Wenn es danach geht, könnte er sein Handy bald kaum noch in der Hand halten – denn schon zum Start gibt es richtig Zoff.
„Wir brauchen keinen Thomas Tuchel, sondern einen Patrioten, für den das Land an erster, zweiter und dritter Stelle steht,“ ätzte die „Daily Mail“, kurz nachdem der englische Verband am 16. Oktober 2024 bekannt gegeben hatte, dass Tuchel Nationalcoach wird.
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Im Februar warf die „Times“ dem Deutschen vor, er würde zu oft von München aus arbeiten und gehe zu weit weniger Spielen als Vorgänger Gareth Southgate (54), der pro Woche mit seinem Team bis zu fünf Partien live im Stadion sah. Auf diesen Wert kommt Tuchel tatsächlich nicht.
Wahr ist aber auch: Tuchel sah in seinen ersten zehn Wochen im Amt 23 Spiele live. Dabei reiste er u. a. auch zu Kyle Walker (34/AC Mailand) nach Italien und konnte so jeden der 26 Spieler, die er jetzt einlud, mindestens einmal vor Ort sehen. In München soll er dagegen nur dreimal gewesen sein, um seine beiden Töchter aus der Ehe mit Ex-Frau Sissi zu besuchen.
Ansonsten lebt Tuchel in London, ist meist von Montag bis Donnerstag in der Verbandszentrale St. George’s Park in der Nähe von Birmingham. Er telefonierte zudem mindestens einmal mit allen 55 Spielern seiner erweiterten Kaderliste. „Ich kann den Sinn der Story nicht ganz verstehen“, sagt Tuchel über die Vorwürfe der „Times“.
Aber er weiß um die genaue Beobachtung seiner Arbeit. Als ihn auf der Pressekonferenz seiner ersten Kadernominierung eine ARD-Reporterin fragt, ob er eine Antwort auf Englisch und Deutsch geben könne, lehnte er ab: „Ich würde gerne nur auf Englisch antworten – aus Respekt, wo wir sind und gegenüber all den anderen.“
Die Zeit drängt. Nur sechs Abstellungsperioden und insgesamt rund 60 Tage hat Tuchel die Mannschaft bis zur WM 2026 zusammen. Wie die Hierarchie hinter Kapitän Harry Kane (31) geregelt ist, ist noch weitgehend offen.
Ex-Nationalspieler und CBS-Experte Jamie Carragher (47) legt Tuchel Real-Superstar Jude Bellingham (21) ans Herz, sagt zu SPORT BILD: „Ich denke, dass er dafür bereit ist. Die Mannschaft ist jetzt seine und nicht mehr Harry Kanes wie unter Southgate. Da wurde das Team um Kane aufgebaut. Bellingham ist jetzt der klare Star. Er spielt beim größten Klub der Welt. Ich traue es ihm zu, dass er England zum Titel im größten Wettbewerb führt.“
Am Ende hilft Tuchel nur eins: Spiele gewinnen. Sonst wird er sein Handy bald weit weglegen können.

