Er wusste, wo das Tor steht.
Kevin Kuranyi (43) traf in 132 Spielen für den VfB Stuttgart 57-mal, erzielte zudem in 209 Partien für Schalke insgesamt 87 Treffer. Für die deutsche Nationalmannschaft war er in 52 Spielen 19-mal erfolgreich. In SPORT BILD spricht der ehemalige Angreifer über die deutsche „Stürmer-Krise“ und verrät eine verrückte Schalke-Anekdote.
Herr Kuranyi, Nick Woltemade traf gegen Nordirland erstmals für die A-Nationalmannschaft, beendete die Negativ-Serie von 528 Minuten ohne DFB-Mittelstürmertor – ist er Deutschlands einziger Hoffnungsschimmer vorne drin?
Kevin Kuranyi (43): Nick ist auf einem sehr guten Weg zum internationalen Top-Stürmer. Bei der Nationalmannschaft liegt trotz der zwei Siege gegen schwächere Gegner einiges im Argen.
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Was konkret?
Wir haben eine Stürmer-Krise! Es gibt zwar einige Jungs mit Qualität, aber wir laufen der Weltspitze schon ein wenig hinterher. Das gilt auch für alle anderen Mannschaftsteile.
Florian Wirtz ist als teuerster deutscher Spieler für 140 Millionen von Leverkusen nach Liverpool gewechselt, Bayerns Jamal Musiala gilt ebenfalls als internationaler Topstar. Sind wir wirklich so schlecht?
Wirtz und Musiala sind zwei Weltklasse-Spieler. Bitte nicht falsch verstehen: Wir haben auch sonst gute Jungs. Aber insgesamt können wir aktuell nicht mit Top-Nationen wie Frankreich oder Spanien mithalten.
Woran liegt das?
Beim Nachwuchs und bei den Profis ist modernste Technik im Einsatz. Aber es gibt zu wenige Leute in den Trainer-Stäben, die aus der Praxis kommen.
Sind zu viele Theoretiker am Werk?
Es gibt einige Trainer, Analytiker und Scouts, die gerne über den Fußball reden, aber selbst keine praktische Erfahrung haben. Natürlich kann man trotzdem ein guter Trainer sein. Dennoch wären mehr Ex-Profis in den Trainerteams wichtig, die bestimmte Situationen auf dem Feld und in der Kabine schon selbst erlebt haben. Das ist auf der spielerischen und auch auf der mentalen Ebene wertvoll. Wenn große, ehemalige Spieler dir als Trainer von ihren Erfahrungen berichten oder auch mal eine lustige Anekdote erzählen, bringt dir das als Spieler mehr als die zehnte Videosequenz einer verunglückten Flanke.

Kevin Kuranyi spielte in Deutschland für Stuttgart, Schalke und Hoffenheim
Welche Anekdote aus ihrer Karriere würde eine Kabine am meisten fesseln?
Nun, es ist jetzt keine, die dazu dient, einen Fußballer zu verbessern, aber es gibt eine lustige Geschichte aus meiner Zeit auf Schalke. Wir spielten 2008 in der Champions-League-Quali bei Atlético Madrid mit Stürmer Kun Agüero. Dessen leider schon verstorbener Schwiegervater Diego Maradona saß an dem Abend auf der Tribüne. Als wir vom Aufwärmen in die Kabine liefen, rief mich Maradona zu sich und fragte, ob er für seinen Kumpel ein Foto mit mir machen dürfte. Ich war total perplex, machte es natürlich gerne. Als ich in die Kabine kam, stürmten meine Kollegen auf mich zu und wollten wissen, warum Maradona ein Foto mit mir machen wollte. Vor allem die Südamerikaner Rafinha und Marcelo Bordon waren total aus dem Häuschen. Ich habe anschließend eines der schlechtesten Spiele meiner Karriere gemacht. Weil ich immer wieder an diesen verrückten, magischen Moment denken musste.
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War Maradona Ihr größtes Idol?
Er war für jeden Fußballer ein Vorbild. Aber das Idol meiner Kindheit in Brasilien war Romario. Heute sind wir befreundet und er hat mich neulich zum Kicken mit seinen Freunden eingeladen.
Zu welchen Weltstars haben Sie noch Kontakt?
Geschäftlich mit einigen. Aber es kommen auch ständig welche dazu. Ein guter Freund hat eine Agentur, die ehemalige Top-Fußballer für Veranstaltungen vermittelt. Da helfe ich mit meinen Kontakten. Wir haben zuletzt ein Promi-Spiel für den Fußball-Verband Usbekistans organisiert – u.a. mit Fabio Cannavaro, Robert Pires, Roberto Carlos und Claude Makelele.


