Der Meister-Favorit verliert den Anschluss!
Die SG Flensburg/Handewitt verliert das Spitzenspiel des 14. Spieltages in der Daikin Handball-Bundesliga bei den Rhein-Neckar Löwen mit 29:31. Der Rückstand auf Tabellenführer MT Melsungen beträgt nun schon fünf Punkte! Woran zwei Nationalspieler großen Anteil haben.
Er krümmt sich vor SchmerzenSchlimme Verletzung in der Handball-Bundesliga
Im ersten Durchgang läuft die SG nur hinterher. Nach den Führungen ganz zu Beginn beim 1:0 und 2:1 liegen sie durchgängig zurück.
Das behäbige Spiel bringt Flensburg-Coach Nicolaj Krickau (38) auf die Palme. Er nimmt die Auszeit nach dreizehneinhalb Minuten und 5:8-Rückstand, fährt richtig aus der Haut, schreit: „Wir haben mehr Intensität in der Kabine als in unserem Spiel. Ihr geht aufs Tor jetzt und nicht den Kontakt nehmen für einen Siebenmeter. Viel mehr Tempo machen!“
Der Anschiss zeigt Wirkung, Flensburg jetzt schärfer vor dem Tor, hat hinten mehr Zugriff. Zur Pause beträgt der Rückstand nur noch ein Tor (14:15 aus SG-Sicht). Dass es nicht sogar Unentschieden steht, liegt am bärenstarken Löwen-Schlussmann Mikael Appelgren (35/steht für David Späth im Kasten). Der Schwede pariert in den ersten 30 Minuten gleich drei Siebenmeter, den von Kay Smits praktisch mit dem Halbzeitpfiff – womit er die knappe Löwen-Führung in die Kabine rettet.

Knorr und Späth schlagen Flensburg fast im Alleingang
Im Feld gibt Löwen-Regisseur Juri Knorr (24) den Ton an. Der DHB-Star ist am Ende mit acht Treffern bester Werfer der Partie. Sein Auftritt reißt Dyn-Kommentator Florian Schmidt-Sommerfeldt (34) zu einem kuriosen Vergleich hin. Als Knorr mal wieder nur per Foul zu stoppen ist, platzt es aus dem TV-Mann heraus: „Unfassbar, was der für eine Beschleunigung hat. Er ist wie ein Elektro-Auto. Von 0 auf 100 in einer Sekunde.“
Damit nicht genug des Sprüchefeuerwerks. Nachdem Knorr in der 2. Halbzeit einen Wurf mit satten 116 km/h ins Tor feuert, urteilt Schmidt-Sommerfeldt: „Der Wurf ist kriminell!“
Bitter für die Gastgeber: Knorr-Kollege Sebastian Heymann (26) verletzt sich in einem seiner ersten Zweikämpfe nach nur einer Minute am Fuß. Kurz darauf geht er humpelnd zur Bank und kommt nicht wieder. Er wird noch während der Partie ins Krankenhaus gebracht.
Überraschung zur zweiten Halbzeit: Statt des starken Appelgren steht plötzlich Späth im Kasten – und das ist genau die richtige Entscheidung von Trainer Sebastian Hinze (45)! Späth führt sich nämlich nicht minder überragend ein, pariert in den ersten fünf Minuten bockstarke vier Würfe. Am Ende steht der DHB-Keeper bei elf Paraden und einer irren Fangquote von 44 Prozent.
Die Gäste kommen trotzdem besser in den zweiten Durchgang, holen sich die erste Führung seit der vierten Spielminute (17:16). Doch in der Schlussphase gibt es kaum noch ein Vorbeikommen an Späth, der zusammen mit Knorr zum Matchwinner für die Löwen (jetzt Platz sieben, einen hinter Flensburg) wird – und Flensburg zur Verzweiflung und womöglich sogar schon um den Meistertitel bringt.
Späth bescheiden: „Es war eine geschlossene Mannschaftsleistung, ich würde hier keinen Matchwinner heraussuchen.“
Emotionales Comeback von Jaganjac
Und weiter: „Und vor allem bin ich froh, und ich glaube, alle in der Halle sind froh, dass Halil Jaganjac wieder zurück ist. Er hat einen super Job in der Abwehr gemacht. Es ist unglaublich, wie er uns mit seinen Emotionen belebt hat.“
Jaganjac hatte sich vor rund zwei Jahren an der Schulter verletzt, seitdem immer wieder Rückschläge erlitten (letzte Saison nur 9 Einsätze in der Hinrunde unter Schmerzen). Nun sein emotionales Comeback. Er bekam durch die Heymann-Verletzung mehr Spielzeit, als er es überhaupt erwartet hatte.
Der Kroate überglücklich: „Ein überragendes Gefühl. Dieses letzte Jahr war das schwierigste in meiner Karriere. Drei OPs. Die erste hat nicht geklappt, ich hatte immer noch Schmerzen. Vor fünf Monaten war ich nicht sicher, ob ich jemals wieder Profi-Handball spielen kann. Und dann heute hier eine so überragende Mannschaft wie Flensburg zu schlagen, selbst mitzuspielen, Tore zu machen – das ist ein Traum. Ich bin wirklich stolz auf mich selbst und auf die ganze Mannschaft.“
Seine Schlussworte: „Dieses Gefühl hat mir gefehlt. Handball ist mein Leben, ohne bin ich kein kompletter Mensch.“

