„Meine Bayern“ heißt die Kolumne von SPORT BILD-Reporter-Legende Raimund Hinko, die sich mit dem deutschen Rekordmeister befasst. Hinko begleitet den FC Bayern seit Jahrzehnten.
Lieber Bayern-Dusel,
es ist erst zwei Wochen her, da warst Du an dieser Stelle das Thema, weil Du die Bayern verlassen hast. Mit dem Unterton, dass es kein Unglück ist, weil der FCB so gut ist, so überlegen, so siegessicher, dass er Dich, den sprichwörtlichen Dusel, der ihn jahrelang treu begleitet hat, gar nicht mehr nötig hat.
Und nun urplötzlich nach der 1:2-Heimniederlage gegen Augsburg und vor allem nach dem 2:2 beim HSV ist man geneigt zu rufen: Lieber Dusel, bitte kehr zurück! So schnell wie möglich. Sonst geht alles den Bach runter: die Meisterschaft, der DFB-Pokal, die Champions League.
Dusel, wo hast Du Dich nur versteckt? Wo bist Du denn verschwunden in Hamburg, als Schiedsrichter Harm Osmers gegen Ende des Spiels zweimal einen durchaus berechtigten Elfmeter-Pfiff verweigerte? Warst Du vielleicht versumpft auf der Reeperbahn in St. Pauli?
Niemand hätte auch nur einen Cent drauf gewettet, dass Hoffenheim (Tabellendritter, verrückt!) am kommenden Sonntag in der Allianz-Arena bis auf sechs Punkte an die Bayern ran rücken kann, wo doch die Dortmunder mit nur noch sechs Punkten – die lagen doch schon mal Lichtjahre zurück – schon verdammt nah dran sind. Ja, lieber Dusel – irgendwie hast Du zuletzt die Seiten gewechselt, hattest ein schwarzgelbes Trikot an. Wie zuletzt beim glücklichen 3:2 gegen den Tabellenletzten Heidenheim.
Es ist ja nicht nur so, dass nächste Woche die Leipziger nach München kommen mit der Absicht, die Bayern aus dem DFB-Pokal zu werfen. Es kann noch viel schlimmer kommen für den Rekordmeister im Februar. In der Bundesliga sind die Bremer und die Frankfurter heiß, motiviert von neuen Trainern, mit diesem einen Spiel ihr Image zu verbessern, die Welt wieder zurechtzurücken, wie das zuletzt den Außenseitern Augsburg und dem HSV gelang. Und zum Abschluss des Monats geht es nach Dortmund. Der BVB könnte dann erstmals wieder Tabellenführer sein, wenn Du, lieber Dusel ein bisschen mithilfst. Etwas, das undenkbar schien.
Oh jeh, ist denn für Bayern schon alles vorbei?
Natürlich nicht. Denn was mir da gerade durch den Kopf geht, ist vielleicht zu viel der Schwarzmalerei. Dazu sind die Bayern einfach zu gut besetzt. Ich denke jetzt nicht nur an die Zauberer wie Michael Olise und Jamal Musiala, an den Tore-Magier Harry Kane. Selbst ein Alphonso Davies ist nach auskuriertem Kreuzbandriss an einem nicht so guten Tag in der Lage, mit einem Tempo von 35,11 km/h den Ball von der Linie zu kratzen, mit so viel Wucht, dass er beinahe das Hamburger Tor mitriss. Oder man genießt Luis Diaz, der den Ball so schnell von links auf rechts legen kann, dass die Verteidiger schwindlig werden, wie beim Führungstor in Hamburg zum 2:1.
Doch sieben Spiele in 20 Tagen – das ist auch für die Bayern zu viel. Vor allem bei ihrem intensiven Laufpensum von über 120 Kilometern pro Spiel. Etwas, was ihnen der HSV, mit 115 Tabellenletzter, zuletzt nachgemacht hat – völlig euphorisiert.
Da Trainer Vincent Kompany ein schlaues Kerlchen ist, wird er kaum übersehen haben, wie stark beim HSV der Kroate Luca Vuskovic mit 18 schon spielt. Genau dort, wo von 2006 bis 2008 Kompany selbst als Innenverteidiger im HSV-Trikot glänzte. Vuskovic ist ein Leihspieler von Tottenham. Ja, dem Klub, wo auch Harry Kane herkommt. Man kennt sich. Der richtige Zeitpunkt also, dass Du, lieber Dusel, bei Bayern ein Comeback feierst. Denn ohne Dich läuft auch beim großen FCB nichts. Mehr sag (schreib) ich jetzt mal nicht …
Übrigens: Der Vertrag mit Manuel Neuer muss um vier Jahre verlängert werden.
