SPORT BILD: Herr Zoff, das Nations-League-Viertelfinale zwischen Italien und Deutschland steht an. An welche großen Duelle denken Sie dabei?
Dino Zoff (83): An das Halbfinale bei der WM 1970 in Mexiko, das Italien 4:3 (nach Verlängerung; d. Red.) gewann – ein Jahrhundertspiel. Oder das WM-Finale 1982, als wir 3:1 siegten. Meistens hatten wir gegen euch das bessere Ende und mussten nicht leiden … (lacht)
Wie auch 2006. Italien gewann das Halbfinale 2:0 n. V. und wurde im Finale gegen Frankreich zum vierten Mal Weltmeister …
Richtig. Und dennoch haben wir den größten Respekt vor Deutschland. Es ist wie Italien eine ganz große Fußball-Nation. Auch dieses Mal wird es schwierig für uns, weil Deutschland seriös und mit viel Fantasie spielt, eine junge, tolle Mannschaft mit herausragenden Spielern wie Jamal Musiala oder Florian Wirtz (fällt verletzungsbedingt aus) hat. Und es treffen auch dieses Mal zwei unterschiedliche Fußball-Philosophien aufeinander.
DFB-Star privat wie nie: Plötzlich ruft dieser Superstar an
Weil Italien für eine defensive Spielweise steht.
Ja.
Verstehen Sie, dass Bayerns Manuel Neuer seit der EM 2024 nicht mehr für Deutschland spielt und der DFB langfristig auf Marc-André ter Stegen vom FC Barcelona setzt?
Ich kann verstehen, dass ab einem gewissen Zeitpunkt auf jüngere Spieler gesetzt wird. Trotzdem bin ich der Meinung: Nicht das Alter ist entscheidend, sondern die Leistung. Und ein gesunder Manuel Neuer ist für mich nach wie vor ein herausragender Keeper. Er hat das Torwart-Spiel über Jahre geprägt, ist komplett.
Neuer ist 38 Jahre alt. Wie viele Jahre trauen Sie ihm noch auf Top-Niveau zu?
Es kommt auf seine Physis an und wie viel Spaß er am Fußball hat. Aber ich denke, dass er das Zeug hat, noch mit 40 oder 41 Jahren auf höchstem Niveau zu spielen.

Torwart-Handschuh-Experte Christoph Nowak (l.) von POPE diskutiert mit Dino Zoff (83) über die neue Handschuh-Generation. Der Weltmeister von 1982 findet den Schaum der heutigen Handschuhe zu dick
Sie wurden 1982 mit 40 Jahren Weltmeister. Was waren die Gründe, dass Sie immer noch in Topform waren?
Ich habe erstens gute Gene. Zweitens war ich selten verletzt. Hinzu kommt die Einstellung, diszipliniert für den Sport zu leben.
Wer sind für Sie die fünf besten Torhüter aller Zeiten?
Ich nenne sechs: den Russen Lev Yashin, den Engländer Gordon Banks, der mein großes Idol in der Kindheit war. Sepp Maier, Dino Zoff, Gianluigi Buffon und Neuer.
Italiens Nummer eins ist Gianluigi Donnarumma von Paris St-Germain. Kann er eine ähnlich große Karriere wie Buffon oder Sie hinlegen?
Er ist ein ausgezeichneter Torhüter, weil er ein Mann geworden ist. Er bricht nicht mehr zusammen, wenn er mal einen Fehler macht. Er lernt aus solchen Phasen. Er wird immer besser und steht vor einer großen Zukunft.
Wie schätzen Sie die italienische Mannschaft ein?
Es ist eine teilweise noch junge und spannende Mannschaft. Angefangen von Donnarumma über Mittelfeldspieler Nicolò Barella bis zu Stürmer Mateo Retegui.

