Christian Anderson (18) zog allerdings nicht wegen der Musik dorthin, sondern wegen des Basketballs. Der U18-Europameister spielt als sogenannter „Freshman“ für die Texas Tech University in der „Big 12 Conference“ der NCAA – und zählt gleich im ersten Jahr zu den Leistungsträgern.
Erst 30-Punkte-Show, dann…: Schockmoment für MVP-Kandidaten
Beim historischen EM-Gewinn mit dem DBB-Nachwuchs (U18) vergangenen Sommer in Tampere (Finnland) war der Aufbauspieler mit 20,3 Punkten pro Partie deutscher Top-Scorer und wurde nach seiner 31-Punkte-Gala im Finale gegen Serbien (93:83) ins All-Star-Team gewählt.
Eine große Karriere kündigt sich an. Weltmeister Dennis Schröder (31) sieht in Anderson seinen potenziellen Nachfolger in der Nationalmannschaft. „Ich glaube, dass wir auf jeden Fall noch mal zusammenspielen werden“, sagt der NBA-Profi von den Detroit Pistons. „Aber wenn ich mich entscheide, von der Nationalmannschaft zurückzutreten, dann wird er der Nächste sein. Er hat auf jeden Fall das Zeug dazu. Für ihn ist nur der Himmel die Grenze.“

Anderson (M.) bei der EM 2023 im Trikot der deutschen U18 (rechts Johan Grünloh). Letztes Jahr wurde er mit dem DBB-Team in dieser Altersklasse Europameister
Schröder spielte im gleichen Alter in der Bundesliga und zieht einen Vergleich. „Er ist mit 18 weiter, als ich es war. Das ist wirklich nicht zu vergleichen“, sagt der Braunschweiger. „Seine Entwicklung, die er bis jetzt gemacht hat, ist besonders. Und ich glaube, dass er so weitermachen wird. Er ist sehr ehrgeizig, misst sich gerne mit anderen, will immer besser werden.“
Anderson formuliert seine Ziele so: „Ich möchte auf dem höchsten Level spielen, auf dem höchsten Level Erfolg haben und einer der Besten sein.“
Das Talent bekam er in die Wiege gelegt. Sein Vater Christian (50) war ebenfalls Basketballprofi. Der Deutsch-Amerikaner (geboren in Berlin) tourte zehn Jahre durch Europa und Australien, spielte u. a. in Bamberg, Crailsheim und Göttingen.
Der Papa erkannte früh das Talent seines Sohnes: „Ich trainiere mit ihm und seinem Bruder Lucai, seit sie ein oder zwei Jahre sind. Und ich wusste immer, dass er ein Profi wird. Auch wenn Profi ein weitgefächerter Begriff ist. Du kannst 60 Millionen Dollar im Jahr verdienen oder 60 000 Dollar.“
Anderson kündigte seinen Trainerjob am Atlanta Metropolitan State College und begann, seine Söhne professionell zu coachen. „Es war nie Zwang“, betont er. „Chris hat nie gesagt: ‚Heute nicht, Dad.‘ Sein Bruder und er wollten es immer aus sich selbst heraus und haben sich nie beschwert.“
Anderson junior wuchs in Atlanta auf, spricht nur wenig Deutsch. „In der fünften Klasse ist er auf die Bühne gegangen und hat allen verkündet: Ich werde in der NBA spielen“, erinnert sich sein Vater.
„Seine großen Stärken sind sein Drei-Punkte-Wurf, auch sein Eins-gegen-eins ist sehr elite in dem Alter“, lobt Schröder. „Wie er arbeitet, wie ihn seine Familie pusht und unterstützt, da habe ich wirklich kein Zweifel, dass er es in die NBA schafft und dort auch viele, viele Jahre spielen wird.“


