Mensch, mit wem fange ich jetzt an?
Also, erst mal mit Dir, lieber Kingsley Coman.
Jetzt, wo jeder halbwegs ausgeschlafene Berater oder Transferexperte weiß, dass Du zum Verkauf anstehst, fiel besonders auf, dass Du das 1:0 gegen Auckland geköpft hast. Da spielt es keine Rolle, dass es am Ende 10:0 stand. Dieses 1:0 war ein Kopfballtor von Deiner besten Seite. Eines wie im Champions-League-Finale 2020 gegen Paris Saint-Germain. Das weckte Erinnerungen an den 1:0-Sieg.
Und dann hast Du gleich noch Deine andere Seite gezeigt. Das 4:0 von der linken Seite. Einem satten Schuss mit links. Das haben Deine Interessenten in Saudi-Arabien sehr wohl registriert. Doch nicht nur die. Die ganze Welt hat hingeschaut bei diesem fulminanten Start in die Klub-WM. Natürlich auch Vincent Kompany, der eigene Trainer. Und Max Eberl, der Sportchef. Und Uli Hoeneß, der Patron. Sie könnten nachdenklich werden. Zumal Du Dich in den acht Jahren bei Bayern München fast immer vorbildlich verhalten hast, als Franzose schnell die deutsche/bayerische Sprache gelernt hast. Irgendwie gehörst Du zum Vereins-Inventar, fast ein bisschen wie Thomas Müller.
Und jetzt zu Dir. lieber Jamal Musiala,
Du hast sicherlich immer wieder in Deinen Körper hineingehört, sicherlich spielte die Angst mit, als Du nach sechswöchiger Pause in der 61. Minute eingelaufen bist mit dem auskurierten Muskelbündelriss. Dennoch hat man Nullkommanull von Deinen Restzweifeln gespürt. So viel Freude war wieder in Deinem Spiel. Was so viel hoffen lässt für die neue Saison. Für den erneuten Anlauf auf die Champions-League. Ohne Deine drei Tore zu hoch zu hängen – es war einfach ein Genuss.
Dennoch kommen schwierige Wochen auf Dich zu. Wochen der Entscheidung. Wenn Leroy Sané zu Galatasaray Istanbul wechselt, wird Deine geliebte Rückennummer 10 frei. Die Nummer, die Du verehrst, seitdem Lionel Messi Fußball spielt. Die Nummer, die der große Pelé trug, Diego Maradona, Zinédine Zidane, Lothar Matthäus. Die 10 des Spielmachers, des Chefs.
Hattrick in 16 Minuten: Musiala feiert Super-Comeback
Schön und gut. Doch Deine Nummer 42, die einem Zufall entspringt, ist zum Markenzeichen geworden. Weltweit mittlerweile. Wo die 42 auftaucht, ist Musiala drin. Weltweit. Genauso wie bei Johan Cruyff, bei dem die 14 zum Symbol der holländischen Fußball-Kultur wurde.
Für Deine Familie, für Deine Berater. Für die Bayern und vor allem für Dich ist das eine schwierige Entscheidung. 42 oder 10? Das ist vielleicht schwieriger zu lösen, als fünf Mann hintereinander auszudribbeln.
Bundestrainer Julian Nagelsmann hat Dir in den Länderspielen zuletzt die 10 gegeben. Eine kluge Entscheidung, die jedoch auch zur Last werden kann.
Sei einfach ein wenig stolz drauf, dass Du die Qual der Wahl hast. Wie wäre es mit würfeln? Nein. Die Entscheidung muss in Deinem Kopf reifen. Ich ahne schon, wie sie ausfällt. Die ZEHN. Oder?

