Wer dieses Spiel nicht gesehen hat, hat einen echten Handball-Kracher verpasst. Mehr Werbung für diesen Sport geht nicht. Das Duell Vizemeister gegen Meister vor 9000 Fans (ausverkauft) in der Berliner Max-Schmeling-Halle endet 31:31 (23:17).

Die Meisteransage der Berliner bleibt aus, weil wieder einmal die zweite Halbzeit in die Hose geht. Welthandballer Mathias Gidsel bei Dyn: „Wir verlieren die ganze Kontrolle in der zweiten Halbzeit. Sie sind eine der besten Mannschaften der Welt. Aber natürlich: Wir sind enttäuscht. Die Bilder nach Abpfiff sagen alles: Magdeburg jubelt, wir sind enttäuscht.“

Bei 13 Toren Vorsprung!Flensburgs Trainer dreht in Auszeit durch

Quelle: DYN

Dabei legen die Füchse eine unglaubliche erste Halbzeit aufs Parkett. Beeindrucken den SC Magdeburg mit fast 90 Prozent Trefferquote. Mit Express-Handball auf höchstem Niveau sind die Berliner nach 18 Minuten das erste Mal mit drei Toren vor (13:10) und bauen ihren Vorsprung bis zur Halbzeit sogar auf sechs Tore aus (23:17).

Dyn-Experte und Ex-Nationalspieler Bastian Roschek (33) begeistert: „Also ich weiß nicht, wie dass, was die Füchse hier gerade spielen noch besser gehen sollte.“

Bei Magdeburg läuft der Angriff nicht schlecht, auch sie machen 17 Tore, doch hinten haben die Keeper Nikola Portner und Sergey Hernandez keine einzige Parade in der ersten Hälfte. Dazu wird die SCM-Abwehr in der 25. Minute noch schwächer. Denn Defensiv-Chef Christian O’Sullivan (33) sieht nach Gesichtstreffer und Video-Beweis gegen Lasse Andersson glatt Rot.

Teaser-Bild

Foto: BILD

Top, wie ehrlich O’Sullivan bei Dyn in der Halbzeit die Situation einordnet: „Ich versuche natürlich seine Hand mit dem Ball zu treffen, um den Wurf zu verhindern, aber ich treffe ihn im Gesicht. Die Rote Karte geht okay.“

Die Füchse spielen sich in den ersten 30 Minuten in einen wahren Torrausch. Mathias Gidsel, Nils Lichtlein und Lasse Andersson begeistern dazu mit einer unglaublichen Passgeschwindigkeit. Lichtlein: „Ja, das war ganz gut, aber dafür ist unser Rückzug noch ausbaufähig. 17 Gegentore sind schon wieder zu viel.“

Die beiden Trainer, Jaron Siewert (Füchse) und Bennet Wiegert (SCM), mit ähnlicher Taktik. Mathias Gidsel attackiert Magdeburgs Kreisläufer Magnus Saugstrup und SCM-Star Gisli Kristjansson bearbeitet im 1-gegen-1 Füchse-Kreisläufer Mijajlo Marsenic. Die Idee ist klar – Zwei-Minuten-Strafen produzieren. Klappt zunächst für Gidsel besser. Nach 23 Minuten hat sich Saugstrup schon zwei davon abgeholt.

Verkehrte Welt in der zweiten Hälfte. Magdeburg kommt besser aus der Kabine, weil Torhüter Sergey Hernandez ab der 36. endlich seine ersten vier Paraden zeigt. Der SCM mit einem 7:2-Lauf. Plötzlich nur noch 25:24 (40.) für die Füchse. In der 45. Minute sogar der Ausgleich zum 27:27. Magdeburg jetzt mit viel mehr Energie und Intensität in der Defensive, dazu mit einem hinten wie vorne überragenden Saugstrup.

Vier Minuten vor dem Ende kann Fabian Wiede (30) alles klarmachen, verknallt aber einen Konter, Hernandez mit Mega-Parade. Es bleibt beim 31:30. Die ganze Halle steht. Auch Gidsel (insgesamt elf Tore) verwirft seine Chance. Bergendahl trifft für den SCM zum 31:31. Lichtlein bekommt acht Sekunden vor dem Ende ein Stürmerfoul. Was für ein Krimi!

Wiegert in der letzten Auszeit: „Wir gehen auf Sieg, wir spielen nicht auf Unentschieden.“ Doch die letzte Aktion bringt Gisli Kristjansson nicht im Tor unter, es bleibt beim 31:31. Magdeburgs Hernandez: „Ich bin ein bisschen enttäuscht über mich selbst, aber ich bin ganz zufrieden mit dem Kampf, den ich mir dann selbst geliefert habe.“

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