Der rosa Helm sowie die gleichfarbige Mütze von Skispringer Pius Paschke (34) sind in diesen Tagen während der Vierschanzen-Tournee ständig im Fernsehen und Internet zu sehen. Das freut den Sponsor, einen österreichischen Süßwarenhersteller – und Paschke selbst. Denn ihm winken Extra-Prämien und im nächsten Winter ein höher dotierter Werbevertrag.

An die 200 000 Euro inklusive Prämien kann Paschke, der erst jetzt seinen Durchbruch feiert und beim Tournee-Auftakt in Oberstdorf Platz 4 belegte, in diesem Winter mit seinem Mützensponsoring kassieren. Damit liegt er noch deutlich hinter Karl Geiger (31) und Andreas Wellinger (29), die bei entsprechenden Erfolgen fast das Doppelte kassieren.

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Quelle: BILD

Wer sind die Vermarktungskönige des Winters? SPORT BILD kennt die Summen, die in jeder Disziplin gezahlt werden, und hat ein Ranking erstellt.

Oben stehen die Skispringer – obwohl sie nur drei persönliche Werbeflächen haben. Das Kopfsponsoring bringt den Topstars bis zu 400 000 bis 450 000 Euro ein, inklusive der Leistungsprämien. Bestverdienender Skispringer aller Zeiten ist Martin Schmitt (46), der vor 25 Jahren etwa eine halbe Million Euro für seinen lila Helm bekam. Seit dieser Saison dürfen die Springer auch an der Kopfseite ein Logo präsentieren. Doch fast keiner hat einen Partner gefunden – zu unattraktiv ist die Fläche. Ganz anders der Platz auf den Skiern oberhalb der Bindung. Sie ist bei jedem TV-Interview zu sehen und bringt zwischen 40 000 und 120 000 Euro.

Mit ihren drei persönlichen Werbeflächen liegen die Skispringer bei den Einnahmen oft vor den Biathleten, obwohl diese gleich fünf Logos präsentieren können.

Biathletin Franziska Preuß hat fünf persönliche Werbeflächen: Mütze vorn, Mütze seitlich, Gewehrschaft, Diopter und Gewehrriemen. Insgesamt nimmt sie bis zu 200000 Euro ein

Biathletin Franziska Preuß hat fünf persönliche Werbeflächen: Mütze vorn, Mütze seitlich, Gewehrschaft, Diopter und Gewehrriemen. Insgesamt nimmt sie bis zu 200000 Euro ein

Foto: WITTERS

„Man muss das Gesamt­erscheinungsbild betrachten“, sagt Ex-Weltmeister Martin Schmitt, der jetzt auch als Vermarkter tätig ist. „Bei zu vielen Werbelogos geht jedes einzelne unter. Weniger ist in diesem Fall mehr. Als deutscher Skispringer darf man sich nicht beklagen. Die Norweger zum Beispiel haben keine persönliche Werbefläche, da sind nur Verbandssponsoren zugelassen.“

Über Ausrüsterverträge nehmen die Athleten weiteres Geld ein. Für große Erfolge wie den Sieg bei der Vierschanzen-Tournee zahlt eine Skifirma 80 000 bis 100 000 Euro. Im Biathlon sind die ganz großen Zahltage vorbei. Die zwölfmalige Weltmeisterin Magdalena Neuner (37) kam früher auf Werbeeinnahmen von mehr als einer Million Euro. Franziska Preuß (30), die aktuell beste deutsche Biathletin, bekommt etwa 200 000 Euro. Der Kopfsponsor zahlt rund 70 000 Euro plus Prämien. Hinzu kommen die Werbeflächen an der Mützenseite und am Gewehr (Hinterschaft, Diopter, Riemen), die zusammen 50 000 bis 80 000 Euro einbringen. Minimale Einnahmen bringt ein kleiner Clip, der die Ski zusammenheftet.

Die Wirtschaftskrise geht auch an den Winterstars nicht spurlos vorüber. Im Schnitt sind ihre Einnahmen in den vergangenen Jahren um 20 Prozent gesunken. „In diesen rezessiven Zeiten muss man als Vermarkter intelligente Konzepte auflegen und neben den Werbeflächen zusätzliche Dienstleistungen im Gesamtpaket anbieten“, sagt Vermarkter Stephan Peplies, der früher Magdalena Neuner und Martina Ertl (51) zu Werbemillionärinnen machte und jetzt Karl Geiger vertritt. „Es gibt keine Sweetheart-Deals (sehr hoch dotierte Verträge; d. Red.) mehr. Vor allem für die jungen und noch nicht so bekannten Athleten ist es schwieriger geworden.“

Das A und O bei der Vermarktung sind die TV-Präsenz und die Einschaltquoten. Biathlon schauten 2023/24 im Schnitt 3,2 Millionen – in der Spitze bis 4,7 Mio. Skispringen lag bei 2,6 Millionen, die Vierschanzen-Tournee kam in der Spitze auf 6,7 Millionen. Ski alpin kam auf 1,47 Mio. (Spitze: 3,2 Mio.). Ein ähnliches Niveau haben Bob und Rodeln mit ebenfalls 1,5 Mio. im Schnitt.

Die alpinen Skifahrer können nur eine Werbefläche selbst vermarkten: Für den Helmaufdruck kassieren Top-Sportler wie Linus Straßer (32) 100 000 bis 200 000 Euro. Die Alpinen haben aber den Vorteil, dass die Ski-Indus­trie ein großes Einnahme-Potenzial durch Ausrüster und Urlaubsgebiete mitbringt. So zahlen Hersteller von Ski, Schuhen, Stöcken und Brille Prämien, die insgesamt im sechsstelligen Bereich liegen. Da Straßer 2024 Siege in Kitzbühel und Schladming ablieferte, steigen auch seine Einnahmen. Er hat insgesamt acht Sponsoren und kommt pro Saison auf rund 800 000 Euro.

Internationale Stars wie die Amerikanerin Mikaela Shiffrin (29) kassieren zwei, drei Millionen Euro pro Jahr. Wer im Ski alpin allerdings nicht ganz vorne mitfährt, liegt eher bei 100 000 bis 200 000 Euro pro Saison.

Im Bob können die Sportler acht Flächen selbst vermarkten (siehe Fotos oben). Die kurioseste Fläche sind die Waden. Diese sieht man im TV beim Start und darf zweimal 150 Quadratzentimeter groß sein. Sie bringt 5000 bis 20 000 Euro ein.

Ausnahmesportler Francesco Friedrich (34) steht auch bei der Vermarktung über allen anderen. Er hat sich über die Jahre eine Sponsorenallianz in seiner Heimat Sachsen aufgebaut. Diese bringt 200 000 bis 300 000 Euro pro Winter ein. Hinzu kommt eine Beteilung an den Sponsoreinnahmen des Verbandes. Davon muss er allerdings seine Anschieber entlohnen und Kosten für Material und Fahrzeuge decken. Sonst sind im Bobsport Einnahmen von 75 000 bis 100 000 Euro die Regel.

Rodler Felix Loch kann elf Werbelogos präsentieren. Damit verdient er bis zu 100000 Euro

Rodler Felix Loch kann elf Werbelogos präsentieren. Damit verdient er bis zu 100000 Euro

Foto: AP

Die Rodler wie Julia Taubitz (28) und Felix Loch (35) haben die meisten Flächen: Auf Schlitten, Rennanzug und Jacke sind es elf. Die restlichen Stellen vermarktet der Verband inklusive des Rennhelms. Für die Top-Rodler kommen so bei Einsitzern im Regelfall rund 75 000 bis 100 000 Euro pro Saison zusammen. Doppelsitzer liegen eher zusammen bei 50 000 Euro.

Im Skeleton, wo die Sportler fünf Flächen haben, ist die Einnahmelage schwer. Üblich sind 10 000 bis 20 000 Euro pro Saison, 30 000 Euro eine Ausnahme. Ein Problem: Die Weltcup-Rennen sind freitags und dadurch nicht so prominent im Fernsehen. „Durch die wirtschaftliche Situation ist es sehr schwierig geworden, Partner zu finden“, sagt Olympiasieger Christopher Grotheer (32). Bis kurz vor der Saison hatte er keinen Mützensponsor, fand dann F-Tec Elektrotechnik aus Thüringen.

Beim Eisschnelllauf sind die Zeiten, als Anni Friesinger-Postma (47) und Claudia Pechstein (52) im Millionenbereich lagen, lange vorbei. Bei den aktuellen Läuferinnen wie Josie Hofmann (28) oder Lea Sophie Scholz (25) sind die drei Flächen nicht verkauft. Wenn 10 000 Euro pro Saison zusammenkommen, ist das schon gut.

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