In der Daikin Handball-Bundesliga steht der Nordklub, der für viele der Titelfavorit Nummer 1 war vor der Saison, mit sechs Punkten Rückstand auf Melsungen nur auf Platz 5. Zuletzt war die SG beim 31:36 im Spitzenspiel bei den Füchsen Berlin chancenlos. Am Dienstag steht das wichtige Euro-Spiel in Toulouse auf dem Programm (18.45 Uhr/live bei Dyn/Anzeige).
Jetzt gibt es neuen Ärger bei der SG. Im Mittelpunkt: Star-Spielmacher Jim Gottfridsson und Ex-Trainer Nicolej Krickau.
Dass der Schwede und sein dänischer Trainer keine guten Freunde waren, war schon länger ein offenes Geheimnis. In der neuen Ausgabe des Magazins „Bock auf Handball“ stellt Gottfridsson dar, warum er im Sommer Flensburg nach zwölf Jahren verlässt und zu Pick Szeged nach Ungarn wechselt – und welche Rolle aus seiner Sicht Krickau dabei spielte.
Gottfridsson: „Ich hatte mit der Vereinsführung tatsächlich gute Gespräche über eine Vertragsverlängerung. Aber in den Gesprächen mit unserem damaligen Trainer Nicolej Krickau habe ich schnell gemerkt, dass er nicht mehr stark auf mich setzt.“
Handball: Ärger bei der SG Flensburg-Handewitt zwischen Jim Gottfridsson und Ex-Trainer Nicolej Krickau
Zur Einordnung: Der Schwede ist in Flensburg eine Institution, gilt bis heute als einer der besten Spielmacher der Welt. Er gewann mit der SG zwei Meistertitel (2017 und 2018), den DHB-Pokal (2015) und die European League, war 2021 HBL-MVP und Zweiter bei der Wahl zum Handballer des Jahres.
Trotzdem sägte Krickau ihn seiner Wahrnehmung nach ab: „Dann kam ein neuer Trainer (Krickau, Anm. d. Red.), und er wollte natürlich seine Ideen umsetzen und Eindruck machen. Da hatte ich immer das Gefühl, dass er am Ende sein eigenes Ding macht. {…} Irgendwann stellt sich dann für mich die Frage: Warum soll ich meine Ideen einbringen, wenn am Ende sowieso nur seine eigenen umgesetzt werden? Dann verliert man irgendwann die Motivation, viel zu investieren. Das fühlt sich dann irgendwie sinnlos an.“
Er wäre eigentlich noch gerne geblieben, sagt Gottfridsson: „Aber ich will auch weiterhin Spaß an der Arbeit haben. Und es macht keinen Spaß, durch ganz Deutschland zu fahren und nur acht Minuten zu spielen. Das ist einfach nicht mehr erfüllend.“
Klare Worte, die sein Ex-Trainer nicht lange auf sich sitzen ließ. Krickau reagiert gegenüber „TV2“ in Dänemark mit einer inhaltlich brutalen Breitseite gegen Gottfridsson: „Jim war es gewohnt, die ganze Zeit zu spielen und alle Entscheidungen zu treffen und ich dachte nicht, dass er die Fähigkeiten hatte, das auf dem von mir gewünschten Niveau zu tun. Deshalb ist es richtig, dass ich ihm einen Teil der Verantwortung abgenommen habe. Dazu stehe ich hundertprozentig und würde es wieder tun.“
Kuriose HBL-Szene: Plötzlich greift der Trainer ein
Nichts weniger als eine schallende Ohrfeige für den Schweden, auch wenn Krickau betont, das Verhältnis der beiden wäre gut: „Ich habe nur einen engagierten Jim erlebt, der immer seinen Mann steht und der sich sicherlich daran gewöhnen musste, dass es auch andere Realitäten gibt als seine. Das ist für alle schwierig. Aber ich habe noch keinen Spieler gesehen, der nicht versucht hat, es zu schaffen.“
Eins ist klar: Das – in jedem Fall sportlich – zerrüttete Verhältnis hat dazu geführt, dass bald beide nicht mehr da sind. Gottfridsson greift in Szeged neu an, Krickau wurde gefeuert und durch Ales Pajovic ersetzt.


