In der Daikin Handball-Bundesliga weht inzwischen ein rauer Wind. Das Kellerduell zwischen dem VfL Potsdam und dem HC Erlangen vor 2075 Fans in der Potsdamer MBS-Arena gewinnen die besseren Boxkämpfer.
Der Tabellen-Vorletzte Erlangen ringt den Tabellenletzten Potsdam 26:23 (12:10) nieder. Und fährt endlich den ersten Sieg im Jahr 2025 ein.
Ab durch die Mitte!: Irrer Raketen-Pass von Knorr
Das Spiel hat wenig Tore, dafür viel Klopperei. In den Abwehrreihen wird an den Trikots zugepackt wie beim Judo. Schon nach drei Minuten (!) zerreißt das erste Jersey. Erlangens Marek Nissen (24) muss runter und an der Bank ein neues Trikot anziehen. Und nach sechs Minuten holt sich genau dieser Nissen die erste Rote Karte des Spiels ab.
Schock für Potsdam: Die Erlanger Rückraum-Kante haut Max Günther (20) beim Sprungwurf einfach um, der fällt übel erst auf den Rücken und dann unglücklich auf den Kopf. Das sah böse aus. Für den Jüngsten im Potsdamer Team ist die Partie mit starken Kopfschmerzen und kurzem Blackout leider beendet. Er kann mit Gehirnerschütterung nicht mehr weiterspielen, muss medizinisch versorgt werden. Dabei verlängerte das Füchse-Potsdam-Eigengewächs, wurde mit den Berlinern mehrfach Jugendmeister, vor dem Spiel gerade seinen Vertrag beim VfL um ein weiteres Jahr.
Zwei Rote Karten nach 12 Minuten
Zweiter Schock und bitter für Potsdam: Günthers Positions-Ersatz Cyril Akakpo (27) holt sich in der 12. Minute auch glatt Rot ab. Er trifft Erlangens Nikolai Link (35) in einer Abwehr-Aktion im Gesicht. Potsdam hat nun keinen Rechtsaußen mehr und tut sich mit dieser Roten Karte schwerer als die Gäste. Denn die führen schon mit 5 Toren (4:9/20.). Kreisläufer Nicholas Schley (21) muss indessen für Günther und Akakpo aushelfen.
Mit der Brechstange und viel Kampf schaffen die Potsdamer nach 34 Minuten den Ausgleich. Auch dank der tollen Paraden von Keeper Martin Tomosvski (27) – insgesamt 12.
Potsdams Trainer Emir Kurtagic (44) versucht alles, lässt nach 40 Minuten ganz offensiv (3:3-Abwehr) decken, dass Spiel wird nicht schöner, bleibt aber irre spannend.
In der 44. Minute der nächste Boxkampf und der dritte Schock für Potsdam. Erlangens Nikolai Link (schon drei Rote Karten in dieser Saison) streckt Linkshänder Nicolas Paulnsteiner (20) nieder, der blutet stark aus dem Mund, verliert einen Zahn und muss ebenfalls in der Kabine behandelt werden und kommt nicht mehr wieder. Bei Teamarzt Johannes Buitenhuis (35) liegen nun schon zwei Patienten in der Umkleide. Paulnsteiner fährt danach noch ins Krankenhaus.
Das ist zu viel für Potsdam. Nach dem Ausfall von Paulnsteiner zieht Erlangen auf 24:20 (55.) weg. Davon erholt sich der Tabellenletzte (nur ein Sieg gegen Stuttgart) nicht mehr. Erlangen erkämpft so wichtige zwei Punkte gegen den Abstieg. Und feiert endlich wieder einen Sieg, der letzte gelang im November gegen Göppingen.
Erlangen-Trainer Johannes Sellin (34): „Ich bin heute sehr stolz auf die Mannschaft.“


