Zehn Tage nach dem letzten Spieltag steht nicht fest, wer neben der HSG Konstanz der zweite Absteiger ist.
Das Spiel von TuSEM Essen gegen den Dessau-Roßlauer HV vom 29. Spieltag (27:28 am 27. April) muss nach Essens fristgerechtem Einspruch wegen eines nicht geahndeten Regelverstoßes und dem zweitinstanzlichen Urteil des Bundesgerichts des Deutschen Handballbundes (DHB) vom vergangenen Mittwoch (vier Tage nach letztem Spieltag!) wiederholt werden.
Diese noch nicht neu terminierte Partie entscheidet über die Teilnahme am nächsten DHB-Pokal und über den zweiten Abstiegsplatz. Jetzt reagieren betroffene Vereine.
Dienstagvormittag veröffentlichte der Dessau-Roßlauer HV eine umfangreiche Stellungnahme auf seiner Homepage zum drohenden Wiederholungs-Spiel. Der Klub aus Sachsen-Anhalt ist durch die Annullierung des Spiels in Essen auf Abstiegsplatz 17 abgesackt.
Der Verein teilt mit: „Wir werden alle uns zustehenden Möglichkeiten ausschöpfen, um die sportlichen und wirtschaftlichen Interessen unseres Clubs zu schützen, dies ist unsere Pflicht. Weder TuSEM Essen noch der Dessau-Roßlauer HV 06 tragen Verantwortung für die (zu) späte Entscheidung des Bundesgerichtes.“
Handball-Klubs kündigen Gang zum Gericht an
Nach Informationen von SPORT BILD bereitet auch der ASV Hamm-Westfalen, der durch die Annullierung des betreffenden Spiels auf Nichtabstiegsplatz 16 kletterte, gerichtliche Schritte vor. Sollten Essen und Dessau im Nachholspiel Unentschieden spielen, wäre Hamm als Siebzehnter der zweite Absteiger.
Die Rechtsanwälte des ASV von der Kanzlei Berghoff & Deppenkemper aus Hamm fordern in einem Schreiben an die HBL: „Die einzig interessengerechte Lösung, ist die Aufstockung der 2. Handball-Bundesliga in der Saison 2025/2026 auf 19 Mannschaften und nur einem Absteiger in die 3. Liga aus der Saison 2024/2025.“ Dieser Ansicht ist inzwischen auch ein großer Teil deutscher Profi-Klubs.
Der Dessau-Roßlauer HV kritisiert in seinem Statement auch die Handball-Bundesliga (HBL). HBL-Boss Frank Bohmann hatte vergangenes Wochenende am Rande des Final4 der Champions League in Köln den betroffenen Klubs vorgeworfen, ihre Spieler zu früh in den Urlaub entlassen zu haben. Bohmann sagte am Mikro von Streaming-Dienst Dyn: „Wer in den Urlaub fährt, muss ich sagen, selber schuld.“
Der DRHV dazu deutlich: „Nach Vorstellung der HBL müssten im Grunde beide Clubs den ihren Angestellten für den Zeitraum vom letzten Saisonspiel bis zum 30. Juni wirksam gewährten gesetzlichen Erholungsurlaub vollständig entziehen und die Spieler mit sofortiger Wirkung anweisen, aus dem Urlaub zurückzukehren. Eine solche Verfahrensweise ist schon logistisch im Grunde nicht zu bewältigen. So befinden sich Spieler des Dessau-Roßlauer HV 06 unter anderem in Argentinien und Indonesien. Inwieweit bei diesem Sachverhalt die betroffenen Spieler und wir als Club ‚selbst schuld‘ sind, mögen andere beurteilen.“
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Weiteres Problem ist die am Mittwoch in Polen beginnende U21-Weltmeisterschaft. Von TuSEM Essen ist Felix Göttler, von Dessau Fritz Haake nominiert. Nach Informationen von SPORT BILD gab es den Vorschlag seitens der HBL, die beiden Spieler an einem spielfreien WM-Tag nach Deutschland einfliegen zu lassen, damit sie beim Nachholspiel antreten können.
Dieser verwegene Plan ist nun offenbar vom Tisch. Inzwischen deutet vieles darauf hin, dass das Spiel Essen gegen Dessau am 30. Juni, also dem letzten Tag der vom Bundesgericht vergebenen Frist, ausgetragen werden soll. Die U21-WM endet am 29. Juni.
Der Mega-Zoff übertüncht allerdings das grundsätzliche Problem im deutschen Handball. In der abgelaufenen Saison kam es mehrfach zu Regelverstößen, die vom Personal an den Tischen der Kampfgerichte und den Schiedsrichtern unentdeckt und ungeahndet blieben.
Gerade noch gerettet: Pikanter Versprecher von Handball-Kommentator
Das Schiedsrichter – und Kampfgerichtwesen obliegt dem DHB, der sich dort dringend hinterfragen und vor allem verbessern muss. Ohne diese Fehler gäbe es den aktuellen Zoff nicht.
Die HBL ist gut beraten, die in ihrer eigenen Rechtsordnung festgelegte Fristenregelung zu überdenken und eventuell neu zu formulieren. Solange das nicht geschieht, ist eine 2. Liga mit 19 Klubs in der kommenden Saison wahrscheinlich die einzige Lösung, um einen weiteren Gesichtsverlust und monatelange Streits vor Gericht zu vermeiden.



