Es war ein Abend, den niemand beim Handball-Bundesligisten HSV Hamburg vergessen wird.
Nach der Mitgliederversammlung im „Haus des Sports“ verkündeten Geschäftsführer Christian Hüneburg und Sportdirektor Johannes Bitter die Nachricht, die den Klub rettet: 10 Millionen Euro Schulden – einfach weg.
Bis zuletzt war die Lage bedrohlich. In der Bilanz der vergangenen Jahre klaffte ein Millionenloch, das Eigenkapital war tief im Minus. Ein Punktabzug durch die Handball-Bundesliga stand im Raum – und hätte das Team sportlich schwer getroffen, das Überleben arg gefährdet.
Der Verein kämpfte hinter den Kulissen mit aller Kraft um eine Lösung. Bitter erklärte noch am Sonntag vor der Partie gegen Eisenach (33:29) bei Dyn: „Wir haben immer kommuniziert, dass wir an Lösungen arbeiten. Alles andere werden wir in den nächsten Tagen sehen.“
Am Montagabend verkündete der HSV dann seinen Mitgliedern eine Millionen-Überraschung. Die Klub-Bosse sind überzeugt: Die Rettung ist gelungen – alle HBL-Auflagen erfüllt.
Die HBL-Lizenzierungskommission kommt am Dienstag in Münster zusammen – mit dem HSV Hamburg als gebetenem Gast. HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann, der der Mitgliederversammlung bewohnte, zu SPORT BILD: „Wir treffen uns dort zu einer turnusmäßigen Sitzung. Wir haben den HSV dazu eingeladen.“
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Nach SPORT BILD-Informationen wurde Anfang Dezember die neue Gesellschafterstruktur umgesetzt. Sechs Gläubiger verzichteten auf rund vier Millionen Euro (Darlehen). Unternehmer Philipp J. Müller investierte zusätzlich sechs Millionen Euro, wandelte Millionen-Darlehen in Anteile. Insgesamt wurden damit zehn Millionen Euro Schulden getilgt.
Mit seiner PICOM Holding GmbH hält Müller nun 24,9 Prozent an der HSM Handball Sport Management GmbH. Der Anteil liegt bewusst unterhalb der Sperrminorität. Um Spielraum für neue Entwicklungen zu lassen, heißt es von HSV-Seite.

Geschäftsführer Christian Hüneburg (50/l.) und der Hamburger Unternehmer Philipp J. Müller (48)
„Philipp J. Müller hat den Klub in den letzten zwei Jahren extrem gestärkt, uns den Rücken freigehalten und den heutigen finanziellen Befreiungsschlag ermöglicht“, erklärte Geschäftsführer Christian Hüneburg im Anschluss. „Ich freue mich sehr, dass wir das bei meinem Amtsantritt formulierte Ziel, einen wirtschaftlich sauber geführten und zukunftsfähig aufgestellten Sportklub zu entwickeln, mit viel Ausdauer und zahlreichen kleinen Zwischenschritten erreicht haben. Jetzt kann der Sport im Mittelpunkt stehen und seine Strahlkraft voll und ganz entwickeln.“
Auch Müller erklärt, warum er so tief in die Tasche griff: „Von Anfang an war für mich klar, dass ich der Stadt Hamburg und den Menschen etwas zurückgeben will und dazu beitragen möchte, absolute Leuchttürme wie den Spitzenhandball in Hamburg zu bewahren und zu entwickeln.“
Hauptgesellschafter bleibt der HSV Hamburg e.V. Auch die langjährigen Partner Sven Hielscher und die Aktiva Hanse im Gesundheitswesen bleiben an Bord. Ex-Präsident Marc Evermann schied auf eigenen Wunsch aus – und übertrug seine Anteile vollständig an den Stammverein.

Freuen sich auf die Zukunft: Sportdirektor Jogi Bitter (43/r.) und Philipp J. Müller (48)
Sportdirektor Johannes Bitter blickt zurück auf eine Phase voller Unsicherheit: „Ich bin froh, dass die Spekulationen um den Handball Sport Verein damit enden. Wir konnten nicht mit Zwischenständen an die Öffentlichkeit treten, obwohl wir das Ergebnis seit Monaten vor Augen hatten.“ Zur Debatte um mögliche Sanktionen sagt Bitter: „Die Option des Punktabzuges durch die HBL war für uns nur theoretischer Natur. Schließlich waren wir schon die ganze Zeit dabei, das Problem zu lösen.“

Philipp J. Müller (48/M.) nach dem HSV-Sieg gegen Eisenach mit den Trainern Torsten Jansen (48/r.) und Blazenko Lackovic (44)
Hüneburg macht deutlich, wem der Verein diesen Neuanfang verdankt: „Ich bin stolz, verkünden zu können, dass wir über zehn Millionen Euro als Verbindlichkeiten abgebaut haben. Damit sind die Eigenkapitalrichtlinien der HBL nunmehr erfüllt. Die Gesellschafter sind meinen Vorschlägen zur strukturierten Sanierung gefolgt. Philipp J. Müller hat die Konsolidierung in jedem einzelnen Schritt vertrauensvoll mitgetragen und sein Engagement immer wieder übertroffen.“
Auch Bitter richtet den Blick nach vorn: „Das Ergebnis all unserer Bemühungen ist das Fundament für eine erfolgreiche Zukunft. Alle haben jetzt mehr Klarheit und Sicherheit. Die Neustrukturierung ist ein Ansporn, den Verein in allen Bereichen weiter zu professionalisieren und wirtschaftlich zu stärken.“


