Es sollte ein großes, weihnachtliches Basketball-Fest werden. Die MLP Academics waren zum Heimspiel gegen die Telekom Baskets Bonn extra in die 20 Kilometer entfernte SAP Arena nach Mannheim umgezogen. Doch es wurde zum totalen Debakel …
Weil die Heidelberger in der ungewohnten Umgebung das Uhren-System nicht zum Laufen bekamen, ging es erst mit 47 Minuten Verspätung los!
Was dann passierte, war für die Heidelberger fast noch schlimmer: Sie gingen mit 67:100 (19:52) unter. Damit ist der Überraschungs-Halbfinalist der Vorsaison jetzt Letzter der Easycredit BBL!
Im ersten Viertel hatten die Akademiker in der nur halb vollen Arena (6623 Zuschauer) einen totalen Blackout. Bonn führte mit 28:2! Nach 10 Minuten stand es 30:5! Ihren eigenen[–> [–>Liga-Rekord knackten die Bonner damit allerdings nicht – 2019 gewannen sie ein erstes Viertel gegen Bremerhaven mal mit 41:13!
Auch zwei schnelle Auszeiten von Heidelbergs Trainer Danny Jansson (46) änderten nichts. Der Finne: „Offensichtlich lief dieser Abend für uns nicht gut – in jeder Hinsicht. Die Situation am Anfang sollte für beide Teams gleich sein, aber das war sie offensichtlich nicht. Wir hatten überhaupt keinen Fokus, und als es dann richtig losging, standen wir wie die Hasen vor der Schlange und konnten zu keinem Zeitpunkt etwas daran ändern.“
Doch Thema des Tages war das Uhren-Chaos!
„Junge, Junge! Ich mache den Job jetzt seit 2007/2008. DAS habe ich noch nicht erlebt“, sagte Dyn-Kommentator Chris Schmidt. Der erfahrene Basketball-Fachmann musste eine Dreiviertelstunde alleine improvisieren und kommentierte jede Entwicklung rund ums Parkett mit viel Humor.
Weder die Spieluhr noch die 24-Sekunden-Wurfuhr funktionierten. Grund: Im SNP Dome in Heidelberg ist das Uhren-System eines anderen Herstellers installiert. Zusätzlich ging offenbar auch noch ein Netzteil kaputt. Dann gab es Probleme mit der Funkverbindung des mobilen Ersatzsystems, das laut Vorschrift bereitgehalten wurde.
Kurios daran: Bonn hatte in der Vorwoche beim Umzug in die Kölner Lanxess Arena selbst technische Probleme mit der Uhr. Doch da funktionierte dann zumindest die Ersatz-Shotclock.
Anders in Mannheim. Zwischenzeitlich tanzte eine Mitarbeiterin mit der tragbaren Anzeigetafel durch die Halle, um herauszufinden, wie weit das Funksignal reichte. Die Spieler beider Mannschaften kickten sich zum Zeitvertreib die Bälle zu. Als der Arena-DJ dann sogar die Bonner Vereinshymne spielte, freute sich Schmidt: „Das sind die Szenen, warum ich diese Sportart so liebe.“
Am Ende wurde eine kleine Uhr auf dem Anschreibetisch aufgebaut, die man sonst nur aus dem Jugendbasketball kennt. Irre: Der Zeitnehmer musste außerdem im ersten Viertel über Mikro laut die Sekunden runterzählen, weil es keine Shotclock gab.
Das gab es noch nie in der BBL!
Die Fans staunen!: Kommentator zeigt coolen Basketball-Trick
Bonn legte zunächst Protest ein, zog diesen aber hinterher zurück.
Kein Wunder: Denn sie feierten letztlich den vierthöchsten Auswärtssieg der Klub-Geschichte!
Kapitän Michael Kessens (34) sorgte in den ersten 2:49 Minuten im Alleingang für die ersten 10 Bonner Punkte. Am Ende legte er mit 18 Punkten sowie 11 Rebounds ein Double-Double auf. Doch damit nicht genug der Superlative: Joel Aminu (28) traf 7 seiner 11 Dreierversuche – Karrierebestwert! Seine 21 Punkte waren zudem eine persönliche Saisonbestleistung.
Heidelberg ging zwar mit fünf angeschlagenen oder kränkelnden Profis in die Partie. Kurze-Hosen-Star Michael Weathers (28/Oberschenkel) fehlte. Aber das allein reichte nicht als Erklärung. Flügelmann Erol Ersek (26) versuchte es bei Dyn: „Ich glaube, das ist einfach eine Kopfsache, die Mentalität. Wir müssen stärker sein. Wir können nicht nach eineinhalb Minuten Druck von Bonn die Köpfe hängen lassen und einfach aufhören, zu spielen.“


