Sie kennen und schätzen sich seit rund 14 Jahren. Sonntag (15 Uhr, live bei WELT TV und Dyn/Anzeige) müssen Joel Birlehm und Marian Michalczik mit der TSV Hannover-Burgdorf beim HC Erlangen ran. Das große Interview mit zwei Handball-Nationalspielern.

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Sie sind die wahrscheinlich besten Freunde innerhalb er Daikin Handball-Bundesliga. Seit wie vielen Jahren sind sie befreundet?

Joel Birlehm: „Seitdem wir 14, 15 sind, so um den Dreh.“

Marian Michalczik: „Und mit 17 sind wir zusammen in eine WG gezogen, als wir bei GWD Minden spielten.“

Hat das in so jungen Jahren problemlos geklappt, wenn man zum ersten Mal aus dem Elternhaus raus ist?

Birlehm: „Mit 17 hat man genug andere Probleme, als sich zum Beispiel zu zoffen.“

Michalczik: „Das hat gut geklappt, wir haben das eben irgendwie gemeistert. Am Anfang haben wir uns auch mal Knorr fix zum Essen gekocht.“

Birlehm: „Marian hat gekocht, wir haben überlebt. Damals war das super. Stand jetzt würde ich sagen, dass ich nicht weiß, ob das so ausgewogen war. Was wir aber immer hingekriegt haben, war, uns auf das Sportliche zu konzentrieren. Wir hatten Spaß zusammen und haben Handball gespielt. Sogar manchmal in der Wohnung. Und wir haben uns nie gestritten, obwohl wir 24 Stunden aufeinander gesessen sind.“

Gibt es am jeweils anderen eine Eigenschaft, die sie gerne hätten?

Birlehm: „Was ich an Marian immer krass fand war, dass er mit 17 gefühlt eigentlich schon 20 war. Er war früher auf jeden Fall schon weiter und schon so aufgeräumt, dass er genau wusste, was er wollte.“

Hat sie der frühe Auszug von zu Hause schneller erwachsen gemacht?

Michalczik: „Wir wurden schon knallhart ins kalte Wasser geschmissen. Da kam vieles auf ein Mal zusammen. Prüfungsstress im Abi-Jahr, gleichzeitig wollten wir Handball-Profis werden und mussten zusammen einen Haushalt schmeißen. Da reift man schon ein wenig schneller, wir hatten ja Rückendeckung und Hilfestellung durch unsere Elternhäuser. GWD Minden konnte uns laufen lassen, weil wir Überlebenskünstler waren, wir sind es ja heute noch. Die Zeit hat uns auf jeden Fall nicht geschadet.“

Birlehm: „Ich finde es rückblickend schon krass, wie wir das alles gemacht haben. Bis 15.30 Uhr waren wir in der Schule, um 18 Uhr war schon Training. Da stand aber noch kein Essen auf dem Tisch und die Bude war auch noch nicht sauber. Wir haben all das, was man normalerweise erst grob mit Mitte 20 macht, schon drei, vier Jahre früher gemacht. Da bin ich mega-happy drüber, aber für meine Kinder wünsche ich mir das lieber nicht.“

Joel wurde früher Vater als Sie. Haben Sie sich Ratschläge geholt, Herr Michalczik?

Michalczik: „Erst mal habe ich mich für Joel gefreut, dass er Vater wird. Ich erlebe jeden Tag die Souveränität des Vaters Joel Birlehm. Und natürlich habe ich mir was von ihm abgeschaut. Es zeichnet eine gute Freundschaft aus, dass man für einen Austausch offen ist und sich unterstützt.“

2017 ging Joel von Minden ausgerechnet zum Erzfeind TuS N-Lübbecke. Hat das die Freundschaft auf eine harte Probe gestellt?

Michalczik: „Irgendwann biegt der eine halt mal ab, Joel hat da schon die richtigen Kurven gefunden. GWD Minden setzte viel auf mein Talent und hat das Talent bei Joel leider nicht so sehr gesehen. Er musste den Umweg über Lübbecke nehmen. Es hat ihm nicht geschadet, er hat alles richtig gemacht.“

Sie sind beide Fans von Schalke 04. Sind sie öfter in der Arena?

Birlehm: „Auf dem Handy gucken reicht, den großen Fernseher traue ich mich nicht anzumachen. Wäre ich kein Sympathisant, würde ich es nicht anschauen. Ist ja kein schöner Fußball.“

Wann spielt Schalke wieder in der Bundesliga?

Michalczik: „Ich hoffe spätestens dann, wenn ich keinen Handball mehr spiele.“

Birlehm: „Jawoll, das wäre top.“

Michalczik: „Dann brauchen vier Dauerkarten nebeneinander in einer vernünftigen Reihe.“

Gab es den Plan, noch mal irgendwo zusammenzuspielen, als sich 2017 ihre Wege trennten?

Birlehm: „Darüber nachgedacht haben wir sicher. So richtig daran geglaubt eher nicht. Ich habe ja gedacht, dass ich bei den Rhein-Neckar Löwen bleibe, bis ich 35 bin. Dann ging das Fenster in Hannover auf. Wir reden oft darüber, dass es eigentlich Wahnsinn ist, dass wir noch mal zusammenspielen und aktuell auch so viele Spiele zusammen gewinnen. Wir saßen früher in der Kabine nebeneinander, jetzt wieder. Als der Wechsel verhandelt wurde, habe ich gefühlt mehr mit Marian als mit einer Mutter telefoniert.“

Michalczik: „Wir waren schon sehr intensiv im Austausch. Ich habe mir das natürlich gewünscht, dass Joel zu uns kommt. Weil ich wusste, was er für ein Hebel für unsere Mannschaft sein konnte. Dass es mir privat nicht schaden würde, war mir natürlich auch klar (grinst).“

Birlehm: „Das finde ich ja so krass. Sport ist im Prinzip ein Geschäft. Das haben wir beide ja gemerkt. Marian, als er in Berlin war und ich in Mannheim. In einem Business, in dem viele Emotionen drin sind aber wenig auf Emotionen geachtet wird, ist es schon cool, dass so was doch noch mal möglich ist.“

Sie sind Zweiter mit der TSV Hannover-Burgdorf. Klappt diese Saison der große Wurf?

Birlehm: „Was soll der große Wurf denn sein?“

Ein Champions-League-Platz.

Birlehm: „Dann sollte man sich mal unser Rest-Programm anschauen. Im Mai haben wir vier Top-Spiele hintereinander, drei davon auswärts. Von Champions League redet hier bei uns keiner. Wir schauen eher auf den Punktabstand zu Platz 7. Wir sind gut beraten, die kleinen Brötchen zu backen.“

Michalczik: „Wir müssen auswärts auch noch nach Eisenach, das darf man nie unterschätzen. Am Sonntag erwartet uns eine schwierige Aufgabe in Nürnberg gegen Erlangen, die werden auch wissen, dass wir gerade dünner besetzt sind. Wir werden uns detailliert darauf vorbereiten, um die nächsten zwei Punkte holen zu können. Damit Journalisten auch weiter spekulieren können.“

Früher war immer von den „großen Vier“ aus Kiel, Flensburg, Magdeburg und Berlin die Rede. Sind es jetzt mit Hannover-Burgdorf und der MT Melsungen die „Big Six“?

Michalczik: „Gummersbach könnte man auch dazu zählen. Es wird oben in der Tabelle einfach immer enger, was super für die Attraktivität dieser Liga ist. Es kann doch heute noch keiner einschätzen, wie es nach dem 34. Spieltag aussieht. Das zeigt, wie gut in vielen Klubs gearbeitet wird.“

Birlehm: „Wir sind auch deshalb oben mit dabei, weil viele andere Verletzungs-Probleme haben oder sich im Umbruch befinden. Für Kiel war es immer selbstverständlich, in der Champions League zu spielen. So ist das jetzt gerade nicht, weil andere Klubs aufholen. Aber die großen Klubs werden immer die großen Klubs bleiben. Wenn wir es schaffen würden, da jetzt vier, fünf Jahre mitzuspielen, dann versuchen wir das natürlich.“

Dieser Wurf war haarscharf: Heinevetters Haarband vom Kopf geworfen

Teaser-Bild

Quelle: DYN

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