schlussphase, den Anfeindungen gegen Schiedsrichter und Verband in den vergangenen Monaten und dem überheblichen Boykott beim Ballon d’Or, weil Vinícius Júnior (24) nicht als bester Spieler der Welt ausgezeichnet wurde, ist der Glanz verblasst.
„Wichtig, dass wir Klarheit haben“: Das ist die Alonso-Deadline bei Leverkusen
Der souveräne Alonso soll die Ansammlung der Ich-AGs um Vinícius, Kylian Mbappé (26) und Jude Bellingham (21) neu vereinen. Mit seiner Führungsstruktur könnte ihm das, trotz der geringen Erfahrung auf Top-Niveau und ohne einmal gescheitert zu sein, gelingen.
Alonso ist nicht der Trainer, der jeden Spieler in den Arm nimmt und immer wieder erklärt, warum jemand nicht spielt. Er fördert und erwartet Entwicklung. Er entscheidet nach Leistung, Einfluss auf die Mannschaft und taktischer Ausrichtung. Er hat einen engen Draht zu den Führungsspielern und erwartet, dass sie das Team auf dem Platz lenken.
Pérez weiß das. Deshalb will er Alonso. Der wird sich in Leverkusen auch nach dem Spiel gegen Dortmund nicht im VIP-Raum von den Sponsoren verabschieden. Der Star-Trainer geht nach Abpfiff zu seiner Mannschaft in die Kabine der BayArena, gibt danach Interviews, geht zur Pressekonferenz und fährt nach Hause. Voraussichtlich zum letzten Mal als Bayer-Coach.


