Eigentlich ist es gerade nochmal gut gegangen für den VfL Gummersbach gegen Frisch Auf Göppingen. Im Duell der Altmeister legte der Überraschungs-Vierte der Daikin Handball-Bundesliga eine starke Aufholjagd hin, holte nach einem 12:19 zur Halbzeit noch einen nicht mehr für möglich gehaltenen Punkt. Doch für Trainer Gudjon Valur Sigurdsson reichte das nicht, um seine Laune an diesem Abend nochmal zu drehen. Der Trainer des Jahres 2023 war komplett sauer über das Auftreten seiner Mannschaft – und rechnete in einer denkwürdigen Pressekonferenz mit seinen Stars ab.
Der Isländer war trotz der Aufholjagd überhaupt nicht zufrieden mit seiner Mannschaft. In einer Wutrede machte er seinem Ärger Luft, nachdem ihm Trainerkollege Ben Matschke zum Punktgewinn gratuliert hatte: „Danke für die Glückwünsche für diesen absolut unverdienten Punkt. Göppingen war heute die viel, viel, viel, viel bessere Mannschaft, das muss man anerkennen. Was sie uns an Einsatzwille und Kampfbereitschaft vorgemacht haben, war vorbildlich. Wenn es bei uns nicht läuft, dann schmeißen wir Bälle weg.“ Sigurdsson, den alle nur „Goggi“ nennen, redete sich dann richtig in Rage – und erinnerte stark an die legendäre Flasche-Leer-PK des damaligen Bayern-Trainers Giovanni Trapattoni (87) aus dem Jahr 1998.
Gummersbach-Trainer Sigurdsson: Wutrede wie einst Giovanni Trapattoni
Ohne Pause spie der Island-Vulkan weiter Worte wie Lava in Richtung seiner Stars: „Wie lustlos wir in die Zweikämpfe gehen, das kann ich nicht durchgehen lassen! Das werde ich nicht akzeptieren! Ohne Wille, dieses Logo des VfL Gummersbach zu verteidigen. Wenn wir unter Druck kommen, dann werfen wir Bälle weg. Dann sind wir noch ganz weit weg davon, eine Spitzenmannschaft zu sein. Miro Schluroff kugelt sich den Finger aus, tapet ihn und hält uns im Alleingang im Spiel.“ Der Nationalspieler sicherte mit neun Toren fast im Alleingang den Punkt für den VfL. Auch die bisher so gute Saison konnte Sigurdsson nicht beschwichtigen. Stattdessen schickte er eine glasklare Botschaft an seine Spieler: „Mir ist das scheißegal, ob wir viele Spiele gewonnen haben, es zählt nur die Leistung in deinem letzten Spiel.“
Nach seinem minutenlangen Monolog erklärte er auf BILD-Nachfrage nach den Gründen für die schwache Leistung: „Es ist eine Frage der Einstellung, eine Kopfsache. Wir hatten einen sehr guten Gegner, der uns das Leben schwer gemacht hat. Es ist auch mal normal, eine schlechte Halbzeit zu haben, es war klar, dass das mal kommen würde. Aber wie schlecht es war und welche Ausfälle wir heute hatten, deutet darauf hin, dass wir uns mental nicht vorbereitet haben für den Kampf. Wir waren schon Freitag im Training nicht richtig da.“ Er beendete seine Ausführungen mit den einzigen Sätzen, den man ihm nicht abnahm: „Dass so viele Leute neben der Spur gelegen haben … Ist dann wahrscheinlich ein Trainerproblem. Ich nehm’s auf mich.“ Wahrscheinlicher ist, dass den VfL-Profis ein paar ungemütliche Tage drohen …

