In der Easycredit Basketball Bundesliga haben die Veolia Towers Hamburg den Bann gebrochen. Nach 24 (!) Pflichtspiel-Pleiten gewannen sie am Sonntag im Weihnachtsspiel in der großen Barclays Arena überraschend mit 99:80 gegen Alba Berlin.
Im EuroCup müssen die Türme weiter auf den ersten Saisonsieg warten …
Zurück in ihrem Wohnzimmer auf der Elbinsel Wilhelmsburg verloren sie nach einem irren Krimi mit 89:92 (39:47) gegen den zehnmaligen griechischen Meister Aris Thessaloniki. Aber: SO NAH waren die Hamburger diese Saison im zweithöchsten europäischen Wettbewerb noch nie an einem Sieg! Vier Sekunden vor Schluss verwandelte Aris die entscheidenden Freiwürfe.
„Wenn wir so weitermachen, werden wir ganz sicher Spiele gewinnen, auch in diesem Wettbewerb“, sagte Trainer Benka Barloschky (37).
Wegen der sehr aktiven Ultra-Szene von Aris und einer Fan-Freundschaft zu den Fußballern von Borussia Dortmund war die Partie im Vorfeld zum Hochsicherheitsspiel erklärt worden. Mit mehr Polizei in und um die Arena, schärferen Kontrollen, Taschenverbot und getrennten Eingängen.
Die rund 1000 Schwarz-Gelben unter den 2651 Zuschauern im Inselpark hatten mit ihrem stabilen Support die Stimmhoheit. Und ließen nach dem ersten Sprungball eine Konfetti-Wolke fliegen. Nach nur fünf Sekunden musste darum schon wieder unterbrochen werden, um die gelben Schnipsel vom Hallenboden zu fegen …
Als es vier Minuten später richtig losging, wirkten die Hamburger, bei denen neben dem frisch am Finger operierten Osaro Rich (27) überraschend auch Niklas Wimberg (29/muskuläre Beschwerden) fehlte, beeindruckt. Ihre ersten fünf Angriffe verpufften. Doch dann kamen sie besser rein – und führten kurz vor Ende des ersten Viertels sogar mit 27:20! Der Aris-Orkan wurde lauter. Und mit einem 10:2-Lauf holte sich der Tabellen-Siebte der griechischen Liga die Führung zurück. Nach einer anständigen ersten Hälfte der Türme stand es dennoch 39:47. Ein Grund dafür: 11 Ballverluste in den ersten 20 Minuten.
Auch nach der Pause blieb Aris vorn. Die Türme bissen sich jedoch fest und ließen sich nie wirklich abschütteln, rannten mutig in den gelbschwarzen Gegenwind – und erkämpften sich mit Tempo und Einsatz in der 29. Minute sogar wieder die Führung (64:63).
Von da an war es ein Krimi. Häufige Führungswechsel! Hitzige Szenen! Ohrenbetäubende Gesänge! 11 Sekunden vor Schluss glich Youngster Jared Grey (20) mit zwei Freiwürfen aus – 89:89! Aber es reichte nicht. Neuzugang Ross Williams (25) verpasste mit dem letzten Wurf den Ausgleich.
„Dass er den Wurf nimmt, zeigt sein Herz und seinen Charakter“, tröstete Barloschky.
Bester Hamburger war Devon Daniels (27), der mit 25 Punkten sein bestes Spiel für die Towers machte. Die Nachverpflichtung: „Wir fangen an, als Team Lösungen zu finden. Wir sind sehr verbunden, haben in der Offense einen guten Flow.“
Vor Weihnachten steht nun in der Easycredit BBL noch das erste Abstiegs-Endspiel der Saison an. Am vierten Advent geht es zu den ebenfalls kriselnden MLP Academics Heidelberg (15 Uhr, live Dyn). Barloschky: „Wir spielen gerade guten Basketball. Natürlich machen wir Fehler, das gehört dazu. Aber jeder Fehler ist eine Chance, zu wachsen. Im Moment machen wir sehr, sehr große Fortschritte.“
Wie geht das denn?: Basketballerin trifft Wurf ihres Lebens
Ulmer Auswärtssieg macht den Trainer stolz
In der BBL Niederlagen-Serie hat Ratiopharm Ulm den Absturz gestoppt. Und auch im EuroCup hat der Vizemeister seine Negativ-Serie beendet. Nach vier Pleiten gewannen die Ulmer in Gruppe B bei Schlusslicht Panionios Athen mit 94:69 und halten Kontakt zu den Play-In-Plätzen.
Top-Scorer Chris Ledlum (24) gab nach einem Monat Verletzungspause sein Comeback. Bester Mann war Mark Smith (26) mit 21 Punkten.
Headcoach Ty Harrelson (45): „Ich bin sehr stolz auf meine Mannschaft heute. Wir haben von Beginn an das Tempo bestimmt und waren über das gesamte Spiel dominant. Auch in der zweiten Halbzeit haben wir den Fokus hochgehalten und nicht nachgegeben. Wir waren schon oft genug auf der anderen Seite in dieser EuroCup-Saison, daher tut es besonders gut, nach solch harter Arbeit einen Sieg in dieser Höhe feiern zu dürfen.“


