Wenn David Späth (23) einen Ball hält, folgt ein lauter Schrei. Fäuste hoch, Emotionen raus. Bei Andreas Wolff (34) läuft es genauso. Parade, Blick nach vorn, Brüllen. Der Ablauf – identisch, die Wirkung auch.

Zwei Torhüter, die ihre Freude hinausschreien – und deren Leistungen genauso ein Brüller sind. Sie sollen unseren Handballern bei der EM 2026 in Dänemark, Schweden und Norwegen (ab 15.1.) die Medaille festhalten.

Am Donnerstag gewann die DHB-Auswahl bei Vize-Weltmeister Kroatien (32:29). Basis dafür: ein überragender David Späth. 14 Paraden, 14-mal maximale Emotionen. Am Sonntag (18.05 Uhr, ARD und Dyn) folgt in Hannover der letzte EM-Test, erneut gegen Kroatien.

Foto: BILD

Die Rollen im Tor sind klar – und doch besonders: Wolff ist die Nr. 1, seit Jahren Weltklasse, Späth ist der Herausforderer auf Augenhöhe. Zusammen bilden sie ein Gespann, das Spiele entscheiden kann – und muss!

Dass beide dazu in der Lage sind, zeigen die Leistungen in der Bundesliga: Wolff pariert 30,38 Prozent der Würfe, Spät, 30,09 Prozent (je 192 Paraden).

Auffälliger noch ist ihre Physis: Wolff misst 1,98 Meter, bringt 110 Kilo auf die Waage. Späth ist mit 2,00 Metern minimal größer und mit 109 Kilo minimal leichter. Zwei Torwart-Typen, die auffallen.

Wolff ist der Team-Älteste, seit Jahren Weltklasse, Späth einer der Jüngsten und einer von sechs U21-Weltmeistern von 2023. Und doch verbindet sie der kompromisslose Wille, Spiele zu gewinnen.

Späth zu BILD am Sonntag: „Andi und ich sind in der Hinsicht wirklich ähnliche Typen. Wir wollen um jeden Preis gewinnen, für uns zählt an erster Stelle der Sieg, da unterstützen wir uns einfach sehr gut.“

Und weiter: „Egal, wer von uns auf der Platte steht, der andere unterstützt ihn, damit wir erfolgreich sind. Ich freue mich über seine Paraden so, als würde ich sie machen. Und andersrum genauso.“

Während der Spiele tauschen sich David Späth (l.) und Andreas Wolff aus und geben sich gegenseitig Tipps

Während der Spiele tauschen sich David Späth (l.) und Andreas Wolff aus und geben sich gegenseitig Tipps

Foto: picture alliance / SvenSimon

Beide ballen nach Paraden die Fäuste, suchen das Wechselspiel mit Fans und Kollegen, schreien ihre Freude heraus. Gegner spüren das, werden verunsichert, verlieren den Rhythmus. Für Späth ist das Teil seines Spiels: „Ich habe so für mich einen Weg gefunden, mit den Emotionen klarzukommen. Ich weiß, manche mögen es nicht, aber ich bin so.“

Und auch deshalb ist er so erfolgreich. U21-Weltmeister 2023, kurz danach Debüt in der Nationalmannschaft. Olympia-Silber 2024. Wolff über Späth zu BILD am Sonntag: „Mit ihm ein Gespann zu bilden, macht Spaß. Ich bin der festen Überzeugung, dass David irgendwann der beste Torwart der Welt sein wird.“

Bundestrainer Alfred Gíslason (66) weiß, was er an beiden hat: „Es gab in den vergangenen zwei Jahren kein Spiel, in dem beide einen schlechten Tag hatten. Einer war immer auf Top-Niveau.“ Und: „Andi gehört seit zehn Jahren zu den besten Torhütern der Welt, extrem wichtig für uns. David hat sich seit der Jugend kontinuierlich verbessert. Aus einem Riesen-Talent ist ein Weltklasse-Torhüter geworden. Er ist auf Andis Spuren.“

Wolff wurde 2016 Europameister und gewann Olympia-Bronze sowie 2024 Silber bei den Spielen in Paris. Sein Ziel für die EM: „Wenn ich an einem Turnier teilnehme, dann mit dem Ziel, es zu gewinnen. Ich bin überzeugt, dass wir eine Mannschaft haben, die – wenn sie am Limit spielt – sich eine Medaille zum Ziel setzen darf.“

Wolff und Späth – zwei Torhüter, die schreien, wenn sie Bälle halten, und deren Leistungen der Brüller sind.

ttn-36