Doch beim HC Erlangen ist Martin Schwalb krachend gescheitert. Am Dienstag hatten die abstiegsbedrohten Franken bekanntgegeben, dass der 61-Jährige beurlaubt und durch seinen Vorgänger Johannes Sellin ersetzt wird.
Nach SPORT BILD-Informationen fiel die Entscheidung gegen Schwalb am Montag, als die Vereinsgremien in einer turnusmäßigen Sitzung die sportliche Situation analysierten. Platz 17 mit drei Punkten Rückstand auf den ersten Nichtabstiegsplatz zwangen die Verantwortlichen zum Handeln.
Weder Aufsichtsratschef und Präsident Carsten Bissel, der dem Trainer die Nachricht überbrachte, noch Geschäftsführer René Selke fiel die Trennung von Schwalb leicht. Der sympathische Schwabe war und ist in Erlangen beliebt.
Selke zu SPORT BILD: „Es ist persönlich sehr, sehr schade, dass es nicht geklappt hat, weil Martin Schwalb vor allem ein tadelloser Mensch ist. Ich habe leider schon ein paar Trainerentlassungen erlebt, aber diese war emotional positiv, sehr offen, sehr transparent.“
Handball: Darum musste Trainer Martin Schwalb beim HC Erlangen gehen
Zur Wahrheit gehört aber auch: Der sportliche Niedergang, der bereits in der Vorsaison eingesetzt hatte, wurde unter Schwalb nicht gestoppt – im Gegenteil. Der Star-Trainer holte in 15 Ligaspielen nur zwei Siege (zu Hause gegen Potsdam und Göppingen) und ein Unentschieden (daheim gegen Bietigheim) bei zwölf Niederlagen.
Nicht wenige in und um Erlangen vertraten am Ende die Meinung, dass der charismatische Schwalb als Trainer für Topteams eher geeignet ist als für eine Mannschaft, die ums sportliche Überleben kämpft.
Selke: „Die Tabelle lügt leider nicht, die Punkteausbeute auch nicht. Fünf Punkte in 15 Spielen sind einfach zu wenig, um den Klassenerhalt zu schaffen, wir müssen eine Schippe drauf legen.“ 2023/24 rettete sich Erlangen mit zwei Punkten Vorsprung auf den Bergischen HC, allerdings schlossen die Franken da die Saison mit 22:46 Punkten ab.
Alle in Erlangen wissen: Die 2. Liga in Deutschland ist so stark, dass ein Wiederaufstieg auf keinen Fall einfach werden würde.
Deshalb setzt der HCE mit dem neuerlichen Trainerwechsel jetzt auch die letzte Patrone ein, so Selke: „Wir sind nicht bereit, jetzt aufzugeben. Dafür haben wir hier in den letzten Jahren zu viel Herzblut und Leidenschaft investiert. Wir haben die volle Unterstützung von Partnern, Sponsoren und Fans, die uns die Bude einrennen. Diese Power müssen wir auf die Platte bringen.“
Dafür soll jetzt mit Johannes Sellin ausgerechnet der Trainer sorgen, der im Oktober für Schwalb ins zweite Glied rücken musste. „Wir sind und waren davon überzeugt, dass Johannes das Zeug zu einem sehr guten Trainer hat“, erklärt Selke, „möglicherweise kam der Schritt etwas zu früh, er hatte jetzt Zeit, weiter zu lernen. Dazu kommt, dass es nicht unbedingt erfolgversprechend sein muss, jetzt jemanden von außen zu holen.“
Das hätte es beim Fußball nicht gegeben: Handball-Szene verwirrt TV-Zuschauer
Dass Sellin bis Saisonende bleibt, ist trotzdem nicht in Stein gemeißelt. Das zeigt schon die Formulierung in der offiziellen Pressemitteilung, die Assistenztrainer Sellin und Matthias Obinger „übernehmen bis auf Weiteres“ das Erlanger Team. Nochmal Selke: „Wir sind zum Glück breit aufgestellt und haben die Entscheidung getroffen, mit Johannes und Matthias weiterzumachen für die nächste Zeit. Alles andere muss man sehen.“
Am Sonntag (15 Uhr/live bei WELT TV, SPORTBILD.de und Dyn/Anzeige) wartet direkt eine Herkules-Aufgabe zum Einstieg: Die starke TSV Hannover-Burgdorf, als Zweiter dick dabei im Meisterrennen, kommt in die Arena Nürnberger Versicherungen.


