Wie weit kann Deutschland bei der Weltmeisterschaft kommen? Diese Frage beschäftigt derzeit ganz Fußball-Deutschland. Ex-Nationalspieler Gerald Asamoah (47) traut der Mannschaft von Bundestrainer Julian Nagelsmann (38) einiges zu – sieht den Schlüssel zum Erfolg aber nicht allein in der Qualität des Kaders.
Für den Vize-Weltmeister von 2002 wird ein Faktor bei großen Turnieren häufig unterschätzt: der Teamgeist. „Qualität allein reicht nicht. Wenn die Chemie nicht stimmt, bekommst du Probleme“, erklärt Asamoah gegenüber dem „Merkur“. Der langjährige Schalke-Profi weiß aus eigener Erfahrung, worauf es bei einer Weltmeisterschaft ankommt. „Ein Trainer muss deshalb genau überlegen, welche Charaktere er mitnimmt. Die erfolgreichsten Mannschaften sind meist die, die als Einheit auftreten.“
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Asamoah erinnert an das Sommermärchen
Besonders wichtig seien dabei die Stars, die nicht regelmäßig auf dem Platz stehen. „Vor allem an den Spielern, die nicht spielen, erkennt man einen guten Teamgeist. Wenn Ersatzspieler die Mannschaft antreiben, mitfiebern und ihren Teil zum Erfolg beitragen wollen, dann merkst du, dass etwas entsteht“, sagt Asamoah.
Der frühere Nationalspieler zieht dabei einen Vergleich zur Heim-WM: „So war es bei uns 2006. Grundsätzlich brauchst du Spieler, die Energie geben, die die Stimmung hochhalten und die Mannschaft mitziehen.“
„Mit Wirtz und Musiala haben wir Spieler, die Spiele entscheiden können“
Sportlich sieht der 47-Jährige die größten Stärken der DFB-Elf ganz klar in der Offensive. „Mit Wirtz und Musiala haben wir Spieler, die Spiele entscheiden können. Da sind wir sehr gut aufgestellt“, sagt Asamoah über die beiden Ausnahmekönner, die als Hoffnungsträger der deutschen Mannschaft gelten.
Etwas kritischer blickt er dagegen auf das Mittelfeld. „Ich frage mich manchmal, wie die ideale Struktur im Mittelfeld aussieht“, erklärt der frühere Bundesliga-Profi. Dabei beschäftigt ihn vor allem die Rolle von Joshua Kimmich. „Joshua Kimmich sehe ich beispielsweise sehr stark im Zentrum, der Bundestrainer setzt ihn eher rechts ein. Das sind Entscheidungen, die letztlich der Trainer treffen muss.“
Viertelfinale als realistisches Ziel
Trotz der vorhandenen Qualität sieht Asamoah Deutschland nicht in der absoluten Favoritenrolle. „Die Qualität ist da, aber die Konkurrenz ist enorm stark. Ein Viertelfinale halte ich für realistisch“, sagt Asamoah. Ganz ausschließen möchte er eine Überraschung der DFB-Elf allerdings nicht. „Deutschland ist eine Turniermannschaft. Wenn die Mannschaft ins Rollen kommt, kann auch mehr möglich sein.“
Geht es nach Asamoah, zählen aktuell andere Nationen zu den Top-Favoriten auf den WM-Titel. Vor allem Frankreich und Spanien hebt der Ex-Nationalspieler aufgrund ihrer enormen Qualität hervor. Auch England gehört für ihn mit seinem hochkarätig besetzten Kader zum engsten Kreis der Titelanwärter.
Trotzdem schreibt der 47-Jährige die deutsche Mannschaft keineswegs ab. Seine Botschaft ist klar: Stimmt die Mischung aus Qualität, Teamgeist und Turniermentalität, ist für die DFB-Elf auch bei dieser Weltmeisterschaft einiges möglich.

